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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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892 alle Gesetz machte die Mitgliedschaft von der Zugehörigkeit zu einer der christlichen Kirche abhängig, und dann ging man so weit, israelitische Stadtverordnete nicht einmal als Wähler zuzulassen. Die Wahl eines Israeliten ist deßhalb bezeichnend; auch einer der Stellvertreter ist Israelit. Bei diesem Anlasse sei bemerkt, daß der Minister jetzt Ermittelungen über die Verhältnisse der Synagogengemeinden und sonstigen israelitischen Religionsgesellschaften, zur Vorbereitung der weiteren Gesetzgebung über die israelitischen Gemeindeverhältnisse angeordnet hat. Bei dem reichen Material, das über diesen Gegenstand in den Ministerialakten ruht, und bei dem wiederholten Beschlüsse des Hauses der Abgeordneten muß man sich über die jetzt erst anzustellenden Ermittelungen um so mehr wundern, als alle Parteien der israelitischen Religionsgesellschaften ihre Ansichten sowohl der Landesvertretung als den Ministern ausgesprochen haben. Leipzig, 27. Sept. Ein hier wohnender Israelit hat, wie das „L. Tgbl." hört, beim Rathe darüber Beschwerde geführt, daß er vor Ertheilung des hiesigen Bürgerrechtes den zu leistenden Unterthanen- und Verfassungseid noch nach der alten im Landesgesetze vom 80. Mai 1840 vorgeschriebenen und durch Verordnung vom 3. August 1868 aufrecht erhaltenen jüdischen Formel schwören soll. Der Beschwerdeführer hat zugleich den Rath gebeten, derselbe möge in dieser Angelegenheit die Initiative ergreifen und bei der Staatsregierung wegen Beseitigung, beziehentlich Abänderung dieser Formel vorstellig werden. Der Rath hat die Berechtigung des Gesuches anerkannt und beschlossen, in Gemeinschaft mit den Stadtverordneten eine diesfallsige Petition an die Regierung und den Landtag zu richten. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien. Dem Herrn Baron Rothschild in Wien passirte vor Kurzem Nachts ein Malheuer, das sonst nur dem Aermsten passirt: er war obdachlos. Das kam so: Das Wiener Palais Rothschild wird renovirt und der glückliche Besitzer desselben war daher gezwungen, in Miethe zu gehen; Baron Rothschild logirte sich im „Hotel zum römischen Kaiser" ein, wohin auch sein gcsammtes Meublement geschafft wurde. Neulich Nachts — es war schon gegen Mitternacht — kam der Millionär „nach Hause" und da das Hotel schon geschlossen war, so that er, was minder Bemittelte in solchen Momenten auch thun, er läutete. Dem Herrn Baron sollte es aber auch weiter ergehen, wie es minder Bemittelten zu ergehen pflegt: Der Portier hörte nicht. Der Baron läutete zum zweitenmale, zum drittenmale, zum viertenmale, vergebens, der Portier schlief den Schlaf der Gerechten. Viertelstunde auf Viertelstunde verrinnt und noch immer läutet „es", zuweilen jwird daS Läuten durch Pochen an die Thüre unterbrochen. — Alles vergeblich, der Portier schläft. Schließlich bleibt dem Hinausgesperrten nichts übrig, als sein eigenes Haus aufzusuchen, das bekanntlich unmittelbar an das Hotel anstößt. Hier ist der Herr Baron glücklicher. Schon beim dritten Läuten öffnet sich das Thor, aber — neue Verlegenheit wo schlafen? Sämmtliche Betten des Hauses sind beim „Römischen Kaiser". Endlich ist doch ein Lager zusammengestellt und Baron Rothschild gebettet. Des andern Mvrgens läßt er seinen Sekretär kommen und sagt: „Lieber nehmen Sie hundert Gulden und schicken Sie dieselben sofort an das „Asyl für Obdachlose". Kein Zimmer, kein Bett zu haben, das ist ein Elend — ich Hab' es selbst empfunden. Frankreich. Paris im Sept. (Monatsbericht der „All. isr. univ.") (Die Israeliten vvn Rumänien.) — Das Journal von Bukarest vom 1. August c. veröffentlicht ein von rumänischen Studenten der dortigen Universität an die Redaetion gerichtetes Schreiben. Obgleich die studentische Jugend sich sonst, von edlen Gefühlen beseelt, auf die Seite der Unterdrückten zu stellen pflegt, so scheinen die Unterzeichner dieses Schreibens dennoch solchen Gefühlen nicht im Geringsten zugänglich zu sein; sie stoßen die Juden zurück, angeblich weil dieselben trotz ihrer patriotischen Kundgebungen doch keine wahren Rumänen, sondern' vor Allem Juden seien. „Wir schließen uns, sagen sie, jener Anklage nicht an, die sich darauf stützt, daß die rumänischen Juden ungebildet und schmutzig seien, daß sie gelockte Zöpfe, lange Röcke tragen, und daß wir ihnen aus diesem Grunde keine Gleichberecht gung zugestehen könnten; wir sagen auch nicht, daß sie in ihren Beziehungen „unter sich" unmoralisch und corrumpirt seien; im Gegentheil. Wir bekämpfen sie einzig und allein vom socialen und nationalen Gesichtspunkte aus .... Sie sind durchaus nicht ungebildet; es gibt in Rumänien nicht einen einzigen Juden, selbst nicht unter den Zerlumptesten, der nicht in seiner Sprache (einem deutschen Patois) lesen und schreiben könnte; es gibt nicht Einen, der nickt aus feinen Religionsfchriften gewisse Begriffe von den unerläßlichsten

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