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Der Israelit · 1875-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1875) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1875)
Date
1875-10-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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919 gessen werden. Wenn, fuhr der Redner fort, man einen Vergleich zieht zwischen dem alten Gotteshause und dem neuen, so muß man unwillkührlich an den früheren Zustand der Israeliten und an den jetzigen denken. Früher war das Volk Israel verspottet und verachtet und seufzte unter schwerem Drucke, jetzt hingegen genießt es alle Wohlthaten, die andren Staatsbürgern zu Theil werden. Früher waren auch die heiligen Lehren der Israeliten nicht genugsam bekannt und doch ist die Summa derselben: Liebe Gott von Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst! Die israelitische Religion ist nicht fanatisch; sie lehrt Duldsamkeit und will mit andern Confessionen in Frieden leben. Deutschland gebührt der Ruhm diese Grundsätze der Toleranz am ersten aufgestellt zu haben; dort stand vor hundert Jahren ein zweiter Moses auf. Moses Mendelsohn, der Rabbi aus Dessau, der in seinen geistvollen Schriften das Princip der Aufklärung und der Duldsamkeit vertheidigte. Als die große Staatsumwälzung der französischen Revolution ausbrach, da drangen diese Ideen unter alle Völker Europas und errangen den Israeliten, ihre bisher so bekümmerten bürgerlichen Rechte. Das Alles, dieser Rückblick auf die Vergangenheit stimmt zum Danke, aber diesen Dank wird die Gemeinde am besten beweisen durch Liebe und Achtung gegen Andersgläubige und durch Eintracht und Frieden in der eigenen Gemeinschaft, dann wird dies Haus auch das werden, was seine Ueberschrift anzeigt, nämlich ein Bethaus für alle Völker. Nach dem Schlußgebet und dem Halletujahgesang verließ die Versammlung das neue Gotteshaus, dessen Eingang mit Tannenbaumen geschmückt war, die der Herr Oberförster mit der größten Bereitwilligkeit hatte aufstellen lassen. Ein Festmahl vereinigte die Israeliten im Hause des Herrn Kaffeewirthes Wolf, der um die Gründung des neuen Bethauses die größten Verdienste hat; die Christen hingegen begaben sich in das Gasthaus von Herrn Metra, wo sie bis Abends fröhlich beisamen waren. Ein schönes Bespiel von Duldsamkeit hat die Gemeinde Neuweiler gegeben. Drei Confessionen wohnen da im Frieden neben einander, das war der wohlthuende Eindruck des Festes. Warum ist es nicht überall so? (Straßburger Bote.) Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pefth. Zu den Bemitleidenswertheften unserer Mitmenschen gehören diejenigen, denen Gott zwar „Leib und Seele", aber nicht „Vernunft und alle Sinne" gegeben hat und die mit mancherlei Gebrechen des Leibes und der Seele behaftet sind. Diese Unglücklichen sind unter mancherlei Namen bekannt; je nach der Art und dem Grade ihres Leidens heißen sie Krank-, Schwach-, Blödsinnige oder Idioten und Cretins. Gemeinsam ist Allen eine geistige Schwäche, die freilich gradweise sehr verschieden sein und sich bis zur Nullität alles geistigen Lebens steigern kann; bei der letzten Art der Cretins tritt zu der geistigen Schwäch^ eine körperliche Entartung, eine Mißbildung einzelner bestimmter Organe, vorzugsweise der Knochen, welche in ihren höchsten Graden auch das Gehirn und weiter die geistige Entwickelung benachtheiligt. Wo sie erscheinen — und sie sind in allen Ländern und Gegenden auch in unserem theuren Vaterlande zu finden, — besonders auch unter Juden — haben sie Mitleid erregt, aber eine liebende Fürsorge ist ihnen noch wenig zu Theil geworden; denn daß ihnen ihr trauriges, freud - und trostloses Dasein erleichtert und gebessert werden könne, daß sie einer geistigen Entwickelung fähig seien und zu brauchbaren Menschen gebildet werden können, hat man bis jetzt noch nicht geglaubt und glaubt es vielfach jetzt noch nicht. Zwar sind diese Unglücklichen, namentlich in Deutschland, Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen und Untersuchungen geworden: und sind auffallende Resultate erzielt worden. Besonders hervorragend sind die Jdioten-Anstalten in Stetten, Ecksberg, Langenhagen und Hubertusburg. Auch Ungarn hat in letzterer Zeit dazu beigetcagen den Unglücklichen eine hilfreiche Hand zu bieten. Mit Preis und Dank gegen den allmächtigen Gott, der sich des Geringen annimmt und das Kleine nicht verachtet, betrat ich meine von der ungarischen Regierung unterstützte Mission, die Jdioten-Anstalten Deutschlands zu bereisen und zu studiren. Welch Elend stellt sich dar, wenn eine solche Anstalt betreten wird! Wie schreit da Alles um Hilfe! Doch richtete ich mein Augenmerk besonders darauf, in welchem Maaße der Idiotismus in Israel verbreitet ist. Bisher war wohl vielfach die Meinung verbreitet, als gäbe es der blödsinnigen Kinder in Israel nur wenige, darum fei auch keine Nothwendigkeit vorhanden, sich ihrer anzunehmen und ihnen zu helfen Der Jrrthum ist aber im Verschwinden, da ich in jeder Jdioten-Anftalt jüdische Kinder aus beiden Geschlechtern traf. Schon Dr. Georgens sagt in seiner Heilpädagogik: „Unter den Levana-Pfleglingen war die jüdische Nattonalität am stärksten vertreten." Die unvollkommene Volkszählung unseres Vaterlandes vom Jahre 186^/?», weiset von den 18,351 Blödsinnigen V» V« jüdischer

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