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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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\ 891 rer Schwester, der weißen Lutschine, vereinigt, in den Brienzer See fällt. Der Weg führt an dem Berge Rothenfluh vorüber; eine Marmortafel bezeichnet die Stelle, wo einst ein Freiher von Rothenfluh den einzigen Bruder erschlug; der Mörder, in die Acht erklärt, endete, als der Letzte seines Geschlechts, in der Fremde, in Elend undArmuth, sein durch eigene Schuld vergiftetes Dasein. Als wir in Grindelwald ankamen, waren die Erdbeeren und Kirschen gerade reif, während das Korn noch auf dem Felde stand — am 5. September! So kalt ist das Klima, so langsam die Vegetation. Grindelwald wird als Luftkurort sehr gerühmt; die Luft ist in der That rein und erquickend. Drei mächtige Schneeberge begrenzen das Thal und schützen es vor rauhen Winden: der Eiger, das Schreckhorn und das Wetterhorn. Von hier aus muß man noch circa eine Stunde lang steigen, um den untern Gletscher am Fuße des Wetterhörns zu erreichen. Mühsam windet man sich die steilen, aber sichern Wege hinauf; doch ist man, oben angekommen, reichlich belohnt. Ein Eismeer in der Ausdehnung von circa 2 Stunden breitet sich vor dem erstaunten Blicke aus. In den Eisberg ist eine circa hundert Fuß lange Grotte gehauen, die durch Petroleumflammen erleuchtet ist. Was ich empfand, als ich mitten in den Eisberg trat, — ich kann es nicht schildern. Thränen traten in meine Augen und ich stammelte die Worte: nwo rupyo mtny ins. „Gepriesen sei der allmächtige Schöpfer!" Eis zu meinen Füßen, Eis zu meinen Häupten, zur Rechten und zur Linken und vor mir. Dar Eis ist grün wie Smaragd und köstlich crystallistrt. Dabei brannte die Sonne mit Macht auf den Eisberg, das kalte Wasser rieselte immer hernieder, das sich dann als Lutschine den Berg hinrnterstürzt. Eine kalte, nasse, dumpfe Luft wie in einem Keller, der nach einer Überschwemmung eben leer geworden, aber noch feucht ist, benimmt fast den Athem. Als ich mich ein wenig orientirt hatte, da gedachte ich des Durchzuges unsrer Väter durch das Meer und sprach die Eingangs erwähnten Worte. In der That war die Aehnlichkeit groß. Nach der Erzählung der Weisen war das Meer zu Smaragden erstarrt, den Kindern Israels bot es unten einen festen Boden, oben ein Zelt und von den Seiten floß Wasser zum Trinken hernieder. Es wird unsere geehrten Leser vielleicht interessiren, etwas über das Wesen und die Entstehung der Gletscher zu vernehmen. Auf den hohen Bergen regnet es niemals, sondern der Niederschlag besteht aus Schnee; dieser Schnee schmilzt teilweise unter der Gluth der Sonnenstrahlen; das Wasser fließt dann hernieder, mischt sich mit dem in den hychliegenden Thälern und Felsklüften angehäuften Schnee und bildet so ungeheure Eismassen, gefrorne Ströme könnte man sagen. Das Eis hat manchmal eine Dicke von 2000 Fuß; doch ist es nicht unbeweglich; es ist in unaufhörlichem Flusse, denn es widersteht den Einwirkungen der Sonnenstrahlen nicht; immerwahrend fließen im heißen Sommer ungeheure Wassermassen hernieder und jedem Gletscher entfließt ein Bach. Bei dieser Gelegenheit sei auch der Lawinen gedacht. Als wir am 3. September den Beatenberg bei Interlaken erklommen hatten, hörten wir ein dumpfes Getöne wie einen fernen Donnerschlag, während sich an der Jungfrau eine feine Staubwolke zeigte. Diese feine Staubwolke waren Eis- und Schneemassen im Gewichte von vielen Centnern, die mit Donner-artigem Getöse herniederstürzten. In Folge der großen Entfernung erschienen jene Massen wie leichter Staub, während das Getöse durch die reine Luft weithin hörbar, ziemlich deutlich zu uns drang. Wir wußten Anfangs nicht, daß es eine Lawine war, die wir gesehen und gehört, bis es uns andere Reisende, die dieses merkwürdige Schauspiel schon oft erlebt hatten, erklärten. Daß diese Lawinen den Bergbewohnern, namentlich im Frühling, sehr furchtbar werden können und manchmal ganze Dörfer verschütten und begraben, ist bekannt. — Auch wir bekamen auf dem Grindelwaldgletscher eine grausige Geschichte erzählt. Am 2. September hatte ein Engländer den oberen Grindelwaldgletscher erstiegen, worauf dem Eise ausgeglitten und so unglücklich gefallen, daß er bald nachher starb. Solche Erzählungen sind für den Fremden nicht gerade ermuthigend; allein, ich wiederhole es, die Wege sind gut und sicher. Unvorsichtige oder gar tollkühne Besucher haben sich die Schuld ihrer Unfälle meist selbst zuzuschreiben. Der gefetzestreue Jude, welcher weiß, daß uns das Gesetz unseres Gottes verbietet, uns willkürlich und unnütz der Gefahr auszusetzen , wird die nöthige Vorsicht nie außer Acht lassen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berkirr, 24. <§ept. Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung hat für die drei Wahlen, die sie für die Mitgliedschaft des Brandenburgischen Provinzial-Land'tags zu treffen hat, auch einen Israeliten gewählt und der exclusiven Versammlung damit sicherlich großen Verdruß bereitet. Das

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