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Der Israelit · 1875-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1875) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1875)
Date
1875-10-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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920 Eoufession auf; d i. 6,117 Blöde, somit auf 9000 ein Blödsinniger. Alle diese Blöden, deren leibliche und geistige Noth sich uns so vor Augen stellt, deren Elend so tief und bejammernswerth ist, alle diese Blöden sind Fleisch von unserem Fleisch, sie Alle sind wie wir dazu bestimmt, die irdische Welt zu genießen und sich vorzubereiten für eine andere bessere Welt. Darum kann es keine Frage sein, wir müssen ihnen helfen, wir müssen sie der Nacht, die sie umhüllt, zu entreißen suchen, wir müssen das Elend, von dem sie betroffen, bekämpfen und seiner weiteren Verbreitung im Volksleben entgegentreten. Daß hier Hilfe Noth Mt, braucht keines weiteren Beweises, daß Hilfe durch eigene hinzu eingerichtete Anstalten geleistet werden kann, ist unbestrittene Erfahrung. Jedoch kann nur dem isr. Idioten durch eine jüdische Anstalt geholfen werden. Denn wer es sieht, wie diese Unglücklichen für das Wort Gottes empfänglich sind, wie sie biblische Geschichte mit Freuden anhören, wie sie einige Gebete (Vater unser) des Tages beten, dem bricht das jüdische Herz. Warum sollen diese Unglücklichen denn eine christliche und nicht eine jüdische Erziehung erhalten? Warum strebt der Christ, daß sein blödsinniges Kind eine echt christliche Erziehung erhalte? Weshalb drängt er zur Confirmativn? Hat der jüdische Glaube schwächere Basis? Nein! Er hat sich Jahrtausende erhalten, wir dürfen ihn auch unseren Blöden, die so an Gott und den Himmel glauben, nicht rauben; sondern sie in demselben stärken, ihnen geistige und körperliche Pflege angedeihenlassen, damit sie als brauchbare Menschen dem Staate und der jüdischen Gesellschaft zurückgeben werden. Die Noth unserer Blödsinnigen ist so groß. Israel hat sie so wenig beachtet, daß man ihre genaue Anzahl noch nicht ermittelt hat. Aber die zärtliche, jüdische Pflege läßt schließen, daß dieselbe größer als die unvollständige Angabe aufzählt, sein muß. Trotzdem die jüdische Confession die kleinste im Lande ist, merkt man den Idiotismus und Cretinismus weit eher als in den übrigen Confessionen. Die Ursache mag wohl — so paradox es klingt — in der Liebe der zärtlichen Mütter liegen. Jemehr leidend das Kind ist, desto mehr Zeit und Sorgfalt verwendet sie in der Erziehung, was beim Nichjuden durchaus nicht geschieht; sondern man vernachlässigt diese unglücklichen Geschöpfe und setzt sie dadurch manchmal dem Tode aus. Und so kommt es, daß Israel, wenn auch weniger Idioten in seiner Mitte geboren werden, mehr zählt, als alle übrigen Confessionen. Es sind in letzterer Zeit Anstalten gegründet worden, welche in der Idioten - Erziehung befriedigende Resultate zu Stande gebracht haben. Es wäre an der Zeit, daß auch in Israel für die geistesarmen Kinder eine Rettungsanstalt entstehe, in welcher diesen „Aermsten unter den Armen" eine entsprechend jüdische Erziehung und ein ersprießlicher Unterricht ertheilt wird. Möge Gott die Herzen edler Menschenfreunde dem guten Werke wohlwollend zuwenden und die Angehörigen solcher Unglücklichen erleuchten, daß sie ihr Unglück einsehen, mir aber wo möglich die Kinder in der zu errichtenden Anstalt übergeben, damit sie Gott und ihr eigenes Ich erkennen. Gott mit dem Werke!*) I. Fr im. Schweiz. 26. Sept. Hochgeehrter Herr Rabb. Dr. Lehmann! Als Abonnentin Ihres geehrten Blattes „Der Israelit", nehme mir die Freiheit, Ihnen eine kleine Bemerkung zu machen. In Ihrer werthen Schilderung unserer Stadt Bern sind Sie, wie ich mir denke, falsch berichtet. Sie schreiben nämlich in dem einen Artikel: Die Israeliten in Bern haben eine gemiethete Synagoge; ich bin so frei, Ihnen, geehrter Herr, zu sagen, daß von der hiesigen isr. Gemeinde, obschon ein kleiner Verein von nicht mehr als circa 60 Mitgliedern die Synagoge schon vor ungefähr 25 Jahren erkauft und in' letzteren Jahren, unter dem Präsidium meines Mannes, Josef Weil, ausbezahlt wurde. Unter großer.Anstrengung aller hiesigen Kräfte wurde der Friedhof erkauft, mit einem schönen Gebäude, welches alle Einrichtungen, die der jüdische Ritus erfordert, enthält, versehen; zwar ist dieser Friedhof leider noch nicht schuldenfrei; es wird aber mit Gottes Hilfe auch dazu kommen. Bis heute waren unsere Kräfte zu schwach und die Aufgabe zu schwer, deßhalb mein Mann, welcher seit Kurzem nur noch Präsident des Friedhof-Vereins ist, gern freiwillige Gaben von Jedermann annimmt. Meiner Freiheit, an Sie zu schreiben, werden Sie doch nicht zürnen und danke ich Ihnen herzlich für alle Ihre freundlichen Erwähnungen unserer Stadt in Ihrem Bericht; ich wünsche Ihnen und Ihrer werthen Familie eine mm no»nro n^ro und verbleibe mit großer Hochachtung Frau Louise Weil-Weil. *) Anm. der Red.: Schreiber obiger Zeilen, Herr I. Frim, hat uns unlängst mit seinem Besuche beehrt. Derselbe wird in Pallota bei Neupesth eine Erziehungsanstalt für isr blödsinnige Kinder (Idioten) errichten. Möge er für das gottgefällige Werk genügende Förderung finden! —

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