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Der Israelit · 1875-09-29 · Heft 39 (29.9.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 39 (29.9.1875)
Date
1875-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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874 Asien. Bagdad. Ein Telegramm vom ltf. September theilt mit, daß ein Jude, Namens Jehuda aus Hamadan (Persien), welcher der Gotteslästerung angellagt, schrecklich mißhandelt und dann von der Bevölkerung verbrannt worden sei. Mehrere andere Juden wurden ebenfalls mißhandelt. Die „All. Jsr." und die „Jew. Affoc." sind dieserhalb bereits mit den betreffenden Behörden in Correspondenz getreten. (Jew. Chr.) F e n i l l e t o u* Haus Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Ich hatte es schon erwähnt, an Debora fesselte mich nicht nur das Band der brüderlichen Liebe, sondern auch die Dankbarkeit. Meine Schwester war die Pflegerin meiner Jugend gewesen. Ohne daß sie es anstrebte, hatte die stille, kluge, ruhige gottergebene Frau bald wieder jene mütterliche Autorität über mich erlangt, die sie schon als vierzehnjähriges Mädchen dem vierjährigen Knaben gegenüber besessen." „Debora war eine jener Frauen, wie sie in der Gegenwart nur höchst selten Vorkommen. Gottergeben und gläubig hatte sie als Rabbinergattin, während ihrer mehrjährigen Ehe Gelegenheit gefunden, ihr biblisches und religiöses Wissen, für das sie stets Neigung fühlte, zu erweitern. Sehr oft pflegte sie in ihren Gesprächen richtig angewaudte Bibel- und Prophetenstellen im Urtexte zu citiren." „Nach Ablauf des letzten Trauerjahres sprach mir Debora ernstlich zu, zu heirathen. Aber ich hatte den Gedanken schon aufgegeben, ich war zwei und dreißig Jahre alt und dachte schon ehelos zu bleiben. Debora stand meinem kleinen Haushalt vor, mir schien's, daß eine junge Frau, die ich ins Haus brächte, meine Schwester, aus ihrer Stellung verdrängte. — Hermann, pflegte meine Schwester zu sagen, ich bin nicht alt, aber wenn der Herr plötzlich über mich gebietet, bleibst Du dann ganz allein da . . . folge meinem Rathe, wähle ein Weib ..." „Meine Debora," antwortete ich hierauf re* gelmäßig, „Du wirst es sehen, wir werden nich getrennt werden, wir werden friedlich Zusammenleben, — und Gott wird uns zusammen aus diesem Leben abberufen. Es war dies mein Lieblingswunsch , der sich bei mir zur Hoffnung steigerte. Eine Gattin suchen kann ich nicht, — fände ich sie auf meinem Lebenswege, wie ich mir sie denke, und sie wollte meine Hand annehmen . . . dann . . „Ich hoffe Dir voch ein treues Weib zuzuführen," sprach Debora dann regelmäßig, das Gespräch abbrechend. „Ich mußte stets, trotz meiner ernsten Stimmung, vor mich hin lächeln. Wo sollte Debora ein Weib für mich finden? Sie verließ selten das Haus, höchstens nur, um die Synagoge zu besuchen, Liebeswerke auszuüben. Kranken beizustehen, Leichen zu bestatten .... und doch hatte Debora recht behalten — ich danke ihr meine mir ewig unvergeßliche Gattin." Löwenftamm hielt inne. Seine Erzählungsweise verrieth den Mann von Bildung und Gemüth, und so einfach auch die bisher mitgetheilten Geschehnisse waren, machten sie doch auf seine beiden Zuhörer, die selbst den Werth der Eltern- und Geschwisterliebe kannten und schätzten, einen tiefen Eindruck. „Sie werden," fuhr Löwenstamm nach längerer Pause fort, „meine Erregtheit entschuldigen. Die Erinnerung an mein treues Weib, die frisch in meinem Herzen lebt, erfaßt mich mit erschütternder Gewalt, da ich dem Bilde der Seele Worte leihe." Die Brüder drückten Löwenstamms Hände. Nach einem kurzen Momente der Sammlung fuhr dieser fort: „In dem landwirthschaftlichen Vereine des Kreises, dem auch ich als Mitglied angehörte, war beschlossen worden, den Bau einer neuen ausländischen Fruchtart einzuführen. Es hatte sich im Schooße des Vereins ein Consortium zu dem Zwecke gebildet, große Quantitäten Samen anzukaufen und zum Erstehungspreife an die Großgrundbesitzer abzugeben , und auch den kleinern Öeconomen durch vorschußweises Ueberlassen des neuen Samens Gelegenheit zu diesem Anbau zu geben. Man betraute mich mit dem Ankäufe dieses Artikels, und dieses Geschäft machte einen mehrmvnatlichen Aufenthalt in Estland uothwendig." „Ich mochte wohl kaum vierzehn Tage abwesend gewesen sein, als ich ein sonderbares Schreiben von meiner Schwester erhielt. Sie theilte mir zu meiner höchsten Ueberraschung mit, sie hätte , während meiner Abwesenheit eine neue Hausgenos-

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