Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1875)
- Date
- 1875-09-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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815 Klage, worin er sich ge/;en diese Neuerung verwahrte. Der Grund, unter welchem man die Einführung der Kirchenstühle zurückwies, war der, daß es unbescheiden, gesetzlos, gegen Regel und Statuten der genannten Gemeinde sei, und ihre Rechte als Eigenthümer der Plätze schädigte. Gestützt auf eidliche Aussagen einiger amerikanischen Rabbinen, Männer von Wissen aber von gewaltiger Reformsucht, mißbilligte der Gerichtshof diese Gründe und verwarf den Protest, indem er dadurch sein Urtheil motivirte, daß ein eigner Gerichtshof den Geldschaden, wenn ein solcher in Folge der Veränderung für den Kläger entstehe, diesen ausgleichen sollte. Der „Jewish Messenger" publicirt die eidlich erhärteten Aussagen. Es ist merkwürdig, daß keine dieser Aussagen darthut, daß die Trennung der Geschlechter in allen orthodoxen Synagogen besteht, und von dem analogen Fall im Tempel zu Jerusalem herrührt, in welchem die Frauen einen besondern Ort zum Versammeln hatten, (o’ttfj m?y.) (Jew- Ehr.) Feuilleton. Pildrr aus dm alte» Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers, des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Was ist da zu lachen!?" rief Budweiser, seinem Sammetkäppchen einen Schwung verleibend, daß dieses plötzlich überrascht auf dem linken Ohr zu sitzen kam, „Du meinst, daß ich immer die Wahrheit sag', und doch zuweilen mit der Wahrheit die Oberreiter *) fopp . . . aber ich sag' ja doch nur die Wahrheit und ... Du weist, Mutterleben, ich halt' viel auf das Malchus^), wie sich das auch für einen ehrlichen Juden schickt — aber wenn ich soll 15 °/0 Vermögensmaß9) neben allen andern Steuern und Abgaben zahlen, dann extra Fleisch und Bier, und Alles was ich in den Mund nehm', versteuern, —• und wenn ich mich nicht ernähren kann, wie ich will . . . wenn ich ka Balmeloche*), kein Bauer und kein gar nix sein kann" — Mosche Budweiser konnte, wenn er wollte, ganz gut deutsch sprechen, aber er sprach in der Art und Weise, wie man eben im Ghetto sprach — „soll ich da Weib und Kind verhungern, soll ich sie nackt gehen lassen .... das kann Gott nicht wollen .... was soll ich thun? ich muß paschen . . . bechai Roschi^), wenn heut' der Judenhaß aufhört, wenn nur etwas Cherius b) für den Juden kommen, daß er sich nur etwas leichter ernähren kann . . . . ka Faden, keine Elle pasch' ich mehr . . . und dann," Budweiser schmunzelte wohl gefällig — „was Hab'ich za den Oberreitern gesagt, wie sie mich gefragt haben, wo ist die Paschwaar', Budweiser? Ihr seid angezeigt . . . macht keine Faxen und gesteht's geradezu, erspart uns die Müh', zu suchen . . . was Hab' ich da geantwortet? . . . . die reine Wahrheit! alle Paschwaar', was ich Hab', findet Ihr dort in der kleinen Kammer, in der großen Kiste drinn' . . . nu war's e Scheker? . . . . die Kiste hat nur e doppelten Boden gehabt, in dem untern Theile waren feine Spitzen versteckt, . . . daß die Oberreiter glauben, ich sag' Lügen und die Paschwaare liegt nicht da, wo ich gesagt Hab' . . . wer kann dafür? sollen sie mich nicht für einen Lügner halten! .... soll ich ihnen schwören auch noch darauf?!" Mutter und Tochter lachten, und diese sprach: „Aber Vaterleben, laß das jetzt ... Du willst ja vom Daden^) erzählen, der auch nie eine Unwahrheit gesagt hat." . . . „Ja," lenkte Budweiser wieder in das GeleiS seiner Erzählung ein, „mein Tat olof hascholom sagt ganz bekerecherez^), „ich Hab'gemeint, es thut mir leid, daß wir Beide an einem Tage e Bris9) machen — aber dem Rebbe das Wort zurückgeben nit for meo alofim'") — und husch! war der Tat aus der Stub' . . . von da hat sich die Szinnen) zwischen dem reichen Wodolka und meinem armen Taten angefangen. — Aber zwei Tage später hat Leb Wodolka wieder den Taten ausbezahlt. — Damals war Reb Schlome Pribram, der größte Mohel^) in Prag, sehr geschickt - und hat noch die Maile13) gehabt, daß er der Wärterin und der Hebamme e Stück Gold u) geschenkt und jedem Kind, bei dem er Mohel war, zur Bar mitzwe^) ein paar Gulden gegeben hat, ... wie nun mein Vater zu Reb Schlome kommt, geht Reb Leb Wodolka lachend hinaus und sagt: „Wollt Ihr ihm das Mohlschaft mechabed fein?10) — Ihr kommt zu spät!" — Könnt Ihr Euch wieder den Schrecken von meinem Vater denken!" . . . „Warum?" frug Bele, „hätt' doch Reb Schlome beide Mohlschaften haben können?" 1) Finanzbeamten. 2) Regierung. 3) Steuer. 4) Handwerker. 5) ein hoher schwur. 6) Freiheiten. 7) Großvater. 8) mit ganzer Höflichkeit. 9) Beschneidung. 10) hunderttausend. 11) Haß, Abneigung, Widerwille. 12) Operateur, Beschneider. 13) den Vorzug. 14) viel Geld. 15) zum dreizehnten Geburtstag. 16) ine Function andreren.