Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1875)
- Date
- 1875-09-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Mann, aber ein großer Ragsen7). Schon früher hat er bemerkt, daß sich ein Kind etwas an seinem Machsor zu schaffen gemacht hat, hat sich aber nicht darum gekümmert, aber jetzt, da Jakow Wodolka auf seines Vaters Stot neben ihm steht, hält er den für den Bal dower8) und — schwubs . . . . gibt er dem Jüngl e Patsch, daß es nur geknallt hat. Jakow weiß nicht, was ihm geschieht, fängt zu weinen an, sein Vater schreit; bis ich endlich säg' .... daß ich von Feiwel Baldrian verleitet, nichts Schlechtes denkend, die Knallerbsen in N?eb Lipmanns Machsor gelegt Hab' — und der Lump, der Hultauer2), mir noch eingered't hat, Reb Lipmann wird das größte Vergnügen davon haben, . . . . aber was haben alle meine Red' genutzt? Jakowl hat seinen gesunden72) Patsch gehabt, und ich war unschuldigerweise der Grammn) dazu. — Es ist wirklich nicht zu glauben, — wo einem von uns beiden eine Unseligkeit12) zugekommen ist, war der andere Schuld daran! — Reb Leb Wodolka hat doch, obwohl er wirklich kein übler Mensch war, doch e Szinne auf mich und meinen Vater geworfen. Der hatte viel von ihm zu leiden, so daß mein armer Tat schon einmal das Schamoßes 13) hat ablegen wollen, obwohl er ein bitterarmer Mann war und fast kein anderes Brod gehabt hat . . . aber da hat Gott boruch hu ") ein Neß gethan15). Es hätte sollen ein dritter Gabbe gewählt werden, und Reb Leb, der ein großer Rodef Kowed 16) war, hat sich eingebildet, e r wird's werden. Wie er gesehen hat, daß das ka Menschen einfällt, hat er sich eine Rigse geschnitztn), und is aus der Klaus herausgegangen 18)." „Äh^ Vaterleben!" meinte Ester, wie erleichtert aufathmend, „bist Du Jakow wenigstens für Deine Jugendzeit poter72) geworden?!" „Ka Gedanken!" entgegnete Budweiser, „hör' nur weiter. Ein halb' Jahr später, ich war kaum fünfeinhalb Jahre, gab mich mein Vater olof hascholem in ein Cheder. Er überlegte sich's lange, zu welchem Melamed20) er mich geben soll, endlich hat es geheißen, Reb Beer Klapper fei der beste. Sonntag früh führt er mich das erstemal hin, neben wen, meinst Du, setzt mich der Rebbe27)? . . neben Jakiwl Wodolka!" „Weißt Du, Vaterleben! Deine Geschichte erinnert mich an mein Buch da drinnen, das ich 7) Auffahrender Mensch. 8) Urheber. 9) Gassenjunge. 10) gehörigen, kräftigen. 11) Veranlassung. 12) Ungeschicklichkeit passirt ist. 13) die Schuldienerstelle. 14) gelobt sei er. '5) Wunder verrichtet 16} Ehrgeiziger. 17) einen Vorwand, beleidigt zu sein, gesucht, ohngefähr wie: Ltreit vom Zaun gebrochen. 18) eine andere Synagoge als Bethaus gewählt. 19) los. 20) Lehrer 2t) Lehrer. mir von Langendorf ausgeborgt Hab', . . da kommen auch zwei Menschen vor, die sich jeden Augenblick gegenseitig in den Weg treten, bis einer zum andern sagt: für uns beide ist die Welt zu eng... einer von uns muß fort! .... freilich die beiden lieben e i n Mädchen, und schießen sich auf Pistolen — das war bei Dir und unserem „undetamten Schochen", wie Du ihn nennst, nicht der Fall." Zuerst flog ein ernster Schatten über Budweisers Gesicht, dann sagte er aber mit einem herzlichen Lachen: „Ein Buch könnt' man auch darüber schreiben; — wenn ich's nicht mit erlebt hätte, ich selbst würde es nicht glauben, aber Du weißt's, Ester, Dein Vater sagt nie SchekerM). . . „Wie ging's im Cheder zu?" Reb Beer Klopper hatte einen Schem 23), als wenn er e Gewure 24) war', aber man hat dort wenig Gutes, aber von den Kindern, welche Taschkaschereien23) gelernt. — Schlag' haben die Kinder genug gekriegt, aber was das Aergste war, immer bechinom28), und gerade wenn sie sie ehrlich verdient haben, hat man's ihnen nachgesehen. Wenn so ein klein' Jüngel ihn nicht gleich verstanden hat, wenn er sich den Tentsch27) von einem Worte nicht gemerkt hat, meint Ihr, der Chammer28) von e Melamed hat ihm's gesagt? — nein! hineingeschlagen hat er in das arme Kind, bis ihm aus Rachmones22) ein anderes Kind den Tentsch zugerufen hat . . es war das eine miserabele Wirtschaft! ... ich kann's gar nicht verstehen, wie wir haben bei dem Unterricht beten, Chummisch32) imd alles Das lernen konnten, was wir doch gelernt haben, wahrhaftig, ein Neß min haschomajim31) ist's gewesen. Gott im Himmel! wenn ich mir's überleg', wie schön die Kinder in der Normalschnl' da unten die Kaiser Josef errichtet hat — ihre Sachen lernen . . . . ka Zanken, ka Kloles32), ka Schlag', ka Hinauswerfen, e Raches ist es zu sehen und zuzuhören . . . und die armen Kinder von damals!" „Armer Vater! — aber Du hast doch keine Schläge bekommen?" frug Ester zärtlich, „ich kann Dich mir nicht anders vorstellen als: klug und verständig." „Nein, ich und Jakow, wir beide waren ausgenommen. Mein Vater war ein großer Chofchom und verbot demRebbe, mich zu schlagen, er weiß, sagte er ihm, daß das bei mir nöthig sei, ich wär' ein gutes Kind, und sage nie eine Lüge, und mit 22) eine Lüge. 23) Namen, Ruf. 24) Außerordentliches. '25) Schelmenstreiche. 26) unverdient. 27) die deutsche Uebersetzung. 28) Esel. 29) Mitleid. 30) Bibel. 31) Wunder von Gott. 32) Flüche, Verwünschungen.