Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1875)
- Date
- 1875-09-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Zufall mit rauher Hand täppisch an der schmerzlichsten Stelle seiner Seele. Eine Fülle niederbeugender Gedanken durchwogte seine Seele. Er gedachte der würdigen Frau, der Mutter Susannens, die so frühzeitig dem Leben, dessen tiefste Leiden sie erfahren, entrissen worden war .... er gedachte jener Stunde im finstern Kerker zu Breslau, wo der tiefgebeugte edle Mann, den letzten Hoffnungsfaden seines Lebens zerriß .... Wo er, selbst unglücklich bis zur Verzweiflung, das tiefe Leid des schmerzgebeugten Löwenstamm's doppelt innig mitgefühlt.... dann .... sollte er Clärchen sehen, wohl täglich sehen als die Hausfrau seines besten Freundes und Verwandten .... jenes Clärchen, das ihn an den rasch entschwundenen kurzen, aber unendlich schönen, ewig unvergeßlichen, an den glücklichsten Moment seines Lebens gemahnte .... er sollte sie im stillen Frieden einer Häuslichkeit walten sehen, eine stille frohe Häuslichkeit, wie er sie an der Seite ihrer Schwester namenlos heiß ersehnt hatte .... und dies zu einer Zeit, wo diese für ihn ewig, für immer unwiederbringlich verloren war." „Armer Freund," rief Heinrich, der plötzlich den Zusammenhang zu ahnen begann. „Wie willst Du Dich einrichten," frug Alfred endlich nach langer Pause, seine Bewegung bemeisternd und langsam mit der Hand über seine Stirne streichend, als wollte er alte Erinnerungen gewaltsam zurückdämmern .... „wann willst Du heirathen? Wo soll Deine Verlobte bis zu jener Zeit wohnen?". „ES ist in den jüngsten Tagen, wie mir Clara in einem Schreiben, das ich erst heute empfing, Gott Lob und Dank, plötzlich ein glücklicher Umschwung in den Verhältnissen ihres Vaters eingetreten. Denke Dir, Alfred . . . Löwenstamm ist frei .... seine Unschuld erwiesen .... sein Name steht wieder rein und makellos da!" „Durch welches Wunder wurde er gerettet?" rief Alfred tiefbewegt. „Es war eine besondere Gnade Gottes! Vor Kurzem starb ein Arbeiter in der Fabrik des Baron Graune, der von Gewissensbissen gefoltert am Sterbebette Löwenstamms Unschuld bezeugte, und sich als den Thäter der Verbrechen angab, deren man Löwenstamm fälschlich bezichtigt hatte . . eS ist dies eine ganz merkwürdige Geschichte, ich kenne sie noch nicht näher, der Brief enthielt nur kurze Umrisse. . „Löwenstamms Unschuld anerkannt, Löwen- , stamm frei! Gott sei tausendfach gepriesen," rief Alfred, während sich seine dunkeln Angen feuchteten. „Ich kam eigentlich auch mit einer Bitte zu Dir" . . . sprach Heinrich, „aber nach dem, waS ich jetzt gehört, erscheint eS mir nicht gut angänglich, sie auszusprechen." „Womit könnte ich Dir dienen? sprich Dich nur aus." „Ich dachte — da meine beiden Onkel Wittwer sind, wäre es wohl am passendsten, wenn meine Braut vorläufig im Haufe Deiner lieben Mutter, der Tante Jeanette, wohnen würde — aber Alfred, das Opfer wäre zu groß für Dich. — Die stetige Erinnerung an Dein verlorenes Lebensglück wäre Dir zu peinlich, die Erinnerung an Susanne hat Dich in einer Weise aufgeregt, wie ich Dich, den ruhigen, ernsten, besonnenen Menschen früher noch nie gesehen . . . und doch," sprach er leise weiter, „wie soll es ferner werden? — ich will nicht durch das neugeknüpfte schöne Band den Umgang meines besten Freundes missen!" „Sei unbesorgt, Heinrich," erwiderte Alfred gepreßt, „ich kann Opfer bringen. Clara wird bei meiner Mutter wohnen können. Wann erwartest Du ihre Ankunft?" „In einigen Tagen." Es trat eine Pause ein. Alfred starrte gedankenvoll vor sich hin. „Gehen wir sogleich zu meiner Mutter und besprechen wir's dort," sprach er endlich, „und noch eins .... meine Mutter weiß nichts von meiner hoffnungslosen Liebe. Susanne ist nun das Weib eines Andern, mein lieb* Mütterchen weiß nicht, daß ich Susanne als Gattin heimführen wollte, das Wieso und Warum ein andermal . . . Außer Dir weiß eS kein Mensch auf Erden als unser guter alter Franke, und auch der erst feit kurzer Zeit." Heinrich kämpfte eine Zeit lang mit sich; ein Wort schwebte auf seinen Lippen, endlich konnte er sich nicht enthalten, zögernd zu fragen: „Du . . . Alfred, D« tratst zurück... als Löwenstamm in's Unglück kam?" „Nein," erwiderte jener kurz, „es war anders .... ein anderes Mal das Weitere .... gehen wir jetzt zur Mutter." (Fortsetzung folgt). Zwei Beilage«. Verantwortliche «edaction: Dr. Lehmann. — »erlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. SoltSleben'» Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). De: circ jene fen hier der In Jsr eini sen Res unbl Fra sind lichs ehe« das ganz Abei fall; mitt Per Ber, aus das mati man als 45 i Uebr gäste wohl jüdif müßl werd mit: Com chen beme gleit