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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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858 Ersteren folgte, nicht Elfterer dem Letzeren." Welche unsäglich drastisches Zeitbild in den wenigen Strichen. Frankreich. Paris. „Monatsbericht (Juli und August) der „Alliance Jsr. Univ." (Schluß.) — Das C.- Comite hat zahlreiche Mittheilungen in Betreff des Handelsvertrages erhalten, der zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien abgeschlossen worden ist. Hiernach sind die Hoffnungen, welche die rumänischen Israeliten auf denselben gesetzt haben, getäuscht worden; eine Clausel des 1. und 4. Artikels des genannten Vertrages erklärt die, lediglich ans die Juden abzielenden Gesetze und Vorschriften. welche „Den Fremden" den Erwerb und Besitz von ländlichen Grundstücken in Rumänien verbieten, für fortbeftehend und der Art. 1 des Schlußprotokolls reservirt jeder Regierung, in Bezug auf diese Bestimmung das Recht, durch Gesetze und Verordnungen die nöthigen Polizei- , und Sicherheitsmaßregeln zu ergreifen, „namentlich in Rücksicht auf das Etablissement eines jeden Individuums in einer ländlichen Gemeinde." Aus der Interpretation, welche diesem Entwürfe sowohl in einem Theil der rumänischen Presse, als auch durch Erklärungen der Regierung in der Deputirtenkammer gegeben worden ist, würde hervorgehen, daß der qu. Vertrag nicht dlos die früheren, gegen die Juden gerichteten Ausnahmegesetze nicht aufheben, sondern auch gewisse Verbote, von denen bis jetzt nur die eigentlichen rumänischen Israeliten betroffen waren, auch auf die österreichischen und ungarischen Israeliten in Rumänien ausdehnen werde. Man will hoffen, daß diese Interpretation des Vertrages eine irrige sei. — Man schreibt dem C.-Comitv aus Aleppo, daß die indische Cholera sich auf fast alle Punkten von Syrien zeigt und besonders in Hama, Damaskus und Antiochien große Verheerungen anrichte; dieselbe wäre ebenso auch in Aleppo auSgebrochen, aber der Regen und die kühle Temperatur hält daselbst ihr Fortschreiten auf. — Nach anderen Mittheilungen ist die Cholera, die jetzt in Syrien auftritt, nicht die asiatische. — Einige Lehrer sind dieserhalb vom C.-Comite mit gedruckten Instructionen versehen worden. — Die Lage der Israeliten von Larache scheint sich trotz der für sie gemachten Anstrengungen doch nicht im Geringsten zu bessern. Die Urheber der vor einiger Zeit begangenen Verbrechen sind noch nicht bestraft worden und die Familie des Israeliten Barsesat, der neulich wegen eines Diebstahls, den er nicht Legangen hatte, mit Stockschlägen getödtet wurde. wartet noch immer auf die Entschädigung, die sie bekommen soll. — In Alcazar, einer drei stunden von Larache entfernten Stadt, ist soeben ein anderer Israelit ein Opfer der Brutalität des Kudi geworden, weil er nicht gewisse Schläuche, wie dieser eS ihm aufgetragen hatte, anfertigen konnte; der Unglückliche,' 60 Jahre alt, wurde zu Boden geworfen und mit 150 Stockschlägen maltraitirt, so daß man ernstlich um sein Leben fürchtet. Die HH. Viceconsuln von England und Italien haben das Verhalten des Kadi dem Gouverneur angezeigt, der ihnen Genugihuung zu verschaffen versprochen bat. — Angesichts solcher Thatsachen, die sich seit einiger Zeit so oft wiederholten, glaubt das C.-Comite die nachdrücklichsten Schritte zur Erreichung eines wirksamen Schutzes für die Israeliten von Marocco thun zu müssen. Feuilleton. Aildrr aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers. des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Ich war ein kleines Kind von fünf Jahren," fuhr er fort, „am Simches Thora, wo die Knaben oft so ausgelassen luftig sind, kommt so ein Hauptgassenjung' zu mir, Feiwel Baldrian hat er geheißen — und sagt, Jüngle, leg das da in das große Machsor *) von Reb Lipmann Wedeles, wir wollen ihm e Raches machen, was er erst nix wissen soll davon b) .... und gibt mir ein paar Knallerbsen ... ich guter Jung' geh' hin, leg' sie hinein und fetz' mich dann ganz ruhig auf die Stappelech^), Reb Lipmann hat seinen Stot^) neben Reb Leb Wodolka, der seine beiden Knaben bei sich har. Wie nun die Unruhe in Schul' beginnt, * * 6) klopft Reb Lipmann nach seiner Gewohnheit auf feinen Machsor, aber . . . paff, piff, Puff, kracht's ihm da zu seinem größten Erstaunen entgegen. Reb Lipmann war ein sehr guter, braver, alter 1) Gebetbuch. ’J) Vergnügen. 3) wollen chn überraschen. 4) die Stufen, die zur Bundeslade führen. 5) Lih. 6) Das Thorafreudenfest, womit die acht Tage des Laubhüttenfestes abschließen, wurde überall sehr festlich und mit freudiger Aufregung begangen. Der große Jubel gab namentlich bei den jungen Leuten und Kindern oft zu bedauerlichen Ausschreitungen Veranlagung.

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