Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-09-29 · Heft 39 (29.9.1875) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 39 (29.9.1875)
Date
1875-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447632--11819-2467619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

873 stolzen hannöverschen jüdischen Gemeindemitglieder den Verstorbenen mit Verachtung ansahen, ist ihm der Oberbürgermeister trotz seines schäbigen Rockes stets sehr freundlich entgegevgekommen und gewährte ihm immer die beste Aufnahme. Ein zweiter Fall betrifft Herrn D. Heinemavn, einen sehr reichen Mann, der seit 13 Jahren erster Vorsteher war, den man aber dennoch nicht zu den Nediwim zählen konnte; dieser verstarb vor Kurzem ganz plötzlich. Keiner hat von diesem ein Vermächtnis erwartet, daher war die Ueberraschung um so größer, als man erfuhr, daß er 90,000 Mk. zu einem jüdischen Mädchen-Waisenhaus ausgesetzt und außerdem noch mehrere Stiftungen gemacht hatte. Darauf paßt gut der Spruch unserer Weifen: ]id-o mso -pff ppn. Schweiz. Bern, 11. Elul. Die geehrten Leser Ihres gesch. Blattes werden sich erinnern, daß in St. Gallen ein Verbot des rituellen Schlachtens erlassen worden war, aus dem einfachen Grunde, weil die sogenannte Bruneau'sche Schlachtmethode eine viel leichtere sei als die mosaische. Vor einigen Tagen wurde mir von authenthischer Seite die Mittheilung gemacht, daß dieses neue Schlachtverfahren, wobei dem Thiere das Hirn durchbohrt wird, von sammtlichen Thierschutzvereinen in der Schweiz für unbrauchbar und barbarischer als das rituelle Schlachten befunden wurde. Das Judenthum feiert dadurch einen neuen Triumph; die Göttlichkeit unserer Lehre, die Moscheh uns befohlen hat, bewährt sich dadurch von Neuem. Unwillkührlich mußte ich bei dieser Mittheilung ausrufen mit unserem königlichen Sänger David: noyn nnw na«’ non. Dr. A. D. Goldstein, Rabbiner. Feuilleton. Mrr aas drw otttn Prag» Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Berf. des „Gabriel". (Fortsetzung.) „D ie Maiße weiß ich selbst nicht," mischte sich die Hausfrau jetzt in's Gespräch, „was war das?" „Nu, soll ich Dir denn alle Nareschkaten, die ich mein Lebtag gemacht Hab', -erzählen? — Die größte auf der ganzen Welt, die ich gehabt Hab', weißt Du schon . . . daß ich D i ch genumme *) Hab'." Ein zärtlicher, warmer Händedruck und das zufriedene Lächeln der beiden bewiesen, daß diese Worte nichts als ein gelungener Scherz waren... „Aber ja . . . was Hab' ich sagen wollen, einmal haben wir beide, Jakow und ich, bechawrußo2) Schlag' gekriegt, und wieder ist einer dem andern Schuld gewesen .... und ich deshalb, weil ich, wenn es nit sehr nöthig und unausweichlich ist — ka Scheker sag'." „Wie war das, wie war das?" drängte Ester, die in kindlicher Liebe die Jugendschicksale ihres Vaters mit ungeheucheltem Interesse verfolgte. Ich muß Euch sagen, zu der Zeit, wo ich in Cheder ging, war das Anijuss) bei meinen Eltern schrecklich groß. Es war damals ein bitteres JackereS*) und eine schlechte Geschäftszeit. Der Vater hatte wöchentlich einen Gulden Wiener Währung Gehalt* 4 5). Einkünfte in Schul gab's bei den bösen Zeiten fast keine und das Nebengeschäft meines Vaters, Hutmacherei oder eigentlich Hutputzerei und Huthandel, ist gar nicht gegangen. Die Mutter brachte oft von ihrem Kram altgebackene Semmel als Geld nach Hause, es ist die Zeit doch etwas gar zu schlecht gegangen. Ich bin im Winter halb zerfetzt herumgegangen; wir hatten oft kein Holz zum Einheizen, nichts Warmes zu essen, und es kam zuletzt so weit, daß meine Eltern, um Mittags die Heizung zu ersparen, gar nicht zum Essen nach Hause gekommen sind. Der Vater hat gesagt, er wird sich Mittags etwas kaufen, aber ich bin überzeugt, daß er sich meistentheils nichts gekauft hat und die Mutter wird's auch nicht anders gemacht haben. Die ältere Schwester war am Tandelmarkt in einem Geschäfte, wo sie die Mittagskost bekommen hat, darauf könnt eg b) schwören, wenn sie sich nicht den Magen verdorben hat, weil das Essen zu schlecht war, von zu viel hat sie nie Magendrücken bekommen . . . Mein älterer Bruder Gerschon, der arme Jung', mußte „Tag essen" 7), so blieb ich allein zu versorgen . . . mich in fremde Häuser essen zu schicken, dazu war ich doch noch gar zu klein und unbeholfen, Mittags war Niemand zu Haufe, es war kalt, man ließ mich also über Mittag beim Rebbe, der für das Cheder eine Extra-Kammer hatte, und steckte mir schon früh mein Mittügmahl in die 1) genommen. 2) in Compagnie, Gesellschaft. 3) Armuth. 4) bittere Theuerung. 5) 42. Oest. Währ. | Mark Reichs - Währ. 6) Ihr. 7) bekam osttage in ftemden Häusern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.