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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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893 Kenntnissen des Lebens gewonnen hätte. Unter ihrem schmutzigen Putz, wie in Lumpen, die sie größtentheils nicht aus Armuth, sondern aus Geldgeiz tragen, bewahren sie beständige Gesundheitsvorschriften. Sie stehen einander bei und lassen sich nicht zur Unsittlichkeit, noch zur Liederlichkeit Hinreißen; ja sie haben sogar große häusliche Tugenden." Aber.sie sind Juden! „Wenn es irgend ein leichtes und lucratives Handwerk oder Gewerbe gibt, so wird es sofort das Monopol der Juden. Man wiederholt oft die Redensart: Emancipation der Juden; man sollte viel richtiger die Emancipation der Rumänen anstreben. Wenn es also in Rumänien „Religions-Verfolgung" gibt, so kann sie nur von den Juden auSgehen. Wir verweigern die Gewährung von Rechten, welche ein Attribut unserer Nationalität, unseres Vaterlandes sind und welche nur diejenigen verdienen, die mit unserer Nationalität, mit unserem Vaterlande sich zu identificiren befähigt sind. Aber die Juden drängen mit ihren Angriffen, mit ihren Verläumdungen und wollen diese Rechte mit Sturm erobern; zugleich rufen sie die ausländische Intervention zu Hilfe. Von welcher Seite also kommt da die Verfolgung? Sie behaupten, daß sie fähig sind, sich mit unserer Nationalität zu identificiren; allein wir betrachten ihr Auftreten in der ganzen Welt und meinen, daß sie hierzu nicht befähigt sind. Und unsere Meinung ist ein Urtheil, das keine Appellation zuläßt; denn nur die rumänische Nation allein kann über Eigenschaften verfügen, die nur ihr zukommen. .Die Juden wollen aus Rumänien eine große jüd. Colonie machen.Wir wollen das Rumänien der Rumänen und nicht das Rumänien der Juden . . . ." Die jungen Leute, die dieses Schreiben unterzeichnet haben, wissen vielleicht nicht, daß die Einwendungen, die sie gegen die Emancipation der Juden erheben, zu allen Zeiten und in allen Ländern gemacht, aber auch in allen den Ländern, wo die Juden die Gleichberechtigung erlangt haben, aufs Glänzendste dementirt worden sind. Ueberall steht der Patriotismus der Juden außer allem Zweifel, überall haben dieselben den Handel des Landes in Schwung gebracht und überall haben sie zu dem allgemeinen Wohl beigetragen. Es kann sicherlich nicht im Ernste behauptet werden, daß man die Rollen vertauschen und die Rumänen als Opfer der jüdischen Verfolgung bezeichnen müsse; zu traurige Erinnerungen sind noch im Gedächnisse Aller, als daß eine solche kühne Behauptung, wie originell und geistreich sie auch sein mag, irgend welche Aussicht hätte, von der öffentlichen Meinung angenommen zu werden. Die Wahrheit ist, daß die Juden von Rumänien um ihrer Religion willen bedrängt nnd verfolgt werden und daß blinde Vorurtheile ihnen seit Jahren nachsetzen und sich bemühen, sie zu vernichten. Es wäre schön, wenn die rumänische Jugend sich auf Seiten dieser armen Opfer des Fanatismus und der Intoleranz stellen und den Feinden derselben entgegentreten möchten; das wäre die wahre Rolle der Studirenden der Universität, die einzige, die sie mit Ehren ausführen könnten und welcher ganz Europa gern seinen Beifall zollen würde. (Schluß folgt.) Paris. Für die hohen isr. Feiertage hat der Kriegsminister die Anordnung getroffen, daß die isr. Reservisten entlassen werden, um die Fest-- tage zu Hause begehen zu können. Rußland. Aus Riga, Anfangs Sept., wird der „St. Petersburger Ztg." geschrieben: Die „Zeitung für Stadt und Land" hat einen Schriftwechsel zwischen dem dortigen Mitauschen Rabbiner Pucher und dem dortigen Prediger Gurland gebracht, der höchst unerquicklich ist. Daß Herr Pucher kein Freund der Judenmission fein kann, ist sehr begreiflich; mich hat nur wiederum die Erwähnung des Factums frappirt: daß die Taufen unter den Juden gegenwärtig seltener geworden sind, seitdem die Freizügigkeit der studirenden Jugend, den Handwerkern und einem Theile der Kaufleute die Möglichkeit verschafft hat, das Erlernte zu verwerthen, ohne dafür ihren Glaube« hingeben zu müssen. Jeder Schritt der Gesetzgebung , der uns der völligen Judenemancipation näher bringt, entzieht demnach der Mission mehr und mehr den Boden, weil die eigensüchtigen Motive des Einzelnen zur Annahme des Christenthums wegfallen. Besser für die Emancipation der Juden zu plaidiren, wäre Herrn Pucher kaum möglich geworden, ganz abgesehen davon, daß es mit den gegenwärtigen Begriffen von Humanität und Toleranz unvereinbar ist, einen Staatsbürger, der alle Pflichten und Lasten eines Solchen trägt, um seiner religiösen Ueberzeugung willen bürgerliche Rechte vorzuenthalten. Warum nicht auch den Juden nach seiner Faxon selig werden lassen? Ob in England und Belgien, woselbst die Emancipation vollständig durchgeführt ist, die Judenmission noch viel Boden findet, ist mir nicht bekannt, in Deutsch-

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