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Der Israelit · 1875-09-29 · Heft 39 (29.9.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 39 (29.9.1875)
Date
1875-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Partei mit dem Rabbinate in einen offenen Kampf, welcher voraussichtlich immer größere Dimensionen nehmen wird, wie solches aus der Stimmung in gestriger Sitzung deutlich ersichtlich war, getreten ist, nunmehr die allein berechtigten Ansprüche, welche Seitens der Orthodoxie geltend gemacht werden, sowohl im Schooße der Gemeinde gebührende Würdigung, als auch die Fragen bezüglich der Stipulirung unserer Synagogen-Statuten im Einverständnisse mit dem Rabbinate eine friedliche Lösung sinden werden. München, 19. Sept. Seit dem Bestehen unserer Gemeinde waren die religiösen Zustände niemals zum Gegenstände des Streites zwischen dem Rabbinate und der Verwaltung geworden, weil der Jndifferentismus stets die Oberhand behielt und mithin jedes energische Vorgehen in wichtigen Dingen getadelt wurde. Die gestrige Sitzung der Gemeindeverwaltung. welche, wie überhaupt alle Sitzungen, öffentlich abgehalten wurde, entwarf uns ein getreues Bild von den Zuständen unseres Gemeindelebens. Vorerst wurde ein Brief des Rabbiners an die Verwaltung vorgelesen, worin derselbe das eigenmächtige Vorgehen der letzteren bezüglich der Reformeinrichtungen auf das Schärfste rügte, dasselbe aber nicht als unzulässig, sondern als unanständig bezeichnete. Am Schluffe dieses Briefes wird der orthodoxen Partei ein Seitenhieb versetzt, indem der Rabbiner die ganze Bewegung von Seiten einer der Reform feindlichen Partei ausgehend betrachtete. Das erwähnte Schreiben provocirte die Indignation der Verwaltung und man beschloß, dem Rabbiner zu erwidern, daß seine zweideutige, unentschiedene Haltung die Ursache des alleinigen, selbstständigen Vorgehens der Gemeinde sei, daß seine Selbft-Ueberhebung ihn zu der Ansicht gebracht, das Verfahren wäre unanständig und endlich daß die Verwaltung noch weitergehende Schritte zu veranlassen beabsichtige rc. Die Zuhörer der Gallerie zollten diesem Antwortschreiben ihren vollen Beifall. Es wurde ferner beschlossen, der orthodoxen Partei die jetzige große Synagoge zu überlassen und einen zweiten Tempel für die Refornr zu erbauen. Wir gratuliren der Orthodoxie Münchens zu diesem großartigen Erfolge und ermuntern dieselbe, sich ein Beispiel an der Energie der Gegenpartei zu nehmen, damit der orthodoxe Gottesdienst ein den rituellen Anforderungen vollständig entsprechender werde. Nor-Hausen, im Sept.*) „Der Israelit" *) Obiger Artikel ist uns vom Borstande der israel. Ge- 873 bringt einen Artikel aus Nordhausen im August, entnommenen aus der jüdischen Preffe, worin gesagt wird, daß der hiesige Vorstand Reformen eingeführt habe, die den Rabbiner Herrn Auerbach veranlaßt haben, seine hiesige Stelle aufzugeben. Jener Artikel trägt den niedrigen Charaeter der Unwahrheit; denn es ist uns nicht in den Sinn gekommen, den dreijährigen Cyclus, noch andere Neuerungen beim Gottesdienst einführen zu wollen oder Mittel zur religiösen Erziehung der Kinder zu verweigern, ebenso ist die von Herrn Auerbach an jjodi nuao rat? gehaltene Predigt, in jenem Artikel ganz entstellt und gefälscht wiedergegeben worden. Wir haben allerdings auf Wunsch fast sämmtlicher Gemeindemitglieder Chor mit Harmonium- Begleitung eingeführt; dies hat aber zu einem Zerwürfniß zwischen Rabbiner und Vorstand nicht geführt. Der Umstand, daß wir für Dotirung der Stellen, die Leistungsfähigkeit der Gemeinde ins Auge zu fassen haben und wesentliche Gehaltsaufbesserungen nicht eintreten lassen konnten, hat den Herrn Rabbiner Auerbach zu unser« Bedauern veranlaßt, seine hiesige Stelle aufzugeben. Holland. Amsterdam. Eine neue Straße in Amsterdam wurde nach Sir Moses Montefiore benannt. Frankreich. Sedan. Da die hiesige Stadt nunmehr aufhört, Festung zu sein, so wird sich auch bald Raum für eine Synagoge finden. Die nöthigen Fonds sind bereits vorhanden. Man glaubt, daß der Stadtrath der Cultusgemeinde einen passenden Platz gratis geben wird. (Arch. Jsr.) England. London. Oberst Joseph Ellis ist zum persischen Generalconsul in England ernannt worden. Es ist wohl das erstemal, daß ein Israelit von einem persischen Fürsten zu dieser hohen Stellung erhoben worden. Man hofft, daß der Einfluß, welchen diese Stellung verschafft, zu Gunsten unserer unterdrückten Glaubensgenossen in Persien angewendet werde. (Univ. Jsr.) meiude 'Kordhausen unter Berufung aus das Prehgesetz emgesandt worden. — Red.

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