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Der Israelit · 1875-09-29 · Heft 39 (29.9.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 39 (29.9.1875)
Date
1875-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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871 um#, „Er hat uns gemacht, nicht wir haben uns (aus Affen) entwickelt," urut« 01 wy wn, „Er hat uns gemacht und Sein sind wir (Psalm IM. 3). Zwischen Menschen und Thiere besteht eineunausgefüllte Kluft. Der Mensch hat in allen seinen Abarten den aufrechten Gang, die kunstfertige Hand, Sprache, Zahlensinn, Gebrauch des Feuers, Werkzeuge; alles das hat kein Thier. NichtNoth und Mangel fördern die Cultur, der Kampf um's Dasein reibt wohl die Kräfte auf, doch kann er sie nicht entwickeln und veredeln. Die Cultur hat bei allen Völkern mit der Bearbeitung des Bodens, mit der Gewinnung des Getreides begonnen und nicht umsonst lehrt jener Weise im Talmud nn\-i nun ]®«nn on« bv yv, der Baum der Erkenntniß ist die Weizen-Aehre. Friede, Ruhe, Wohlstand, gute Nahrung sind die Vorbedingungen aller Cultur, nicht die Kämpfe und Wanderungen von Affengeschlechtern. Es würde nicht in den Rahmen dieser Abhandlungen Passen, wollten wir dem Darwinismus eine ausführliche Widerlegung zu Theil werden lassen. Wir hoffen, daß das Gesagte genügt, um das Absurde der genannten wissenschaftlichen — Modekrankheit klar zu Tage treten zu lassen. Zu solchen Absurditäten muß aber der Monismus folgerichtig gelangen. Wir jedoch sprechen: jiw D'yinn ]o ubnum nm1? usnuBr uniw itm ina /mira nns’ «in UTra j/dj Q'riy "m noc< nun „Gelobt sei unser Gott, der uns zu Seiner Verherrlichung erschaffen, uns gesondert von den Irrenden, uns gegeben eine Lehre der Wahrheit und ewiges Leben in uns gepflanzt hat; Er möge unsere Herzen Seiner Lehre öffnen!" (Fortsetzung folgt.) Ntisebritft.! y. | Jnterlaken, 3. (September.*) j In den biblischen Schriften wird uns von den! ewig mit Schnee bedeckten Gipfeln des Libanon! erzählt. So rühmt Jeremias (C. 14, B. 18) das i von den Felsen herniederrinnende Wasser, welches; bem von der Sonne erwärmten Schnee jener riesenhaften Berge entfließt, die sich in den Wolken verlieren. i *) Wir bitten das Datum zu beachten, da dein Schreiber j dieser Briefe fortwährend von seinen freunden Briefe in die Schweiz gesandt werden, während er längst in die Heimath zurückgekehrt ist. ' An die ferne Heimath unseres Volkes im Osten mußte ich denken, als ich am dem Dampfboote über den Thuner See fahrend, die mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel des Berner Oberlandes erblickte. Ist doch der Name der Gebirge derselbe. Wie der Libanon, yn'? seinen Namen den weißen Gipfeln verdankt (pnh weiß), so auch die Alpen (von albus, weiß). Die Alpen wie der Libanon ragen in den Himmel hinauf, ihre Gipfel verlieren sich in den Wolken und die Sonne hat in jenen Höhen nicht Kraft genug, die ewigen Schneemassen zu schmelzen. Jnterlaken hat eine wundervoll herrliche Lage; es ist ein Fleckchen Erde, das an Schönheit seines Gleichen sucht. Den Vordergrund bilden die schneebedeckten G.ipfel des Berner Hochlandes: Mönchs Eiger, Jungfrau und die andern sich anschließenden riesigen Berge. Im Norden bildet die Aare den Brienzer See, den sie durchfließt, um im Süden den Thuner See zu durchströmen, während im Westen der gewaltige Harder das Thal schließt; zwischen diesen beiden Gebirgsketten und den beiden Seen liegt Jnterlaken (auf Deutsch: zwischen den Seen). Es besteht fast nur aus Gaslhöfen, die sämmtlich mit einer Pracht und Eleganz erbaut und ausgestaltet sind, von denen man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Wegen seiner wunderherrlichen Lage und wegen seines vor allen heftigen Winden, geschützten Klima's wird der Ort vielfach zum längern Aufenthalte von vornehmen Leuten gewählt. Wer Zeit und Geld genug hat, der kann in dieser paradiesischen Gegend sehr angenehm leben; freilich, der gesetzestreue Jude dennoch nicht, weil in Jnterlaken keine Juden wohnen und israelitische Kost nicht zu haben ist. Wie ich jedoch höre, soll in nächster Saison eine jüdische Restauration dort eingerichtet werden. So war freilich der Genuß der Schönheit der Gegend mit mancherlei Entbehrungen verknüpft und nicht ohne Göne. Kömmt der gesetzestreue Jude in Deutschland in ein Hotel, so fragt ihn der Kellner, ob er zur table d'hote kommen wird; sagt man dann kurzweg „nein", so wird man nicht weiter belästigt. Anders in der Schweiz; da wird man nicht allein im Hotel täglich zweimal gefragt, sondern auch an jedem Absteigquartier, wo Post und Dampfboote anhalten, wo der Kutscher vorfährt, um die Pferde zu füttern; da springen die Kellner höflich herbei, öffnen den Kutscherschlag und fragen: „Wie viele Plätze an der tabls d’hote befehlen Sie? Und man muß trotz so vieler Höflichkeit ablehnend erwiedern; die Herren Kellner machen dann verdrießliche Gesichter und man bekömmt am Ende für vieles Geld nur schwer und unwillig die einfachen Lebensmittel vorgesetzt, die man genießen

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