Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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borg zu meiner Ueberraschang, „ich lebe hier wie'S mir eben gefällt .... in der neuen Welt gewöhnt man sich, Alles, was nicht auf das materielle und praktische Leben Bezug hat, gering zu achten, wenn Sie mir Susanne zum Weibe geben, will ich fromm sein, wie ein polnischer Chosid." „Sein Benehmen re< te endlich auch mich auf und ich rieth ihm. sich jeden Gedanken an meine Tochter aus dem Sinne zu schlagen. Fallenberg bat, flehte, .... und drohte mir, ich werde es ewig bereuen, seine Werbung so schnöde abgewiesen zu haben.endlich beschwor er mich, ihn mit meiner Frau einige Worte allein sprechen zu lassen; sie werde ihm gewiß die Hand ihrer Tochter bewilligen, sie würde auf mich und Susanne zu seinen Gunsten bestimmend einwirken. „Ich wußte wohl, meine theure Gattin würde vor mir kein Geheimniß haben. In einer berechtigten Anwandlung von Neugierde wollte ich erfahren, mit welchen Gründen er seine Werbung, meiner Frau gegenüber, unterstützen wollte, und gestattete ihm, in das Kabinet meiner Frau zu treten, ruhig das Resultat dieser Unterredung erwartend. Nach wenigen Minuten schon öffnete sich die Thüre ihres Kabinetts, Fallenberg und meine Frau treten ein, und diese sagte mit hochgerötheten Wangen, leuchtenden Angen und vor Bewegung zitternder Stimme: Dieser Mensch, der sich jetzt Fallenberg nennt, ist das nichtswürdigste Geschöpf auf Gottes Erdboden .... schon bei seinem ersten Anblicke war mir eine Aehnlichkeit ausgefallen, aber ich glaubte mich zu tauschen . . . Verlassen Sie sofort unser Haus, um es nie wieder zu betreten .... wagen Sie es nicht die Wege meines Gatten zu kreuzen .... ich kenne Sie nun — und mit einer Handbewegung voll weiblichen Stolzes, voll Hoheit, wies sie dem Beschämten die Thüre. Zähneknirschend und Rache brüllend verließ der Elende mein Haus." „Die mütterliche Liebe Eleonorens zu ihrer Tochter hatte sie hingerissen. Fallenberg, der früher einen andern Namen geführt hatte, war in ihrer Jugend schon störend in den Lebensweg getreten. Er hatte um ihre Liebe geworben, und hatte sich für ihre Zurückweisung auf die schändlichste, vichtswürdigste Weise gerächt; hatte ihre Jugendhoffnungen zerstört, vernichtet, sie in die Ferne getrieben. Jetzt war er zufällig wieder vor ihr erschienen. Der Anblick Susannens, die meiner Frau unendlich ähnlich sah, hatte die Erinnerung aus seiner eigenen Jugend und den leidenschaftlichen Wunsch hervorgerufen, Susanne zu besitzen. In der kurzen Unterredung mit meiner Frau, hatte er seinen wahxeu Name», den er früher getragen, genannt, und ihr gedroht, mir — ihrem Gatten — ihre Vergangenheit zu enthüllen. — Mein edles unvergeßliches Weib konnte mit Stolz und Beruhigung auf ihr Leben zurückblicken. Verletzt in ihrem weiblichen Stolze, hingerissen von dem warmen mütterlichen Herzen, halte die Schwergekränkte, dem Elenden, der zu dem alten Frevel noch die freche Forderung hinzufügte, sie möge ihm die Hand der heißgeliebten Tochter geben, mit rückhaltsloser Energie gesprochen." ..Fallenberg wollte sich rächen und seinen Zweck erreichen; er wollte mich losreißen von meiner Familie, mein Kind isvliren — dadurch hoffte er an das Ziel seiner Wünsche zu gelangen. „Eins war ihm gelungen, mich und die Meinigen — wenigstens für lange Zeit, namenlos, unsagbar unglücklich zu machen .... hören Sie was der Schurke ersann .... was ihm auszusühren gelungen!" Wieder machte Löwenstamm eine lange Pause; mit einem liefen Athemzuge fuhr er fort. „Ich hatte als beeideter Makler an die Oelfabrik, welche unter Fallenbergs Auspicien gegründet wurde, selbstverständlich bevor wir uns förmlich entzweit hatten, — dreitausend Centner Oelsaat, das Produkt der Baron Tondern'schen Herrschaften verschlossen, und war das geschlossene Quantum von den Beamten des Barons pünktlich an die Fabrik abgeliesert worden." „Zu meinem Erstaunen erhielt ich nach erfolgter gänzlicher Ablieferung eine höfliche Aufforderung des Fabrik - Directory: Herrn Baron Tündern anzugehen, noch weitere siebenundzwanzigtausend Centner abzuliefern. Ich hielt diese Aufforderung vorerst für einen Jrrihum, erhielt aber auf meine schriftliche diesbezügliche Mittheilung die Antwort, der Schlußzettel des Baron Tondern laute auf dreißigtausend Centner." „Jeder mit den Verhältnissen irgendwie Betraute mußte erkennen, daß im günstigsten Falle ein Jrrthum unterlaufe; kein Grundbesitzer in Europa erzeugt eine so riesige Qualität; aber Fallenberg. mit dem ich das Geschäft persönlich abgeschlossen hatte, erklärte, er sei mit den speziellen Verhältnissen nicht vertraut genug, um die schriftlichen Angaben eines Cavaliers in Zweifel zu z'ehen, cS wäre ja auch möglich gewesen, daß der Baron Tondern nicht seine Fassung allein verkauft, daß er in diesem Artikel spekulirt hatte . . . . Er befinde sich in dem Besitze eines mit Siegel und Unterschi ist des Baron Tondern versehenen Schlußbriefeö, der ihm die Ablieferung eines Quantums von 30,000 Centner Oelsaat zu-