Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1875)
- Date
- 1875-10-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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896 V Erstaunen nicht erholen . . . Gestehen wir es uns, wenn wir derartiges in einem Roman lesen wurden, wir fänden es unglaublich, — wir waren zu der Behauptung berechtigt, ° der Verfasser muthe seinen Lesern zu, Unglaubliches für möglich zu finden." „Die waltende Hand des Höchsten lenkt der Menschen Schicksale verschieden," entgegnete Robert ernst, „manches Menschen-, mcknches Familienleben fließt so einfach, so natürlich, so in sich abgerundet, und scheinbar aus sich selbst sich ergebend fort, — in andern sieht man von Moment zu Moment, von Stelle zu Stelle augenscheinlich, sichtbarlich die Fügung Gottes." „Ich weiß nicht, ob Sie nach den Mittheilungen , die ich Ihnen eröffnete, und die für Sie vom höchsten Interesse sind, in diesem Momente für die Erzählung meines weiten Lebenslaufes die nöthitze Aufmerksamkeit finden werden; aber ich möchte gerne mit meiner Biographie bis auf den heutigen Tag zu Ende kommen — es muß zwischen uns Alles vollkommen klar sein — und es thut nicht wohl, die schmerzlichen Wunden, die bei der zartesten Berührung wieder aufbrechen, von Neuem zu betasten .... gestatten Sie es mir daher, mit meiner Erzählung zu Ende zu kommen." „Verehrter Freund, Alles, was wir gehört, ist nur geeignet, unser freundschaftliches Interesse für Sie und' die Ihrigen in regster, lebendigster Spannung zu erhalten," entgegnete Robert, „ich bitte Sie recht sehr, fortzufahren." „Vor etwa drei Jahren," fuhr Löwenstamm wieder fort, „kurz bevor Alfred durch eine Geschäftsangelegenheit in mein Haus kam, war eine neue Persönlichkeit auf dem Schauplatze meine Thätigkeit aufgetreten: Eduard Fallenberg, ein Manu, dem der Ruf eines colossalen Reichlhums voranging, war — wie es hieß — nach langer Abwesenheit aus der neuen Welt zurückgekehrt. In Sydney schon, so lauteten die umlaufenden Gerüchte, hatte er sich ein großes Vermögen erworben, wahrscheinlich in den Goldmienen ersucht und dieses dann durch gewagte und gelungene Speculationen in Süd- und Mittel-Amerika noch wesentlich vermehrt." „Seinen Andeutungen zu Folge war er aus einem andern Theile Deutschlands gebürtig, einer adeligen Familie angehörend, und hätte sein Vaterland aus politischen Rücksichten verlassen. Diese und Familienverhältnisfe bestimmten ihn auch setzt, nicht jn sein engeres Vaterland zurückzukehren." Fallenberg, ein Mann etwa im Beginne Vierzig besaß ein angenehmes Aeußere, elegante Tournure, gewandtes Benehmen; — mit einem Worte jenen eigentümlichen Schliff, den man sich allerdings mehr in den Londoner und Pariser Salons, ab in den Goldfeldern Australiens anzueignen pflegt." „Sein selbstbewußtes imponireudes Auftreten die Empfehlungs- und Kreditbriefe, die er bei bei besten Familien und ersten Bankiers der Stad präsentirte, hatten ihn gleich bei seiner Ankum überall in Achtung gesetzt und wurde er sowohl ii die adeligen als auch in das kaufmännische Casino ein geführt, und hatte dort, namentlich in den ersterei selbst an den exclusivsten Aristokraten rasch Freundi gefunden. Schon in den ersten Wochen erklärt, er, daß er sich — gleichgiltig wo — ankaufei möchte. Ein Graf, dessen Geschäfte ich zu ver Mitteln pflegte und der von seinem Oheim ererbt ausgedehnte Güter in Polen zu verkaufen beab sichtigte, batte in den öffentlichen Blättern an< noncirt, daß reelle Käufer mit Ausschluß voi Unterhändlern sich an mich wenden sollten. Be dieser Veranlassung sah ich Fallenberg das erst Mal.o! hätte er nie die Schwelle meinet Hauses betreten!" „Ich erinnere mich seiner ersten Begegnunj noch sehr genau. Es war ein warmer Junitag. Falken! berg trat höchst elegant gekleidet, ein Spazierstöckchei in der Hand, in mein Besuchzimmer. Meine Gattii und Susanne, waren zufällig anwesend. — Jh Anblick machte den frappirendesten Eindruck an ihn, er erschien mir fast unheimlich. Er blieb ein Zeit lang wie erstarrt, regungs - und wortlo! stehen. Bläffe und tiefe Dunkelröthe wechseltei in seinen etwas verlebten Zügen, seine gierigei Blicke schienen die Frauen verschlingen zu' woüe, und als er zu sprechen degaun, zitterte sein Stimme als stände er unter dem Einflüsse de leidenschaftlichsten Erregung." „Susanne war in der That von eimi blendenden Schönheit und konnte beim er sten Anblick entzücken, aber das Aufflammen einei so wilden jähen Leidenschaft, konnte mit solche, Raschheit nur in einer unzähmbaren zügellose, wilden Natur auflodern. — Es machte dies eine, peinlichen widerlichen Eindruck auf uns." (Fortsetzung folgt). Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche R-daction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Uo irischen Hofbuchhandlung. I. Goltsleben'r Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).