Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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912 dortiger Gemeinde bekleidete. Daß derselbe alle Vorzüge besaß und noch besitzt, die ihn zur Führung eines solchen Amtes tüchtig machen, geht wohl daraus hervor, daß bet jeder neuen Vorstandswahl sich sämmtliche Stimmen der Wähler auf ihn vereinigten. Mit Gottes Hilfe ist es ihm denn auch gelungen, durch seine unwandelbare Frömmigkeit, seine Ehrenhaftigkeit, seine Menschenliebe, vor Allem aber durch seine Uneigennützigkeit und außerordentliche Bescheidenheit die Gemeinde zu dem Standpunkte zu erheben, auf welchem sie heute sich befindet. Der körperlich wie geistig rüstige 86jährige Greis, der in jeder Beziehung vielen jüngeren Amtsgenossen als Muster dienen dürfte, hat nimmer in der Gemeinde herrschen wollen, sondern in größter Anspruchslosigkeit ging er als treuer Hirte stets der ihm anvertrauten Heerde voran, zu allem Guten durch sein Beispiel sie ermunternd. Und diesem Umstande dürfte die heute leider seltene Erscheinung zuzuschreiben sein, daß in der Gemeinde n"i> sich auch nicht ein Einziger befindet, der nicht fest an der heiligen Religion Israels hielte, nms rr?sn nun finden dort ihre Pflege, und mit Stolz darf die Gemeinde zu den frommen zahlen, die leider immer seltener werden in Israel. Um sich und das Verdienst ihres würdigen Führers zu ehren, hatte die Gemeinde beschlossen, den Tag festlich zu begehen. Zu diesem Ende hatte sie am o’Süj 's na» die Synagoge, sowie den Sitz des Jubilars durch Blumenkränze und passende Inschriften prachtvoll decorirt und als Ausdruck des Dankes und der Anerkennung nach beendigtem Morgengottesdienst dem verdienstvollen Vorsteher einen sehr schönen silbernen Pokal als Ehrengeschenk überreichen lassen. Derselbe wurde in Gegenwart der ganzen Gemeinde unter einer sehr gediegenen Ansprache des Herrn Lehrer Feith anknüpfend an die Worte T3j^> — mvi dosj dok 'n rv-oa dem tiefgerührten Jubilar übergeben, der alsdann sammtliche Anwesende festlich bewirthete. Möge es dem würdigen Greise, der ein halbes Jahrhundert im wahrsten Sinne des Wortes D'Qff oao die Last der Gemeindeführung getragen, noch recht lange beschieden sein zu leben und zu wirken fim Dienste Gottes und der heiligen Religion Israels! L. Cohen, Lehrer. Aus wird berichtet: Etwa 20 Maurer, die auf dem jüdischen Begräbnißplatze mit Arbeiten beschäftigt find, machten sich am Montag Vormittag das rohe Vergnügen, während Eltern tiefgebeugt ein zehnjähriges Kind in die Grube legten, die Trauerfeier dadurch zu stören, daß sie das Trauergefolge durch Worte und Geberden verhöhnten. Derselbe Fall, von denselben Arbeitern ausgeführt, ereignete sich erst vor wenigen Tagen; man unterließ damals eine Anzeige bei der Behörde aus gänzlich falschen Rücksichten. Montag aber, als die Rohheit in pöbelhaftester Weise hervortrat, ist die Behörde von dem Vorfall unterrichtet worden und haben Beamte die Personalien der Ruhestörer festgestellt, die hoffentlich, ihrer Rohheit angemessen, einer schweren Bestrafung nicht entgehen werden. (Schlesien). Es dürfte wohl schon bekannt sein, daß der würdige Vorsteher der Synagogen-Gemeinde zu Hirschhorn in Schlessien, Herr, Rosenthal schon vor mehr als einem Jahr zum Aerger der ganzen Gemeinde einen Christen ins Judenthum ausgenommen hat, ohne daß der Vorsteher einen Rabbiner darum gefragt, ja selbst, nachdem der Christ Worbs, der die nro an sich nicht vollziehen lassen wollte, auf Anrathen des hiesigen Rabbiners, Herrn Dr. Joel, sich um Aufnahme ins Judenthum an die Reform-Rabbiner in Berlin wandte, ober abschläglich beschieden wurde, weil er diesen Act zu unterlassen wünschte, hat Vorsteher Herr Rosenthal es gewagt, das Judenthum in solcher Weise zu tractiren!! Anfangs war Hr. Dr. Joel hierüber sehr entrüstet, jedoch füchtete er sich, wegen dem Vorsteher Rosenthal etwas zu sagen; denn Herr Dr. Joel hat ja Familie zu ernähren. Hat ja Herr Rosenthal dahin gewirkt, daß dem früheren Cantor Ruzauwosky, der 6 Jahre zur größten Zufriedenheit der hiesigen Gemeinde gewirkt, weil er einen jüdischen Gesangverein gegründet, der dem Vorsteher nicht paßte, da dieser überhaupt Jüdisches nicht vertragen kann, sein Posten gekündigt wurde. An Stelle des früher« Cantor Ruzauwosky wurde Cantor M. Jaffe, Sohn des Cantors Jaffe in Kalisch, engagirt; da letzterer nicht mit nj’jj „leinen" kann, so hat der Vorsteher R. in seiner Macht-Vollkommenheit die nru gestrichen, und das Vorlesen aus der Thora wird vom Cantor Jaffe so würdig vorgetragen, daß es für Jedermanns Ohren — entzückend ist. Die Mikwah - Utensilien hat der Vorsteher R^ öffentlich versteigern lassen, — und zu allem dem schweigt die Gemeinde und an ihrer Spitze Herr Dr. Joel. Jedoch nein! Als ein Mitglied hier den Herrn T)r. I. hierüber zur Rede stellte, ließ sich derselbe herab, für das Mitglied eine Petition an den Vorstand R, auszuarbeiten, worin derselbe ersucht wurde, die Mikwoth, die ein religiöses Bedürfniß einer isr. Gemeinde ist, auch hier wieder herzustellen. Als das Mitglied auf die Petition abschläglich beschieden wurde, so verklagte er den Vorstand bei der Regierung und als die Regierung den Vorstand zur Rechtfertigung heranzog, arbei-