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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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852 nicht erwehren, und doch ist die Erstehung desselben eine tieftraurige. Es war im Jahre 1294, al8 ein Knabe, Namens Rolf (Rudolf), todt im Keller eines Juden gefunden wurde. Damals wohnte eine reich begüterte israel. Gemeinde in Bern, der die vornehmsten Herren stark verschuldet waren. DaS Urtheil war bald gefällt; der unglückliche Jude, dem man den tobten Knaben in den Keller geworfen hatte, wurde gerädert. Die andern Juden wurden aus der Stadt vertrieben, nachdem die Schuldscheine zerrissen waren und die kostbaren Pfänder unentgeltlichhatten zurückgeliefert werden müssen. Zum Andenken an das schreckliche Ereigniß wurde der Brunnen auf dem KornhauSmarkte mit dem Kindli-Frefser geziert. Seitdem blieb die Stadt den Juden verschlossen bis vor wenigen Jahren. , Jetzt wohnen circa 100 israel. Familien in Bern; als Rabbiner fungirt daselbst unser geehrter Mitarbeiter, Herr Vr. Gold st ein; die Synagoge ist eine gemiethete, ebenso die Localitäten des Frauenbades; doch besitzt die Gemeinde seit neuester Zeit einen Friedhof. Wir hatten auch Gelegenheit, das prachtvolle Antiquitäten-Magazin des Herrn Woog zu besuchen; wir fanden dort eine sehr schöne, geschriebene, mit hübschen Bildern verzierte hdd bw nun. Interessant war eS, darin eine beachtenswerthe Lesart zu finden. In dem Abschnitte bb'.n n&y *p 'di steht nämlich in allen uns bekannten Hagadoth imwso onnoi mso by, welcher piD3 sich bei nDS findet. In dieser handschriftlichen Hagada aber heißt eS lnitesr onno maoi, wie es in der That beim nDs. Traurig ist es, daß in Bern wie in noch andern Schweizerstadten die jüdischen Kinder in den meisten Schulen am Sabbat schreiben müssen; noch trauriger ist der Jndifferentismus der Eltern, die das ruhig geschehen lassen!! Herr vr. G. hat sich vielfach um Abänderung dieser traurigen Verhältnisse bemüht; allein man entgegnete ihm, daß man den jüdischen Kindern keine Ausnahme gestatten wolle, um das gute Verhältniß zu ihren christl. Mitschülern nicht zu stören. Also aus Wohlwollen gegen die Juden zwingt man sie. den Sabdat zu entweihen! Ach ja, der Kindli-Fresser steht noch auf dem Kornhausplatze! Gott bessere es! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Corresporidenze». Deutschland. Frankfurt a. M., 21. August. Die „Allgemeine deutsche Biographie" enthalt u A. folgenden, für Bücherfreunde und unsere Mitbürger gewiß sehr interessanten Artikel: „BaerrLeopold Joseph, namhafter Buchhändler, geb. 2. Okt. 1804 in Bockenheim von jüdischen Eltern, gest. 31. Dec. 1861 in Frankfurt a. M. Sein Vater, welcher nach damaligen Frankfurter Gesetzen das Bürgerrecht dieser Stadt nicht erlangen konnte und deßhalb ein offenes Geschäft nicht betreiben durfte, gründete 1785 in einem kleinen Lokale in einer abgelegenen engen Gasse in Frankfurt ein buchhandlerisches Antrquargeschäft, hatte aber seinen Wohnsitz in Bockenheim bei Frankfurt. Sein Geschäft nahm trotz der ungünstigen Lage (im Dominikaner-Kloster) infolge des ehrenhaften und umsichtigen Betriebes des Besitzers einen raschen Aufschwung und gewann bald einflußreiche Gönner, die es dem alten B. ermöglichten, die ihm entgegenstehenden gesetzlichen Schwierigkeiten zu überwinden, als Bürger nach Frankfurt überzusiedeln und das erweiterte Geschäft nach der Steingasse zu verlegen. Sein Sohn, unser Joseph B., be, suchte in den Jahren 1815—20 das Frankfurter Gymnasium und trat dann in das väterliche Geschäft ein, welches zu jener Zeit bereits große Ausdehnung gewonnen hatte; mit ihm verband sich 1824 sein Bruder Hermann B. zur Uebernahme des väterlichen Geschäftes und Beide waren nun in rastloser Thätigkeit und mit bestem Erfolg bemüht, dem Hause eine fortwährende Ausdehnung und Bedeutung zu geben. Während der jüngere Bruder Herrmann sich meistens auf Reisen befand, um in England, Holland, Frankreich und Italien Ankäufe zu machen, leitete Joseph das HauS in Frankfurt und hat sich im Laufe der Jahre große Verdienste erworben durch die Bereicherung der öffentlichen Bibliotheken mit den literarischen Schätzen des Auslandes, die er mit ungewöhnlichen, bibliographischen Kenntnissen ausgerüstet, in sachkundigster Weise an sich zu bringen und zu verwerthen verstand, so daß das Baer'sche Geschäft sich einen guten Ruf in der europäischen Gelehrtenwelt und besonders intime Beziehungen zu den öffentlichen Bibliotheken in Rußland erwarb. Zur Zeit des Parlamentes 1848 war die Baer'sche Buchhandlung ein Sammelplatz hervorragender Männer; von Radowitz, Döllinger, Jacob Grimm u. A. verkehrten häufig unD gern mit den beiden Brüdern und schätzten dieselben wegen ihrer gediegenen Kenntnissen und anerkannten Biederkeit. Dem Bedürfnisse nach größerer Ausdehnung nachgebend, verlegte Joseph B. im I. 1850 das Geschäft in das am Roß^arkt gelegene Casino und 1860 in das von den Brüdern eigen erworbene, ebenfalls am Roßmarkt dem Gutenbergdenkmal gegenüber gelegene, große Gebäude, wo sich

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