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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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894 land hört sie jedenfalls mehr und mehr auf. Warum macht sie sich aber nie an den gefeierten Parlamentsredner und Politiker, an den berühmten Arzt und Gelehrten, den Künstler u. s. w., sondern sucht sich ausschließlich den Armen und Ungebildeten aus, dessen verachtete und elende Stellung ihn nur zu geneigt macht, der lockenden Aussicht nach besserer Versorgung zu folgen? Wie weit die leidenschaftlichen Anklagen des Rabbiners gegen den Pastor Gurland, der sie einfach in Abrede stellt, begründet sind oder nicht, darüber wage ich gar kein'Urtheil auszusprechen, ich habe aus ihnen nur einen peinlichen Eindruck davon getragen, denn eine übereifrige „Arbeit in Israel" wie die Judenmission genannt wird, ist mir nicht sympatisch. Nur das scheint mir ganz unzweifelhaft, daß, wenn der ehemalige Jude und Rabbiner, Herr Pastor Gurland, kräftig und ausschließlich für die völlige Emancipation der Juden eintreten und die Erreichung dieses Zieles zu seiner Lebensaufgabe machen wollte, dann würde er seinen ehemaligen Glaubensgenossen die allerwerthvollsten Dienste leisten. Ist dieses Ziel erreicht, dann wird man dem zum Christenthum übergetretenen Juden nicht mehr nachsagen können, „daß der Arme und Dürftige nur Brod und Wasser bei dem Missionär suche." Türkei. Konftantinopel, 1. Okt. Der Gouverneur von Bagdad erklärt die in europäischen Blättern enthaltene Nachricht, daß die Bewohner Bagdads eineu Juden verbrannt hätten, für gänzlich erfunden. P - rsstrn In einem Schreiben aus Jerusalem bestätigt uns Herr Hausdorff ebenfalls, daß die von der „Wiener Presse" gebrachteSchilderung derVorkommnisse in Liberias auf Unwahrheit beruht, und schreibt uns ferner, daß Sir Moses Montefioere durch einen Deputirten aus Liberias ein besonders Schreiben an den englischen Generalkonsul in Beyruth gerichtet hat, worin er ihn ersucht, eine strenge Untersuchung der Angelegenheit zu veranstalten und der isr. Gemeinde eine entsprechende Genugthuung zu verschaffen. Afrika. Algier Das Decret über den akademischen Rath Algieriens verfügt daß dieser Rath aus vier von dem kathol. Clerus und von Repräsentanten der nichtkatholischen zu Algirien anerkannten Culte gewählten Mitgliedern bestehen sollen. In den Departemental-Rath des öffentlichen Unterrichts hat ein Mitglied des isr. Consistoriums Sitz und Stimme. (Un. Isr.) Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. Ko hn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Meine Schwester hatte Lea, so wurde sie als Kind in ihrer Eltern Hause genannt, als mutterlose Waise in ihrer Vaterstadt, wo mein Schwager einige Zeit Rabbiner gewesen, kennen gelernt, und hatte wahrhaft Mutterstelle an ihr vertreten. Als nun auch ihr Vater starb, ward sie zu ehrenhaften Verwandten gesandt — und als sie wieder in die Welt zog, allein, verlassen, ohne Freund und ohne Schutz, da gedachte sie meiner Schwester . . . suchte sie auf . . . fand hier die liebende Freundin, eine neue Heimath .... sie ist mir zu rasch entflohen ... die theure Gefährtin meines Lebens ... die edle Mutter meiner Töchter!" Löwenstamm erhob sich und durchschritt einigemal das Zimmer, er bot Alles auf, seiner steigenden Bewegung Meister zu werden. „Ich befürchte, Sie durch meine Erzählung zu ermüden .... indem ich Ihnen das mittheile, ist mir's — als wenn ich Alles das nochmals durchlebte . . . und Vergangenes — Leid und Freud', zieht nochmals lebendig durch meine Seele." „Ihre Lebensgeschichte erregt unser höchstes, unser lebendigstes Interesse," entgegnete Robert; .wenn es Sie nicht ermüdet, würde ich Sie bitten fortzufahren. Sie fesseln uns mit unwiderstehlicher Gewalt — und, ich will es Ihnen offen sagen, wenn Sie nicht vollenden, mich ließe die Aufregung, die Spannung, Ihren weitern Lebenslauf zu erfahren, nicht ruhig schlafen . . ." Löwenstamm fuhr fort. '„Bei der eigenthümlichen Lage, in der wir uns befanden, wäre es unpassend gewesen, unfern Brautstand unnöthig zu verlängern. Gleich nach Ablauf des Trauermonats fand unsere Trauung statt. Wir lebten glücklich und zufrieden. Mit jedem Tage wuchs meine Achtung und Verehrung , meine Liebe zu ihr, war von dem Momente des ersten Anblicks

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