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Der Israelit · 1875-09-08 · Heft 36 (8.9.1875) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 36 (8.9.1875)
Date
1875-09-08
Page
– (sequence 20)
Language
German
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824 Wer von Handel und Gewerbe lebt, braucht Ruhe und Frieden, verlangt deßhalb eine starke, stetige oberste Staatsgewalt. Allein die politischen Errungenschaften der Neuzeit haben die Fesseln gelöst, die schmachvollen Hintansetzungen und bürgerlichen Benachtheiligungen beseitigt, unter welchen die Juden Jahrhunderte seufzten; das hat die Juden nothwendig zum Liberalismus bekehrt. Diese vereinigten Einwirkungen haben zur Folge, daß die Juden in ihrer größten Mehrzahl und fast in allen Landern Liberal-Conservative, „Verfassungstreue" sind, da, wo eine freisinnige Constitution ihnen Rechtsgleichheit verbürgt. In Deutschland, in England, in Frankreich, in den Niederlanden, überall, wo das öffentliche Leben und die Staatsverfassung von dem Vernunftrechte durchtränkt sind, zählen die Juden zu den eifrigsten Patrioten und die Stammesverscyiedenheit ist für sie entfernt kein Hinderniß, sich aus voller Seele mit der Nation zu identificiren, freudig die größten Opfer für das Land zu bringen, das ihr rechtes und echtes Vaterland geworden. Bei uns in Oesterreich, speciell in Böhmen und Galizien, wo die Hauptmasse derselben wohnt, trifft das umsomehr zu, als in beiden Kronländern die dortigen slavischen Racen, eben weil sie der humanistischen Bildung weniger theilhaftig sind, als die deutschen, judenfeindlich im innersten Wesen, den scharfblickenden Söhnen des alten Bundes eine traurige Existenz schaffen würden, gelänge cs je, sie von den Rechtszuständen der Gesammt-Monarchie loszutrennen. Wie schlecht und corrumpirt das Deutsch sei. das der galizische Jude kauderwälscht, sein praktischer Verstand sagt ihm doch, gleichwie dem böhmischen Glaubensgenossen, daß eine der großen Weltsprachen, wie die deutsche, für seine Kinder im Leben und im Beruf von unendlich größerem Werth und Nutzen sei, als Czechisch oder Polnisch. Nicht nur Brody kämpft gegen den Alles polonistrenden galizifchen Landesschulrath um seine deutschen Schulen, selbst aus den kleinsten Judengemeinden Galiziens dringt bis nach Wien das lebhafte Gesuch um Unterstützung ihres Strebens, deutsche Trivialschulen im Sinne unseres Schulgesetzes zu errichten, Bittgesuche, denen bedauerlicherweise bisher allzu wenig Berücksichtigung geschenkt wurde. Mehr zu beklagen ist, daß auch von Seiten der Regierung — selbst zur Bach'schen Unifieirungs- und Germanisirungs-Epoche, wo doch der Versuch so nahe lag — ein Ferment zur Geltendmachung der österreichischen Staatseinheit, wie das, welches in den 500,000 galizifchen Juden ganz bereit vorliegt, völlig mißachtet blieb. Abgesehen von der Secte der Chasidim ist unter den galizifchen Juden das lebhafte Streben erwacht, Österreicher zu sein, nur Oesterreicher, wie ihre Glaubensgenossen in den deutschen Erblanden; aber man erlaubt es ihnen nicht unter der Herrschaft der allgemeinen Staatsversassung Vorurtheil wie Wohlwollen, Rüge wie Anerkennung in Bezug auf die Stellung des Judenthums im modernen Staate der Neuzeit beurtheilen — mehr oder minder parteiisch — das Factum, wie es vor Aller Augen sich darsteüt. Indem wir uns dagegen bestrebten, vorzugsweise die Elemente, die Factoren anzudeuten aus welchen diese socialen Momente hauptsächlich sich erläutern, wollten wir lediglich einen bescheidenen Beitrag zur Culturgeschichte liefern. ' C. v. W. ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Reduktion nicht verantwortlich. Hab mei und ang höcl fchr Gel weh bis Bei gro glie best lier Kör telfl eine ten stän halt gen gefä gere wer. mv ner trau lung sein" erste zu l ten mit in Heppenheim a. B. SS Frankfurt a. M empfehlen p^ deutsche, französische und ungarische Weine zu den billigsten Preisen, in Flaschen und in Gebinden. Versandt s2220. nen Coll gen

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