Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1875) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1875)
Date
1875-10-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447634--11864-2467666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

921 England. London. Einige Tage der Ruhe in seiner Wohnung in Ramsgate haben bewirkt, daß Sir Moses Montefiore sich vollständig von den Strapatzen der zurückgelegten Reise erholt hat. In einem an das „Jew. Chr." gerichteten Brief sagt derselbe, daß es für ihn eine Quelle der höchsten Befriedigung sei, die Versicherung geben zu können, daß seine Mission weit über seine Erwartungen erfolgreich gewesen und daß seine Hoffnung und seine Wünsche in Bezug auf das hl. Land mit der Hilfe Gottes sich erfüllen werden — ein Resultat, welches die gehabten Aengstigungen und Anstrengungen mehr als compensirt. Rußland. Petersburg, im Sept. Die hiesige jüdische Gemeinde hat durch den am 26. v. M. erfolgten Hintritt des Predigers Dr. A. Neumann einen großen Verlust erlitten. Aus seinem Vaterlande Bayern nach Riga ursprünglich berufen, hatte er in dieser Gemeinde 22 Jahre amtirt, dann 14 Jahre Hierselbst. Eine Deputation der Rigaer Gemeinde gab bei dem Leichenbegängnisse den Gefühlen der Trauer geeigneten Ansdruck, während der aus Moskau herbeigerufene Prediger Minar den Verlust der hiesigen Gemeinde schilderte. Den Trauerzug eröffneten die Zöglinge des Waisenhauses, denen der DahingeMedene stets ein treuer Vater war. (I. Pr.) Arabien. Der Wiener „Presse" schreibt man unterm 12. v. M. aus Alexandrien: „Es ist mir heute gegönnt, Ihnen eine Neuigkeit mitzutheilen, die unter den Israeliten des Abendlandes nicht wenig Aufmerksamkeit erregen dürfte. Es mögen jetzt schon ein paar Jahre her sein, da kam nach Sana, der Hauptstadt des Königreichs Jemen, in der eine zahlreiche und auch wohlhabende jüdische Gemeinde existirt, der durch seine Gefangenschaft in Abeffynien so berühmt gewordene Englische Mifsionär Dr. Stern, um, wie er selbst sagte, „den dortigen Juden eine frohe Botschaft zu bringen." Letztere, die in ihm einen Glaubensgenossen wähnten, empfingen ihn mit Ehren und in Freuden und lauschten so eifrig seinen Worten und Belehrungen, gleich als kämen sie aus dem Munde ihres Rabbiners. Bald darauf begann der Herr Doctor auch öffentliche Vorträge zu halten, in denen er den Juden Nachweisen wollte, daß der von ihnen so sehnlichst erwünschte Messias eigentlich schon gekommen sei, und zwar in der Person des Stifters der christlichen Religion. Die Juden Sanas ersuchten nach dieser Verkündigung ihren abendländischen Gast, sich so schnell als möglich aus ihrer Mitte zu entfernen. Dieser ging aber schnurstracks zum Sultan — in Sana residirte noch bis vor einigen Jahren ein Sultan von Jemen — und zeigte ihm an, daß die Juden Sanas sehr „verstockter Natur" wären und von keinen Fortschritte und keiner Belehrung etwas wissen wollen. Daraufhin ließ der Sultan die „Schichach El.Kenißiu" (die Vorsteher der Gemeinde) vor sich kommen und sagte zu ihnen: „Hört Ihr, Ihr Jehuvs (Juden)! Ihr seid wirklich ein abscheuliches Volk. Zuerst betet Ihr in Euren Synagogen, daß Allah Euch bald den Messias senden möge und nun, da man Euch die frohe Botschaft von der schon längst vor sich gegangenen Ankunft desselben bringt, da spottet und lacht ihr darüber, so wie Ihr einst unseren „Nebbi" (Propheten) verspottet und verhöhnt habt. Als Strafe für Euer Benehmen müßt Ihr mir dieses Jahr die Kopfsteuer zweimal entrichten." Die Juden Sanas seufzten und zahlten. Diese Worte des Sultans wurden bald darauf in ganz Süd-Arabin bekannt und überall begann man die „verstockten Jehuds" zu verhöhnen, die nicht nur gegen „Musa" (Moses) und „Harun" (Aaron) widerspenstig waren, sondern auch den „Nebbi" verhöhnten und zuletzt sich gar über ihren eigenen Messias lustig machten. Dieses Ereigniß benützt nun ein ehrgeiziger jüdischer Lehrer in der Südarabischen Provinz Hadramaut, der sich seit seinem dreizehnten Lebensjahre ungemein stark in das Studium der Kabbala (Geheimlehre) vertieft haben soll, indem er öffentlich erklärte, daß er von der Vorsehung dazu auserwählt worden sei, die Juden aus allen Weltgegenden zu sammeln und sie nach Jerusalem zurückzuführen. Dabei berief er sich hauptsächlich auf die Worte, welche der Patriarch Jacob vor seinem Tode an seine um sein Sterbebett versammelten zwölf Söhne richtete und die bekanntlich lauteten: „Und ich werde Euch verkünden, was euch am Ende der Tage geschehen wird " (Gensis, Cap XLIX Vers I). Aus diesen Worten des sterbenden Patriarchen wollen nämlich Arabische Kabbalisten herausgefunden haben, daß, sobald der Islam das dreizehnte Jahrhundert seines Daseins erreicht haben wird, seine Herrschaft zu schwinden beginnen und Israel wieder in das Land seiner Väter zurückkehren werde. Dieser neue Messias — gewöhnlich nannte man ihn „Jbn David" (Sohn Davids), in der Wirklichseit soll er aber Suleimann heißen fand nun zahlreiche Anhänger nicht nur bei den Juden in Hadramant, sondern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.