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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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854 Herren und Edelleute (Laien und Geistliche) zeigten lebhaftes Interesse an den Verhandlungen der jährlichen Versammlung, welche im Juni stattgefunden. Hervorzuheben ist die Rede des Grasen v. Shaftesbury, nicht nur wegen der Bemerkungen, sondern auch wegen der unbewußten Widersprüche, welche mehrere seiner Behauptungen kundgeben. Er stimmte darin ein, daß die besten Männer, welche man finden kann, nach Palästina geschickt werden sollten, um das Land aufzunehmen, abzumessen und für die Rückkehr seiner früheren Besitzer vorzubereiten, da die Zeit nicht mehr ferne sein könne, wo jenes große Ereigniß stattfinden werde. „Ich erinnere daran," fuhr der Redner fort: „als Lord Aberdeen Premier-Minister war und ich mit ihm wegen des „Heiligen Landes" sprach", er mich fragte: „Wenn das „Heilige Land" aus den Händen der Türken kommen sollte, in wessen Hände soll es dann fallen? Nun, die Erwiederung war bereit. „Nicht in diejenigen anderer Mächte, sondern lassen Sie es doch zu den Israeliten zurückkehren", und gewiß sind Zeichen vorhanden, woran zu erkennen, daß die Zeit nahe ist, wo der Herr Mitleid mit Zion haben wird. Ich hatte vor einigen Jahren, eine Unterredung mit jenem großen, ehrwürdigen Hebräer, Sir Moses Montefiore, der jetzt im 91. Jahre, noch im Begriffe steht, eine Reije nach diesem Lande zu' unternehmen. Wir kamen auf den Gegenstand der jüdischen Frage. ES gibt keinen freimüthitseren Mann auf der ganzen Erde als Sir.Mbses. „Die Zukunft des Heiligen Landes", sagte er, „ist diese: „Gebt uns Sicherheit für Leben und Besitz, dann werden die Juden zurückkehren und ihr altes Gebiet wieder einnehmen." Während der edle Graf Zeichen der baldigen Wiederkehr der Israeliten nach dem heiligen Lande verkündete, gibt er in demselben Tone und in derselben Sprache seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Juden sich zum Christenthume bekennen möchten*). Warum sollte ein Jude, welcher das Christenthum angenommen hat, wünschen, nach dem „verheißenen Lande" zurückzukehren? Der Redner sprach auch von der Moschee Omar auf dem Tempelberg und von den Orten und Kellern, welche in jenem Kalksteinfelsen ausgehöhlt sind. Er sagte: „Von Juden, welche an den mündlichen Ueberlieferungen, von denen einige gut begründet sein mögen, festhalten, habe ich gehört, daß die Bundeslade da gefunden werden soll. Sie wissen, daß sie niemals hinweggenommen wurde, es ist wenigstens weder auS Ne- *) Graf Shaflersbury ist Präsident der berüchtigten engl. Missionsgesellschast. bucadaezar's Zeit, noch aus der Zeit des Titus eine Erinnerung davon da. Wie konnte sie verschwinden? Die Priester betrachteten sie als den heiligsten aller Schätze; sie verbargen sie in der Stunde der Gefahr auf der Wölbung des,Felsens, worauf der Tempel gebaut war. Die Priester, welche es thaten, so glaubt man, wurden getödtet und so ging das Geheimniß mit ihnen verloren. Es ist wohl darum werth, danach zu suchen und wenn sie an's Licht gebracht werden würde, — jene große alte Bundeslade; welch'eine Entdeckung wäre dies!" Der edle Lord scheint nicht zu wissen, daß die Lade zur Zeit des zweiten Tempels nicht existirte und daß, wenn sie in den Tagen Nebucadnezar's in den Höhlen des Tempels verborgen wurde, sie gewiß ans Licht gebracht worden wäre, als der zweite Tempel erbaut wurde, da ohne Zweifel von den Priestern, welche mit den unterirdischen Theilen des Heiligthums bekannt waren, fleißige Nachforschungen gemacht worden wären. (Jew. Chr.) Feuilleton. Haus Eber». Erzählung von S. Ko hn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) Heinrich ergriff jetzt das Wort, um die Anwesenden gegenseitig vorzustellen. Es bedurfte einiger Zeit bevor man aus dieser ungewohnten, wenn auch durch die eigenthümlichen Verhältnisse berechtigten Sprechweise zur allgemeinen Gesprächsart übergehen konnte und hierbei war es Carl Eberstein, dessen gewandtem Benehmen es mit fast überraschender Leichtigkeit gelang, den gewöhnlichen gesellschaftlichen Formen, die auf Alle beruhigend einwirkten, wiederherzustellen, und eine halbe Stunde später, saß die kleine Gesellschaft theetrinkend um den reichbesetzten Tisch. Mit feinem Takte war am Theetische im Gespräche jede Wendung vermieden worden, welche den ohnehin erregten Damen Veranlassung zur weiteren Emotion geben konnte. — Nach genommenem Thee lud Robert Herrn Löwenstamm und Carl in sein Rauchzimmer, jeder der drei Herren steckte sich eine feine Cigarre an und bald durchzogen das trauliche, anheimelnde Zimmer die emporwirbelnden duftigen blauen Rauchwölkchen. „Meine Herren," nahm Löwenstam das Wort,

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