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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Erste Beilage jn Ur. 38 des Israelit. JeLtungSnachrirhten und Correfpondenzen. Deutschland. NegenSburg. Ich habe in meinem ersten Bericht versprochen, auch den Institutionen obiger Stadt ein Wort zu widmen. Ich will nun mit der Synagoge den Anfang machen. Wenn auch dort kein Reform-Gottesdienst mit Chor und Orgel vorhanden, so ist doch an die D’Drs und nnsr schon längst das Rasirmesser gelegt, und mit Ausnahme von den o'snu cre* werden nur einige D'Bi'B an riD£ und myotp gesagt, auch das »tu bv ist im vergangenen Jahre unter die Scheere gekommen und wird anstatt wie bisher dreimal nur noch einmal vorgetragen werden; nun aber will man noch weiter gehen. Die Gemeinde hat ihre Statuten geändert, und bei dieser Gelegenheit soll auch eine Aenderung in der Synagogen-Einrichtung vorgenommen werden in der Weise, daß das Gebetbuch nochmals unter das Rasirmesser kommen soll, und wie man hört, soll statt des mj ein deutsches Gebet eingerichtet werden. Das miw soll nur noch vom nn laut vorgetragen werden; die n^en gar nicht und dergleichen mehr. Diese Neuerungen haben noch eine Gemeindeversammlung zu passiren. Es ist daher die Aufgabe der in RegenSburg vorhandenen □’TiT, die es mit unserer heiligen Religion noch gut meinen, energisch solchen Neuerungen entgegen zu treten, und den dortigen Bezirksrabbiner, der jedenfalls in solchen Sachen ein Wort mitzusprechen hat, zu interpelliren. Heilbvo««, 4. Sept. Ein sonderbarer Vorfall setzt die hiesige jüdische Bevölkerung in Aufregung und verursacht auch in den freisinnigen christlichen Kreisen der Stadt bedenkliches Kopfschütteln. Sie werden das begreifen, wenn ich Ihnen auf Grund authentischer Information den Vorgang erzähle. In eine hiesige renommirte Weinwirthschaft tritt Herr Friedrich von Rauch, ein Mitglied der hiesigen Lauto-volö«; vor einem der Tische hatte sich einen Augenblick zuvor ein jüscher Bürger erhoben und blieb nur noch ein Gast an demselben. Dieser war ein Freund des eben eintretenden Herrki von Rauch, der sich aber nicht zu ihm fetzte , sondern ihn an einen Nebentisch zu sich einlud, indem er dieses Verlangen laut mit den Worten begründete: „An diesen Tisch setze ich mich nicht, da hat ein Jude gesessen." Ich enthalte mich jeder Kritik dieses Benehmens und bemerke nur noch, daß Herr v. Rauch Abgeordneter der Stadt Heilbronn im Landtag, Präsident der hiesigen Handelskammer und Verwaltungsrath der Württembergischen Vereinsbank ist. (Inzwischen hat Herr v. Rauch obige Mittheilung dementirt, allein der Einsender des Artikels behauptet trotzdem seine Aussage.) (Frkf. Ztg. Oester r. - Ungar. Monarchie. Wie«. In einem Feuilleton des „N Wr. Tagbl." war jüngst erzählt worden, daß sich bei den Wiener Juden neben andern Ausgeburten deS vormärzlichen Druckes, unter welchem sie beklommenen AthemS ihre kaum geduldete Existenz Tag für Tag mühsam weiter schleppen mußten, die Tradition eingenistet hatte, eS werde jedesmal, so oft im Burgtheater „Nathan der Weise" zur Aufführung komme, unmittelbar darauf „Der Kaufmann von Venedig" gegeben, weil eS viel Ehre für die Juden wäre, wenn so ein „edler Jude" auf dem Hoftheater erschiene, ohne daß der schmeichelhafte Eindruck desselben sofort durch die Erscheinung eines abscheulichen Juden paralysirt würde. Mit Bezug darauf veröffentlicht nun dasselbe Blatt folgenden Brief: „Ich erlaube mir, einzig um der Wahrheit die Ehre zu geben, Ihnen Folgendes mitzutheilen. ES war, glaube ich, in den zwanziger Jahren, daß es auf einmal hieß, der Hof wünsche, daß „Der Kaufmann von Venedig" aufgeführt werden solle, welcher bis dahin noch nicht auf den Brettern der Hofbühne erschienen war. Hierüber große Bestürzung in der israel. Gemeinde. Mein Vater befand sich damals in dem Vorstand der Gemeinde und war bemüht, alles Gehässige von ihr ferne zu halten Damals war RegierungSrath Laroche der allmächtige Polizeidirector, in welcher Eigenschaft ihm auch an jedem Samstag ein Segensspruch im Tempel gewidmet wurde. Bei ihm wurden nun Schritte gethan, um die Ausführung des gefürchteten Stückes zu Hintertreiben, von welchem man befürchtete, daß es große Aufregung gegen die Juden erzeugen werde. Auch sonst wurde Alles in Bewegung gesetzt, ja, eS wurden sogar Geldgeschenke angewendet, aber nichts half, — eS blieb bei der Aufführung. Um jedoch der Gemeinde irgend eine Revanche zu geben, wurde gkeichzeitig erlaubt, daß auch „Nathan der Weife" gespielt wurde, so daß Letzterer stets dem

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