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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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853 die Buchhandlung heute noch befindet, und in dessen eleganten Räumen ein antiquarisches Bücherlager von über 200,000 Bänden aufgestellt ist. Joseph B. konnte sich des neuen Besitzthums nicht lange erfreuen, ein Herzleiden machte seiner Wirksamkeit schon im folgenden Jahre ein Ende. (Sein Bruder Herrman starb im Jahre 1872). Bezeichnend für seine Tüchtigkeit ist es, daß er vom Kaiser von Rußland im Jahre 1853 zum Haupt-Commissär der kaiserl. öffentlichen Bibliothek in Petersburg und des öffentlichen Museums in Moskau ernannt, sowie mit der russischen goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde. Der größtentheils streng wissenschaftliche Verlag des Baer'schen Geschäftes enthält Namen, wie Fichte, Dieffenbach, Ranke u. A., deren Werke meistens durch Ankauf aus dem Weidmännischen, Cotta'schen und anderem Verlage erworben sind. Das Geschäft wird heute von dem Sohne Joseph B.'s: Simon Leop. Baer (ein zweiter Sohn Julius starb vor zwei Jahren) geleitet. Schließlich sei noch erwähnt, daß das Haus Baer im Jahre 1871 eine bedeutende Erweiterung durch die Gründung eines Zweiggeschäftes in Paris erfahren hat, zu welchem Behufe Dr. H. Derenbvurg in Paris in die Firma ausgenommen ist." Gera, 12. Sept. Das „Ger. Tagbl." berichtet: „Eine höchst mittelalterliche Ceremonie hat sich am 7. September auf dem Geraer Rathhause zugetragen. Es wurden vom Oberbürgermeister Sorger drei hiesige Einwohner mosaischen Glaubens in den Bürger-Verband ausgenommen. Sorger hatte für diese drei Herren eine besondere Eides- Formel entworfen, sie mußten bei „Adonai, dem Gotte Israels" und mit bedecktem Haupte schwören. Diese Ceremonie scheint uns nicht blos mittelalterlich, sondern auch unserer Gesetzgebung nicht entsprechend. Die neuen Bürger, weß Glaubens sie find, haben nicht einen Juden-Eid, sondern den im § 105 des Staatsgrunv - Gesetzes vorgeschriebenen Eid abzulegen. Anderwärts hat man den mittelalterlichen Juden-Eid abgeschafft und wir in Gera führen ihn wieder ein. Oberbürgermeister Sorger hat den drei Herren erklärt, diese Eides-Formel sei vorgeschrieben. Wir wissen von einer derartigen Vorschrift nichts. Weder in unserer Gemeindeordnung , noch unserer Verfassung finden wir eine solche gesetzliche Vorschrift, auch außerdem ist uns keine bekannt. Wie hat denn Hr. Sorger unsere Dissidenten, die auS der Kirche ausgeschieden sind und von denen auch eine Anzahl Bürger wurden, vereidigt? Gibt es auch einen besonderen Dissidenten-Eid? Und wenn nun einmal, was ja möglich, ein Türke in Gera Bürger wird, wird der Mann dann bei „Allah, dem Gotte Mohammeds" vereidigt? Zur weiteren Erläuterung des geschilderten Verfahrens citiren wir Art. 36 der Gemeinde-Verordnung, wo es heißt: „und haben dem Gemeinde-Vorstand durch Handschlag auf getreue Erfüllung der Bürger-Pflichten anzugeloben, auch den im § 105 des Staats-Grundgesetzes vorgeschriebenen Eid abzulegen." Der in § 105 der Verfassung vorgeschriebene Eid lautet aber: „Ich schwöre Treue dem Landes - Fürsten, Gehorsam dem Gesetze und Beobachtung der Landes-Verfassung!" Also nichts weiter, keine Silbe weiter haben die Aufzunebmden zu schwören. Statt dessen componirt Oberbürgermeister Sorger folgenden Eid: „Bei Adonai, dem ewigen G^tt Israels, schwöre ich ohne Vorbehalt oder Ausflucht in Aufrichtigkeit des Herzens als neuer Bürger Bürger Treue dem Landesfürsten, Gehorsam dem Gesetze und Beobachtung der Landes-Verfassung. So wahr mir helfe Adonai, der Gott Israels. Amen!" Die Sache hat eine komische, aber auch sehr ernste Seite." Oesterr.-Ungarische Monarchie. Gnhn, 15. Sept. Die LandeSjudenschafts- Repräsentanz in Prag hat am 8. Sept. eine Sitzung abgehalten, in welcher erledigt wurde die Verleihung von 46 Stiftungsplätzen der Waiseustiftung und 2 Plätzen der Gisela-Stiftung für verwaiste Mädchen; die Feststellung für das Gutachten betreffs einer Subvention an Rabbiner Siebeschloß, auf Subventionirung der Kreis-Rabbiner, behördlich bestätigter Religionsweiser und Religionslehrer anzutragen. Wie alljährlich wurden auch heuer 8 Stipendien für Lehramtszöglinge bewilligt. Bei der Neuwahl der Funktionäre wurde der Obmann Herr Markus Bauer auS Humpolez und der Obmann-Stellvcrtreter, Herr Dr. Lichtenstern, Advokat in Prag mit eminenter Majorität wiedergewählt. Hoffentlich wird auch in Mähren die Subventionssache in dieser Richtung bewerkstelligt werden. Dr. D. England. London Der vierteljährige Vermögensstand für den Monat Juli „der Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" bietet recht viel Interessantes. In der Vorrede wird uns erzählt, daß nach Verlauf eines Jahres die Durchforschung Palästinas vollständig beendigt sein wird. Biele einflußreiche

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