Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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923 „Sie können lauter sprechen, ich höre nicht gut, und Sie brauchen sich nicht zu geniren, 'wein Weib ist mit den Kindern auf dem nächsten Dorfe bei einem Taufschmaus .... und ringsum ist kein Mensch . . „Habt Ihr den Schein?" rief Fallenberg laut und dringend, „doch . . . Ihr habt ihn doch gewiß; er ist ja so leicht zu nehmen, und ich habe ihn Euch so genau bezeichnet." „Ich habe ihn," antwortete Olbig, „aber Euer Gnaden, zehn Ducaten sind zu wenig . . . „Ich gebe Euch fünfzig Thaler . ... her mit dem Schein." „Sie können sich meine furchtbare Lage leicht vorstellen.... mir war's, als hätte mich Gott hierhergesandt, mir ward der Plan des vollendeten Schurken klar .... den, Schein den er producirt hatte, hatte er gefälscht oder fälschen lassen, seinen Gegenschein, den der Baron besaß, wollte er stehlen lassen, — . ... es war kein Mensch in der Nähe, der ihm als Zeuge dienen konnte ... ich überlegte was ich thunsollte .... ob ich den Augenblick benützen, mich auf den einen werfen und ihm das für mich so wichtige Document entreißen sollte .... aber ich hatte es dann mit zwei kräftigen Männern zu thun gehabt, und wenn mir auch die Verzweifelung Riesenstärke verliehen hätte, wie leicht konnte man auch das wichtige Papier zerreißen .... daß es Fallenberg, sobald es in seinem Besitze gelangte, vernichten würde, zweifelte ich nicht .... Ich flehte in der tiefen Bedrängniß aus dem Grunde meiner Seele zu Gott, und einen Augenblick schien es als wolle er mir helfen. Olbig zögerte mit der Herausgabe des Scheines. „Euer Gnaden.geben Sie mir zuerst das Geld." „Traut Ihr mir nicht," frug Fallenberg. „Offen gestanden, nein, Euer Gnaden .... Sie gaben mir auch keinen Anlaß zu besonderm Vertrauen." „Fallenberg murmelte etwas zwischen den Zähnen und reichte dem Oberdrescher einen Fünfzig- Thalerschein. — Olbig zog ein Papier aus seiner Jacke, Fallenberg griff voll Aufregung, zitternd nach demselben. „Jetzt war es für mich die höchste Zeit, handelnd einzugreifen, als Fallenberg, der den Zettel beim Hellen Mondlicht aufmerksam betrachtete, mit einem fürchterlichen Fluche ausrief: Dummkopf, das Nt nicht der rechte Schein .... das ist wohl ein Schlußzettel über dreitausend Centner RäpS, aber vom vorigen Jahr, und nicht an unsere Fabrik . . . Olbig schlug sich verzweifelnd vor den Kopf .um alles in der Welt, er ist ja auch vom 15. Jänner, auch zwei Thaler siebenundzwangzig Groschen .... was wollen Sie denn eigentlich?" „Um Himmelswillen, der Schlußzettel hat ja keinen Werth für mich .... Wenn der Schein verschwunden wäre, sprach Fallenberg aufgeregt laut zu sich selbst; hätte ich leichteres Spiel gehabt .... aber so .... ich kann freilich auch diesen Schein als gefälscht bezeichnen; der mit unterfertigte Fabriks-Director ist glücklicherweise mittlerweile gestorbeu .... bezüglich der Buchung habe ich alles bestens geordnet . . ... aber . . . . besser wär's doch gewesen .... wenn der^Schein gefehlt hätte .... bah! es wird auch so gehen müssen!" „Ich fühlte mich einen Augenblick unendlich erleichtert. Der von Fallenberg und dem verstorbenen Fabriks-Director unterfertigte, mit dem Stempel der Actiengesellschaft versehene Gegenschein mußte sich jetzt vorfinden. Wenn Fallenberg dennoch zu behaupten wagen würde, auch dieser Schein sei gefälscht, — konnte ich mit der Behauptung auftreten, Olbig sei von Fallenberg zum Diebstahl des Scheines verleitet worden, und hatte den falschen, den jetzt in der Mappe fehlenden Schein gestohlen. — ich hatte alle Sympathien für mich, die moralische Ueberzeugung stand mir zur Seite, ich hielt mich für gerettet . . . . " „Olbig," sprach Fallenberg nach einer Pause, „wißt Ihr, was Ihr wenigstens für das viele Geld thun müßt, das ich Euch rein umsonst gegeben habe? .... Ihr müßt diesen Zettel wieder an seinen alten Platz hin praktiziren." „Nicht für eine Million," entgegnete Olbig entschieden.ich rühre an die verfluchte Geschichte nicht mehr an — ich habe heule ein fürchterliches Donnerwetter vom gnädiger; Herrn bekommen .... morgen früh wird der Schlosser kommen, der Herr Baron wird beim Aufbrechen anwesend sein .... nichts da, Euer Gnaden, ich zerreiß den Zettel .... wenns nicht der rechte ist, was liegt daran? „Fallenberg würdigte ihn keiner Antwort und fuhr fort. Ich schwankte was ich thun sollte; nach einigem Bedenken hielt ich es für das Beste in das Schloß zurückzukehren. — Wäre Tondern noch wach gewesen, es wäre ein Glück für mich gewesen, ich hätte ihm Alles mitgetheilt .... es wäre Alles noch gut geworden.im unerforschlichen Rathschlusse Gottes war es anders bestimmt, . . . . Fallenberg hatte Zeit gehabt Neues zu ersinnen. Neues vollführen zu lassen! . . . i. ■: i