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Der Israelit · 1875-09-08 · Heft 36 (8.9.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 36 (8.9.1875)
Date
1875-09-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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814 schickten aber sowohl die freisinnige Minorität der eingeladenen Verwaltung als die liberalen Mitglieder der Gemeinde überhaupt Schreiben ein, in welchen die Haltung des evangelischen Kirchenraths ziemlich scharf gerügt und als nur den Absichten eines kleinen Theils sämmtlicher Protestanten entsprechend bezeichnet wurde. Zu gleicher Zeit *am es aber in der nämlichen Stadt zu weit gefährlicheren Collisionen zwischen Christen und Juden. Ein Israelit sollte nämlich einer Magd eine Ohrfeige versetzt haben. Der Bräutigam derselben begab sich nun nach dem Judenviertel und beschimpfte den angeblichen Thäter, wobei selbstverständlich dessen Glaubensbekenntniß nicht ungeschoren blieb. Es entspann sich nun eine Prügelei, welche später in eine förmliche Schlacht zwischen der Bevölkerung des Judenviertels und den zugeströmten Christen ausartete, wobei nicht blos von Steinen und Dachziegeln, sondern selbst von siedendem Wasser Gebrauch gemacht wurde. Zwar wurden die Tumultuanten schließlich von der Polizei auseinandergetrieben, leider aber lassen ähnliche Zusammenstöße gewöhnlich während längerer Zeit eine bedauerliche Gährung hinter sich. Oesterr.-Ungarische Monarchie' Wiett, 23. August. So oft die Frage des Religionsunterrichts in den Mittelschulen auch schon besprochen wurde, müssen wir dennoch wieder auf dieselbe zurückkommen. Der Vorgang, den das Unterrichtsministerium in dieser Frage beobachtet, ist ganz correct. Man kann jedoch das Gleiche nicht vom Landesschulrathe in Niederösterreich behaupten. Das in der Verordnung des Unterrichtsministers citirte Gesetz vom 20. Juni 1872 besteht nun bereits länger als drei Jahre, und doch hat der Landesschulrath bisher trotz der Mahnungen des Ministeriums und der Presse nichts gethan, um dasselbe in Wien auszuführen. Es gibt in Wien mehrere Mittelschulen, an denen mehr als 20 nichtkatholische Schüler sind, in manchen zählen die Nichtkatholiken nach Hunderten. Da gebietet es doch die Pflicht, nach dem citirten Gesetze für diese Schüler Religionslrhrer von Staatswegen zu bestellen oder, wo solche von der Gemeinde bereits bestellt sind, sie zu besolden. Bisher ist dies Alles nicht geschehen, und dieses Gesetz steht blos auf dem Papiere. Oe facto wird also insbesondere in Wien mit ungleichem Maße gemessen. Es wäre hoch an der Zeit, daß der Landesschulrath sich dazu bequemen wollte, nach dem Gesetze zu handeln und für jene Mittelschulen, die 20 nichtkatholische Schüler zählen, Religionslehrer zu bestellen. Dem Ministerium liegt es ob, darüber zu , wachen, daß das Gesetz auSgeführt werde, und zwar nicht bloß, wie im gegebenen Falle, zur Hälfte. Griechenland. % Athen. Der C 'rrespondent der „Hour" in Athen bespricht den Amtsmißbrauch und die Drohungen, deren man sich bei den jüngsten Parlamentswahlen bedient hat, und schreibt dabei Folgendes: „Man sagte zur nämlichen Zeit den Juden, welche in großer Zahl auf Corfu leben, daß der König es gerne sähe, wenn die Minister wieder gewählt würden und daß er 7 bei Nichtbefolgung dieses königl. Winkes, der Krone Griechenlands entsagen werde. Dem fügte man bei: die Soldateska würde, wenn die Juden nicht für den Marineminister votirten, jene blutigen Vorfälle von vergangenem Jahre, bei welchen einige Juden gelobtet wurden, erneuern." (Ein neues Experiment, um sich Stimmen zu erwerben und eine parlamentarische Versammlung rein zu erhalten.) (Jew. Chr.) Türkei. Aleppo. Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen von einer Verschwörung einiger Armenier, welche die Juden anklagten, ein Kind gemordet zu haben, welches sie zu diesem Zwecke beseitigt hätten. Wir erfahren jetzt von dem „Chabazeleth", daß mehrere dieser Verschwörer zu langem Kerker, verbunden mit harter Strafarbeit, verurtheilt worden sind. Es herrscht in Folge dieses eine große Aufregung unter der christl. Bevölkerung, die sich bemüht, das Urtheil umzustoßen. Letzteres ist zur nochmaligen Durchsicht an das Obertribunal gelangt. Amerika. New-Aork. Eine Klage, die bei dem Gerichtshöfe von Common Pleas anhängig war, ist jüngst durch ein Urtheil entschieden worden, welches von eminenter Tragweite ist. Die Gemeinde Bnöi-Jeschurun, eine der ältesten zu New - Jork, beobachtete seit ihrem Bestehen den Ritus der deutschen und polnischen Juden und alle ihre Hand-! langen entsprachen den Ceremonien, welche mit diesem Ritus verbunden sind. Vor einiger Zeit wurde beschlossen, einige Aenderungen anzunehmen , worunter auch die Einführung der Kirchenstühle war, wie sie in Kirchen und Capellen gebräuchlich sind. Gegen diesen Beschluß protestirte! eine Minorität von Mitgliedern der Gemeinde,! und eines derselben unternahm eine gerichtliche!

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