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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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890 Menschheit so viel Gutes gethan als das Streben »ach Reichthum und die Liebe zum Gelde. Dieser Leidenschaft verdanken wir allen Handel und alle Gewerbthätigkeit. Alle großen Unternehmungen auf dem Gebiete der Industrie und des Weltverkehrs resultiren aus der Liebe zum Gelde." Wir wollen nicht bestreiten, daß etwas Wahres in den angeführten Sätzen liegt, daß ohne den „Gründergewinn" gar viele Unternehmungen unterblieben wären. Aber eben, weil etwas Wahres darin liegt, ist es der Schwindel - Periode gelungen, die Welt zu bethören. Würde man die Wahrheit obiger Sätze au^ das rechte Maaß zurückgeführt und die darin enthaltene Unwahrheit in ihrer nackten Gestalt vorgeführt haben, so wäre kein Mensch irregeleitet worden. Gewiß ist die Liebe zum Gelde an und für sich nichts Sündliches; sie ist es aber, sobald sie zur Leidenschaft wird. Das Geld oder vielmehr der Erwerb desselben kann, darf und soll nur als Mittel zum Zweck, nie aber als Selbstzweck betrachtet werden. Daß der Mensch danach trachtet, für sich und die Seinen die Mittel zu einem mäßigen, aber behaglichen Lebensunterhalte zu gewinnen, ist gut und löblich. Wird aber das Streben nach Reichthum, die Liebe zum Gelde zur Leidenschaft, wird der Besitz des Reichthums Selbstzweck, das Ziel des Strebens, so wird er weder dem Streber noch der Mitwelt Gutes schaffen. Eine solche Leidenschaft ist geeignet, zu allen Lastern und Schändlichkeiten, zu Betrug, Diebstahl, Mord, zur Uebervortheilung und Ausbeutung der Mitmenschen zu führen. Der erlangte Reichthum macht in vielen Fällen übermüthig, stolz, gottvergessen und führt häufig genug die Besitzer desselben in's Verderben. min? -hd» ->L»v v\ Ein solcher, mit Leidenschaft erworbener Reichthum kömmt auch in der Regel nicht an den dritten Erben. Was die Väter in unlöblicher Weise errungen, pflegen die Söhne zu verlieren, und die Enkel werden wieder arm geboren, um auf's Neue ein Spiel zu beginnen, welches nicht wahrhaft zum Heile führt. Wer aber ohne Leidenschaft emsig, fleißig und sparsam vorwärts strebt, der wird in der Regel eine solide Grundlage für sich und die kommenden Geschlechter legen; er wird nicht „auf einmal" reich werden wollen und sich daher auch nicht von schwindelhaften Vorspiegelungen bethören lassen; ihm wird das Geld nur Mittel zum Zweck sein, das er gern und freudig hingibt, wenn die Nothwendigkeit es erheischt, auf dessen Erringen er gern und freudig verzichtet, wenn der Erwerb mit irgend einem Ünrechte oder einer unehrenhaften Handlung verbunden fein sollte. Wir haben nunmehr erkannt, daß das Sündige nur in Verbindung mit dem Wahren und Guten Einfluß gewinnt, nur unter Vorschützung edlerund löblicher Zwecke Wirkung haben kann. Hören wir die Reformprediger im Judenthume! Sie wollen ja, wie sie vorgeben, weiter nichts als das Judenthum veredlen, verbessern, läutern, durch Wissenschaft verklären, im öffentlichen Gottesdienst durch Orgelklang und Weibersang zur Andacht stimmen. Wenn die Herren offen erklären würden, daß sie es auf eine Vernichtung des Judenthums abgesehen, daß sie unsrer heiligen Religion ihre Grundlagen entziehen wollen, damit Juda sein Gottgeoffenbartes Gesetz aufgebe und unter den Nationen verschwinde, so daß es nach wenigen Jahrzehnten keine Juden mehr gäbe — wer würde ihnen da folgen? Man würde sich mit Schrecken und Ekel von ihnen abwenden. Der Tag der Erkenntniß wird kommen. Dann wird es der Lüge nicht mehr gelingen, das Gewand der Wahrheit zu erborgen. nn-r 'i 'vp Ninn dtq ins iöb». „An jenem Tage wird der einzige Gott von der gesummten Menschheit als der einzige Gott anerkannt und verehrt werden." (Fortsetzung folgt.) Neiseirriefe. VI. Grindelwald, 5. September. cbtfDfföi OJ’D’c no'n or6 D^m. „Und das Wasser ward ihnen zu einer Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken." So mußte ich unwillkürlich sprechen, als ich in die große Grotte trat, welche in den unteren Grindelwaldgletscher gehauen ist. Gletscher! Wer hat nicht schon mit Schrecken und Grauen und doch mit Sehnsucht von den ungeheuren Eisbergen gelesen, die sich in der Alpenwelt aufthürmen? Und heute, am 5. September, da die Sonne mit ungewöhnlicher Gluth, non «nun np’mjo, herniederstrahlt, betrete ich diese mächtigen Eisfelder! Von Jnterlaken führt ein wundervoller Weg nach Grindelwald, einem circa 4000 Fuß über dem Meeresspiegel belegenen Dorfe hinauf, immer dem Laufe der schwarzen Lutschine entgegen. Diese schwarze Lutschine ist sonderbarer'Weise schneeweiß, denn sie bildet während ihres kurzen Laufes von circa 4 Stunden fast nur einen einzigen Wasserfall und schäumt immerwährend; sie entspringt unter dem Gletscher und stürzt sich mit furchtbarem Getöse den Berg hinunter, bis sie — mit ih-

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