Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447634--11859-2467661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sichere. Dreißigtausend, sei nicht nur in Ziffern, fanden auch deutlich mit Buchstaben geschrieben, und sei darin auch eine Angabe von Dreißigtausend Thalern bestätigt, die nur dem größeren nicht dem kleinern Quantum entspreche, da in diesem Falle die Angabe den Werth der Gesammtlieferung überschritten hatte. — Ich war sprachlos vor Erstaunen. Ich hatte Fallenberg einen Schlußschein über dreitausend Centner, und eine Bestätigung über dreitausend Tahler gegeben, selbstverständlich nur diese Summe von Fallenberg, der als Verwalt ungsrath der Fabrik das Cassawesen derselben leitete, empfangen und an Baron Tondern abgegeben." „Fallenberg suchte mich in einem Cafe, wo ich jeden Nachmittag mit Geschäftsfreunden zusammenzukommen pflegte^ auf. So widerwärtig es mir auch war, jetzt mit ihm persönlich zu verkehren, hielt ich es doch für meine Pflicht, ihn anzuhören. Ich hoffte noch immer, es wäre ein Jrrthum seinerseits. Wir begaben uns in ein Seitenzimmer. Er wies mir zuerst den Schlußbrief Tonderns vor, dessen Schrift und Unterschrift so meisterhaft gefälscht war*, daß ich beim ersten Anblicke an seine Echtheit glaubte, — dann eine Klageschrift, die mich des Betrugs, der Unterschlagung, der Fälschung bezichtigte. Er würde die Schriften sofort zerreißen, sagte er, wenn ich ihm Susanne zur Frau gäbe; ein Schlag in das Gesicht des Unverschämten war meine einzige — vielleicht übereilte — Antwort, auf diese infame Schändlichkeit!" „Ich eilte in meine Wohnung und theilte meiner Gattin nur das eine mit, daß ich mit dem nächsten Nachmittagszuge nach Kaltderg, der Besitzung des Baron Tondern, in unaufschiebbaren Geschäften reisen müsse." „Eine Eisenbahnstörung verzögerte unglücklicherweise die Fahrt, ich hatte von der Eisenbahnstation noch einen Fußweg von einer halben Stunde, und langte daher statt um sieben, erst um neun Uhr in dem Schloß des Baron Tondern an.„ „Fallenberg war mir schon zuvorgekommen. Ich sah im Hose seine Equipage und ihn im Salon des Baron Tondern. in lebhafter Unterredung mit diesem, ich hörte im Vorzimmer die letzten lautgesprochenen Worte des Barons. „Herr von Fallenberg," sprach er heftig erregt, „ich kenne Löwenstamm seit seiner Jugend, — das was Sie behaupten, ist eine reine Unmöglichkeit!" „Die Sache wird sich einfach lösen," sprach ich im Eintreten, ohne in meiner heftigen Gemüthsbewegung die Anwesenden zu grüßend „Sie, Herr Baron, haben ja eine Bestätigung, einen Gegenschein der Fabriks-Direction, wollen Sie diesen produciren, er ist mit einer Stampelin gefertigt und trägt die Unterschrift .... dieses Mannes und des Fabriks-Direktors. „Ein tückisches Lächeln überflog Fallenbergs Züge." „Ich muß Sie schon bitten, lieber Herr Baron, den kleinen Weg in Ihre Kanzlei nicht zu scheuen .... in wenigen Minuten muß sich die Sache aufktären." „Das wäre ja schon längst, schon vor drei Stunden gleich bei der Ankunft des Herrn von Fallenberg geschehen;" meinte Tondern ärgerlich, „aber der Dummkopf, der Olbig, hat den Schlüssel verloren. Alle Schlußbriefe liegen wohlgeordnet unter einer Mappe an der Wand .... ich könnte sie im Finstern holen, ich liebe es nicht, Abends mit Licht über die Gänge zu gehen, da der Heuboden in der Nähe ist .... ich würde gerne Nachsehen, um dem Herrn von Fallenberg dieUeberzeugung zu verschaffen, daß er sich in einem großen Jrrthum befindet.... aber ich habe keinen Schlüssel, und der Schlosser im Dorfe ist unglücklicherweise nach Breslau .... wir müssen unsere Ungeduld bis morgen früh zügeln .... aber ich erinnere mich ganz deutlich Ihres Gegenscheines Herr von Fallenberg . . . ." „Weßhalb unnöthiger Wortstreit?" erwiderte dieser mit überlegenem Tone; „wenn Sie meinen Gegenschein heraussuchen, werden Sie meine Angaben bestätigt finden .... wenn nicht auch hier eine Fälschung vorliegt. Sie haben in der sichern Ueberzeugung, die kleinere Ziffer notirt zu finden, den Gegenschein nur flüchtig gelesen und die Null mehr weder bei der Gewichtsziffer, noch derThalerzahl der Angabe bemerkt.UebrigenS fahre ich sogleich fort, ich habe morgen in Breslau Geschäfte . . . ." „Ich will Sie durchaus nicht zurückhalten, entgegnete der Baron, mühsam seinen Zorn bekämpfend . , . Was Sie von einer Fälschung sprechen .ist allergelindest gesagt.... eine schwer zu rechtfertigende Uebereilung .... (Siehe Fortsetzung in der 1. Beilage). Hierz« vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Sott-leben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).