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Der Israelit · 1875-09-15 · Heft 37 (15.9.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 37 (15.9.1875)
Date
1875-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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835 breitet worden waren, einer besonderen eingehenden Prüfung. Es ergab sich aus denselben, daß Lüwenstamm stets ein streng redlicher, hochachtbarer, allgemein beliebter Staatsbürger gewesen, daß er für die Hebung der LandeScultur in der Provinz Außerordentliches geleistet, endlich daß er bei jenem Brande, dessen Urheberschaft er fälschlich bezüchtigt worden war, die Kinder des Baron Graun mit Lebensgefahr, dem sichern Flammentode entrissen und auch schon ftüher bei mehreren Gelegenheiten mit eigener Aufopferung Menschenleben gerettet hatte. — Es erschien zunächst unbegreiflich, daß ein solcher Jrrthum Vorkommen konnte, daß einem Manne gegenüber, dem die besten Zeugnisse, die lebhaftesten Sympathien zur Seite standen, eine solche Anklage erhoben und durchgeführt, ein solches Urtheil gefällt werden konnte. Es war diesmal wieder die alte Wahrheit zur vollen Geltung gelangt, daß menschliche Erkenntniß, beim besten Willen, fehlbar sei. Ein so grober Mißgriff der Justiz war seit Dezennien, in der Provinz, im ganzen Lande nicht vorgekommen. — Die verflossenen Jahre unsäglichen Leides, in Löwenstamms Leben konnten nicht ungeschehen gemacht werden, das lag außer dem Bereiche menschlichen Vermögens, aber dem tief Gebeugten sollte glänzende Satisfaction werden. Der König sah sich veranlaßt, Löwenstamm in einem eigenhändigen Schreiben sein tiefgefühltes Bedauern über fein unverschuldetes Unglück auszusprechen, und ihm, — nicht zur Ehrenrettung, die sich von selbst ergab — sondern wie sich das Handschreiben huldvoll'ausdrückte, in Würdigung seiner vielseitigen Verdienste, seiner Wirksamkeit und seines aufopfernden Benehmens einen hohen Orden und einen Titel zu verleihen, der in der Regel, der Vorläufer einer Adelsverleihung zu sein pflegt. Löwenstamm war auch zur Audienz nach der Residenz befohlen und dort zur Hoftafel geladen worden, .... das war in den Augen Carl Ebersteins, dem äußeres Ansehen viel galt, ein gar bedeutender Anfang zum Guten. Mit höchster Spannung erwartete die Ebers'sche Familie Löwenstamms und Claris Ankunft. Endlich zeigte ein Schreiben ihr Eintreffen für den nächsten Tag an. Sie sollten Abends anlangen und es war bestimmt worden, daß Heinrich sie am Bahnhof erwarten, daß sie in einem leerstehenden Flügel des Eber'schen Hauses absteigen, Toilette machen und dann sogleich zum Thee bei Robert erscheinen sollten. Im Salon des ersten Stockwerkes bei Robert Eberstein befanden sich nebst ihm seine Geschwister Jeanette und Carl. Alfted mochte Löwenstamm nicht zuerst in größerer Gesellschaft begegnen und ließ seine Abwesenheit durch unaufschiebbare Geschäfte entschuldigen. Franke war in Geschäftsangelegenheiten nach der Residenz gereist. Es galt veu Abschluß eines StaatsanlehenS, über welches im Finanzministerium conferirt werden und bei welchem sich Jonas Ebers betheiligen sollte. Der Salon, in welchem die Eberftein's ihre Gäste erwarteten, konnte als Muster solider Eleganz gelten. DaS Gemach war durch eine große Zahl von Gasflammen, deren starkes Licht durch matt geschliffene Ampeln zweckmäßig gemildert wurde, prachtvoll erleuchtet. Der Ofen — ein Kunstwerk in seiner Art — verbreitete eine milde behagliche Wärme. Die Wände waren mitcarmoisinrothen Tapeten bekleidet, die im Einklänge mit den schweren seidenen Fenstervorhän"§n und mit der Farbe des modernen Möbels stäuben. Riesige Wandspiegel mit gediegenen goldnen Rahmen reflectirten die vielen Flammen, an den Wänden hingen Gemälde - Meisterwerke der Kunst. Ein herrlicher Teppich bedeckte den Fußboden. Der Plafond bot dem Auge die höchste Vollkommenheit der Zimmermalerei, in der Mitte befand sich ein vortreffliches Blumenstück, an den Ecken Landschaften, an den Rändern über reich verzierten Goldleisten der Tapeten, kunstvoll verschlungene Arabesken. Das ganze Ensemble machte den Aufenthalt in diesem Raume zu einem traulich behaglichen. Wer aber je jene eigenthümliche prickelnde Empfindung des Erwartens, einer nahe an uns herantretenden, in unser Leben tief eingreifenden Persönlichkeit kennen zu lernen, Gelegenheit fand, wird sich die Erregtheit, welche diesen kleinen Kreis, namentlich die beiden Brüder beherrschte, leicht ausmalen können. Die drei Geschwister hatten sich UM den ovalen Sofatisch gesetzt und versuchten ein Gespräch anzuknüpfen; aber der Faden desselben riß bald, die Unterhaltung stockte und die beiden Brüder erhoben sich und durchschritten schweigend das Zimmer. Beide blickten von Zeit zu Zeit auf die Pendule. Die Zeiger schienen sich gar nicht von der-Stelle bewegen zu wollen, endlich nach einer, eine Ewigkeit scheinenden Stunde des Harrens öffnete ein Diener rasch die Salonthüre — die Schritte der Annährenden waren auf den weichen Teppichen des anstoßenden Zimmers hörbar — und meldete: Herrn und Fräulein Löwenstamm, diese traten von Heinrich Eberstein begleitet ein. Löwenstamm war ganz schwarz gekleidet. Seine Gesichtszüge trugen das Gepräge überftandener Leiden und stiller Wehmuth. Die Hal-

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