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Der Israelit · 1875-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1875)
Date
1875-10-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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918 der Mann, sich in die Brust werfend: „Ls lion de Lucerne, c’est moi!“ (Der Löwe von Luzern — das bin ich). Das war aber doch zu komisch und ich stng laut an zu - lachen. „Pourquoi riezvous?“ fragte hierauf der Andere, „vous y0ulez aller au lion? Yenez avec moi, je vous prie, je suis le portier du lion d’or. (Warum lachen Sie? Sie wollen zum Löwen gehen, kommen Sie nur mit mir — ich bin der Hausknecht des goldenen Löwen). Da wir aber im „goldenen Löwen" nichts zu thun hatten, so ließen wir den Mann stehen und fanden auch bald das Monument, ein Meisterstück des großen Thorwaldsen. Es ist ein sterbender Löwe, mit brechendem Auge; in seiner Seite steckt die tödtliche Waffe; das ist ein Sinnbild der gefallenen Helden! — doch ich muß schließen. Habe ich doch noch einen leitenden Artikel *) zu schreiben; darum genug für heute. (Forts, folgt.) Kol-Nidre nicht den geringsten Bezug. Solche Gelöbnisse und Eide können überhaupt nach jüdischem Religionsgesetz weder gelöst noch für ungiltig erklärt' werden. Seit einigen Monaten ergießt die ultramontane sowohl wie die feudale Presse eine solche Fluth von Schmähungen, Lästerungen und Verdächtigen gegen Juden und Judenthum, daß sie dadurch — freilich wider ihren Willen — die Civilisation und Vorurteilslosigkeit des deutschen Volkes in das hellste Licht stellt; denn wäre vor Jahrhunderten nur der tausendste Theil all jener Hetzartikel in die Welt geschleudert worden, so hätte man dadurch eine Judenverfolgung ohne Gleichen hervorgerufen. Heutzutage fallen all die Schmähungen und Verdächtigungen auf ihre Urheber zurück, die sich jedoch schämen sollen, so weit hinter der allgmeinen Gesittung zurückgeblieben zu sein. Dr. Lehmann. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 7. Oktober. Der Herausgeber dieser Blätter hat im „Mainzer Anzeiger" den nachstehenden Artikel veröffentlicht: Mainz, 6. Okt. Wie mir von befreundeter Seite mitgetheilt wird, hat das „Mainzer Journal" die alten, grundlosen Verdächtigungen wieder aufgewärmt, daß die Israeliten am Vorabende des Versöhnungstages sich alle Eide, Schwüre und Gelübde lösen lietzen; ich habe den Artikel nicht gelesen, entspreche aber hiermit gern der Aufforderung einiger Glaubensgenossen, den Sachverhalt aufzuklären. Durch die mit „Kol-Nidre" beginnende Formel, welche der Vorsänger beim Beginne des Versöhnungsfestes dreimal recitirt, werden Gelübde und Schwüre, die der Israelit vorschnell und unbedacht seinem Gotte gegenüber thun sollte, als da sind: zu fasten, kein Fleisch zu essen, keinen Wein zu trinken oder auf andere, sonst erlaubte Genüsse zu verzichten, im Voraus für ungiltig erklärt. Auf Gelübde, Eide, Schwüre, Versprechen, die dem Nebenmenschen, sei er Jude, Christ, Muhamedaner oder Heide, gegenüber geleistet oder vor Gericht abgelegt werden, hat das erwähnte j *) Es ist das das dreizehnte Eapiiel unserer größeren j Abhandlung: „Unsere Zeit rc.". abgedruckt in Nr. 37 dieser , Blätter und datirt: Luzern, 6. September.! Neuweiler (Elsaß), 22. Sept. Heute feierte , die hiesige israelitische Gemeinde ein schönes ■ und höchst gelungenes Fest. Die neue, in maurischem Baustyle erbaute Synagoge sollte ein- ■ geweiht werden. Von nah und fern strömten, trotz! des Regens, zahlreiche Festgäste herbei. Um lu! Uhr versammelten sich dieselben im Gemeindehause.! Der Gemeinderath, den Herrn Bürgermeister an; der Spitze, der Herr Kreisdirector nebst andern! höheren Beamten des Kreises hatten sich zur Feier! eingefunden Gegen 11 Uhr setzte sich der Festzug,! unter dem Klange einer heitern Musik in Bewegung. Vor der alten Synagoge, die wirkklich eine Riithhütte gewesen war. hielt man stille, um die Gesetzrollen herauszuholen und dem alten Gotteshause Valet zu sagen. Hierauf begab man sich, unter Begleitung einer zahlreichen Volksmenge, worunter viele Christen, in die herrlich geschmückte , neue Synagoge, wo die Lichter bereits auf dem l siebenarmigen Leuchter neben der heiligen Lade! und dem prachtvollen Kronleuchter mitten im Bet-! saale brannten. Nach einem feierlichen Gesänge! wurden die Gesetzrollen in das Heiligthum ge-! bracht, um dort verwahrt zu werden. Hierauf trat j Herr Rabbiner Drehfus aus Zabern vor und hielt in fließender Sprache eine gehaltvolle Rede. Anknüpfend an eine Stelle des Propheten Jesaya, in welcher zum Danke gegen Gott aufgefordert wird, sprach er zuerst seinen und der ganzen israelitischen Gemeinde Dank aus für das neue Gotteshaus. Aber auch die Wohlthärer und Förderer des Werkes und insbesondere die hohe Regierung, die, beiläufig gesagt, einen Beitrag von 9000 Franken, worunter 1000 von der Kaiserin Augusta, gegeben hatte, sollten in dieser festlichen Stunde nicht ver-

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