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Der Israelit · 1875-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1875) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1875)
Date
1875-10-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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924 Löwenstamm's halte sich jwieder einer fieberhaften Erregung bemeistert, er.mußte wiederinnehalten. „Die Erzählung regt Sie im hohen Grade auf," bemerkte Robert „ich finde das begreifiich. Ich bin sehr gespannt auf das folgende . . . . aber wenn es Sie zu gewaltig erschüttert, würden wir für heute darauf verzichten . . . „Nein, meine Freunde, ich will und muß zu Ende kommen, mir wird ein Last vom Herzen genommen sein, wenn ich Ihnen den Verlauf dieser furchtbaren Begebenheit ganz mitgetheilt haben werde, in solch pragmatischem Zusammenhänge habe ich sie noch Niemandem erzählt .... wenn ich zu Ende sein werde, wird es beruhigend auf mich eingewirkt haben, und mir wohl thun." „Ich kam nach dem Schlosse zurück," fuhr Löwenstamm fort, „und legte mich, nachdem ich mein Nachtgebet verrichtet hatte, zu Bette. . Ich glaubte zwar die Gefahr abgewendet, aber die Aufregung ließ mich nicht schlafen, und ich blickte unverwandt durchs Fenster aus den meinem Zimmer gegenüberligenden Schloßflögel .... plötzlich sah ich eine kleine Flamme aufzucken, mir schient im ersten Augenblicke wie ein Blitz, aber im nächsten Momente züngelten schon mehrere Flammen empor. Das Schloß, ich habe es schon früher erwähnt, war von einer alterthümlichen Bauart und war möglichst unzweckmäßig eingetheilt. Ich hatte Baron Tondern oft darauf aufmerksam gemacht, hatte ihm oft dringend gerathen, wenigstens eine Aenderung in der Art der Benützung des großen Gebäudes vorzunehmeu, aber Tondern hatte das Schloß mit seinen Einrichtungen von seinen Vorfahren geerbt; er mochte an dem Althergebrachten nichts ändern. „Das Schloß bildete ein großes; regelmäßiges Quadrat, das einen großen Hof einschloß. Die Kanzlei lag auf dem, meinem Zimmer gegenüberliegenden Flügel, rechts rieben derselben waren, so unzweckmäßig als nur irgend möglich, die Heuböden angebracht, unmittelbar an die Kanzlei stoßend war die Kinderstube, in denen die drei jüngsten Kinder Tonderns, darunter ein Säugling, schliefen. — Im ganzen Schlosse ahnte kein Mensch, daß es brenne. Mein erster Gedanken war Lärm zu schlagen, auf den Hof hinunter zu eilen, die Glocke, die seit unendlichen Jahren mitten im Hofe stand, zu läuten, da fiel mir's ein, daß Tonderns Kinder gegenüber schliefen, sie mochten in Lebensgefahr sein; .... ich warf rasch meine Kleider um und eilte durch die mir bekannten Gallerten auf den gegenüberliegen Flügel. Dort angelangt, drangen mir schon dichte Rauchwolken entgegen. Vom Qualm schwer belästigt, blieb ich einen Moment ermattend vor der Thüre des Kinderzimmers stehen. Zu meinem namenlosen Schrecken bemerkte ich, daß ans der Thüre der Kanzlei schon unheimlich Flammen heraurlecken und das Gebälks des Ganges zu erfassen beginnen, es war hoch Zeit! zum Glücke erblicke ich etwas glänzendes am Boden, ich hebe ss auf, es war eine Axt .... ich zerbrach die Thüre des Kinderzimmers — es war ganz von schweren Rauchwolken erfüllt, die Fensterrahmen waren von den Flammen ergriffen und verkohlt .... Die Dienstmädchen mußten von dem Feuer überrascht worden sein, sie rannten wie sinnlos, schreiend umher, und hatten vor Schrecken alle Fassung verloren. Es mußte rasch gehandelt werden. — Ich ergriff den Säugling, nahm ein zweites auf den Arm, befahl der Amme das Dritte zu nehmen und schritt der Thüre zu. — Wie es bei solchen Gelegenheiten immer der Fall zu sein pflegt, war das Feuer kurz darauf, nachdem ich es entdeckt hatte, auch von mehrernAndern bemerkt worden und während ich die Kinder aus den Betten riß, hatten sich einige im Schlosse wohnenden Beamte, die Dienerschaft und die Knechte im Hofe gesammelt und blickten zuerst rathlos auf die Flamme, die mit grauenhafter Schnelligkeit an dem Holzgeländer des weiten Ganges hinlief. Ich trat jetzt aus dem Corridor hinaus ... es war dies einer der unvergeßlichen Momente meines Lebens. Die kurze Zeit hatte hingereicht, die Flamme, die an dem alten Holzwerk reiche Nahrung fand, in furchtbarer Weise ausbreiten zulasten. Ein starker Wind warf Funken und brennende losgeristene Dachschindel herum, welche den Gang gleichzeitig an mehreren Stellen entzündeten .... cs bedurfte meiner vollsten Geistesgegenwart, mich zu orientiren. Der Weg zur nächsten Treppe war mir abgeschnitten . . . . es war ein hoher erster Stock, ein Mensch allein konnte den gefährlichen Sprung leichter wagen, aber ich hatte zwei Kinder auf dem Arm. Nun hörte ich plötzlich einen markerschütternden Schrei, einen Schrei, der meine Seele zerriß. Tondern und seine Gattiu standen auf dem Gange des gegenüberliegenden Flügels. Die Baronin rang verzweifelnd die Hände. Der Baron rief: Löwenstamm, Freund, Retter, schirmen Sie meine Kinder, bringen Sie mir sie aus dem sichern Flammentode und ich will Jhnem tausendmal mit meinem Leben danken." (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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