Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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913 tcte der Herr Dr. I. wieder eine genügende Bertheidigung für den Vorstand aus und versah diese mit seinem hochwürdigen Gutachten. Ersatz wird für alles beschaffen und zwar durch die Orgel, welche an dem verflossenen ruarn »tri eingeweiht wurde. Der Rabbiner in Nordhausen verkündigte von der Kanzel herab seine sofortige Amtsniederlegung, sobald der Vorstand in N. seinen Beschluß betreff des Orgelbaues nicht ändere. Herr Dr. I. in Hirschberg verkündigle von der Kanzel, als man ihn zur Zeit um seine Ansicht über die Orgel befragte, folgendes: „Finsterlinge sind die, welche gegen Einführung der Orgel sind. Fluch denen, die sich deswegen von der Gemeinde trennen; diese sind eine Schmach für's Judenthum, ich werde die Stunde segnen, in welcher die Orgel ihre ersten Töne in diesen hl. Räumen erklingen lassen wird." Es haben sich nämlich mehrere Mitglieder vom Gottesdienste getrennt und unter großen Kosten ein anständiges Betlocal hergestellt; diese Mitglieder bringen großes Opfer, um die Religion zu erhalten. Ich habe den Gottesdienst der sogenannten Finsterlinge während meines Aufenthalts in Warmbrunn besucht und ist derselbe zeitgemäß mit Chor zur Andacht stimmend eingerichtet. Der frühere Cantor Ruzauwvsky in Hirschberg tragt dort die Gebete höchst würdig und erbauend vor. Am 15. August verheirathete der zweite Vorsteher in Hirschberg, Herr Emil Cassel, seine älteste Tochter. Bei der Tafel wurden Schweine - Schinken und Krebse verabreicht; H?rr Dr. Joel und Cantor Jaffe wohnten der Mahlzeit bei und wurde für die beiden Herren Cultus-Beamten extra koscher gekocht!! Leipzig, Ende August. Durch das „Tageblatt" zeigt der hies. Stadtrath dankend den Empfang von 3000 frcs. an, die ihm die Kinder des unlängs verstorbenen Schay Meier Frankel als erste Rate zu einer „Schay-Stiftung" übermittelt haben, deren Zinsen jährlich einem hies. nicht durch eigenes Verschulden in dürftige Umstände geratenen Kaufmann verabfolgt werden sollen. Oester r. - Ungar. Monarchie. Wien. Die Zöglinge des isr. Blinden-Jnstituts auf der hohen Warte legten am 3. d. M. unter Vorsitz des Curatoriums und in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, in welchem sich viele staatlich und social hervorragende Persönlichkeiten, Professoren, Pädagogen und Damen befanden, Prüfung über Religionslehre, Anschauungs-Unterricht, Lesen, Schreiben, Rechnen, Stacheldruck, Zoologie, Botanik, Geographie, Geschichte, Musik, Gesang und Maschinennähen ab. Der Erfolg kann umsomehr ein befriedigender genannt werden, als er die Richtigkeit einer theilweise neuen Unterrichtsmethode bestätigte. So kann das Kartenzeichnen mittelst Bändern und Nadeln auf Polstern, der Unterricht der Botanik an lebenden Pflanzen ebenso als eine Erweiterung deö wissenschaftlichen, wie die gelungene Einführung des Maschinennähens und des Webens von Roüleaux auf einer Webmaschine als eine Erweiterung der technischen Ausbildung bezeichnet werden. Die Produkte der letzteren: Bürsten und Körbe aller Art, Matten, Fenster-Rouleaux, Rohr- und Strohflechtereien, alle Arten weiblicher Handarbeiten, befriedigten nicht allein die Fachmänner, sondern fanden auch, als für die Haushaltueg brauchbare Waare, guten Absatz. Die Zöglinge arbeiten auf eigene Rechnung, der Reingewinn wird ihnen in der Sparkasse angelegt. Der tüchtigste der kleinen blinden Handwerker hat in 14 Monaten 85 fl. erworben. Der Vorsitzende Dr. L. A. Frankl sprach zum Schluffe die Zöglinge mit warmen Worte an, dankte dem Director Hrn. Heller und dem übrigen Lehrpersonale für die ungewöhnlichen Erfolge, endlich der Versammlung für die bewiesene lebhafte Theilnahme, mit der Bitte schließend, jeder Einzelne wolle in seinem Kreise für weitere materielle Unterstützung der Anstalt wirken, indem sich fort und fort Zöglinge — sie nahm seit ihrem kurzen Bestände schon 25 auf — um Aufnahme melden und die Mittel hiezu nicht ausreichen. Wien, im August. Gelegentlich unseres Aufenthaltes in der herrlichen Kaiserstadt nahmen wir die Räumlichkeiten der ersten „koscheren" Thee- und Suppenanstaht in Augenschein. In den netten, musterhaft sauber gehaltenen Lokalitäten verweilten wir mit Wohlbehagen. Herr Steiner, Leiter dieser Anstalt, theilte uns zu unserer Freude mit, daß sich den vier bereits bestehenden „koscheren" Anstalten demnächst eine fünfte anreihen werde. Thee und besonders die da verabreichten Erbsensuppe fanden wir nicht nur sehr billig, sondern auch sehr schmackhaft und kräftig. Zu unserem Befremden vermißten wir hier in der Aufschrift gerade das Wörtchen, welches diese Anstalt von ihren Schwesteranstalten fpecifisch unterscheidet, das Wörtchen „koscher". Schämt man sich etwa dessen in Wien? Die christlichen Armen wird dieses Wort wahrlich nicht geniren. Den in Wien fremden, jüdischen Armen dagegen wird so eine segensreiche Wohlthat entzogen oder wenigstens ungemein verkümmert. (Isr. Wchschrft.)