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Der Israelit · 1875-09-08 · Heft 36 (8.9.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 36 (8.9.1875)
Date
1875-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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811 .Leise Andeutungen Alfreds fanden kein Verständniß. Merkwürdigerweise legte sie dem Umstande, daß sie und ihre Kinder - in unbegreiflicher Art um die ganze große väterliche Erbschaft verkürzt worden waren, keine Bedeutung bei. Ihre hohe Meinung von Alfreds — in der That ungewöhnlicher — Begabung, wiegte sie in der sichern Hoffnung, seine hervorragenden Fähigkeiten, seine eminenten GeschäftSkenntniffe, sein eiserner Fleiß, seine anerkannte Solidität würden ihm, -die, für einen Andern, nöthigen Capitalien vollkommen ersetzen. Bei der Erziehung feiner Geschwister mochte er nicht sparen und so erreichte das Ausgaben- Budget eine Höhe, die mit dem Fonde, der ihm zu Gebote stand, nicht im Entferntesten übereinstimmte. Alfreds Gedanken mochten auch in diesem Momente keine erfreulichen sein .... plötzlich öffnete sich die Thüre, sein Cousin Heinrich Eberstein trat ohne anzuklopfen hastig ein und stürzte in Alfreds weit geöffnete Arme. „Äh," rief dieser freudig, „endlich habe ich Dich! Schon dreimal vierundzwanziz Stunden hier und noch nicht bei mir gewesen, Heinrich, das war hart für mich!" „Und wie hatt' ich mich gesehnt nach Dir .... wie der verschmachtende Hirsch nach frischem Wasser! ich habe Dir so vieles, so wichtiges, so entscheidendes für mein Leben mitzutheilen .... Du bist ja mein bester Freund, mein treuester Rathgeber!" „Nun Heinrich, wenn Du etwas auf Deinem Herzen hast/ so wälz es gleich ab, sprich Dich aus," rief Alfred, einen Stuhl herbeirückend. „Zu den gewöhnlichen, nebensächlichen Alltagsfragen und zu deren Beantwortung haben wir Zeit bis das Wichtigste besprochen — also theile mir sogleich mit, um was es sich handelt." „Ich habe Dir's schon gesagt um das entscheidendeste Erreigniß meines Lebens" und nun erzählte Heinrich wie er unter den eigenthümlichsten Verhältnissen ein Mädchen an dem Todtenbette ihrer Mutter kennen gelernt, wie er es für seine Menschenpflicht gehalten, sich der völlig Verlassenen , Alleinstehenden als Schützer anzubieten, tvie er während einer vierzehntägigen näheren öekannifchaft mit ihr erkannte, daß das wunderbar schöne Mädchen auch unschätzbare Eigenschaften des Herzens und des Geistes besitze, wie die Liebe jir ihm mit unbezwinglicher Macht, in ihm erstanden, wie seine beseligenden Gefühle von dem Rädchen erwidert worden, wie er fest entschlossen ei, nur diese oder keine zu seiner Lebensgefährtin iu wählen .... wie er die Hand eines reichen Mädchens Helene de Quart-Nauheim auLgeschlagen, wie eS ihm nur mit großer Mühe gelungen, die Abneigung seines Onkels Carl gegen das Mädchen zu besiegen und wie dagegen Onkel Robert gar keinen Einwurf erhoben. Alfred war der gedrängten, nur in flüchtigen Umriffen hingeworfener Auseinandersetzung Heinrichs mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt. „Das Mädchen ist, wie ich nach Deiner Erzählung annehmen muß, wohl ganz mittellos, vielleicht von unbedeutender Familie und," fügte er mit leichtem Lächeln hinzu, „da wird es mir bei Onkel Carl's Principien unschwer dessen Widerstand zu begreifen .... es ist das feine Schwäche, er liebt den Glanz, den Reichthum .... aber Du hast recht .... lasse Dich von ihm nicht beeinflussen .... auch ich hatte ein Mädchen gewählt, das ganz mittellos war .... ein Mädchen auf dessen Vater sogar ein schwerer, ein vielleicht unauslöschlicher Makel haftete; und ich hätte sie doch, wenn mich Gott dieses Glückes hätte theilhaftig werden lassen, — als meine Hausfrau heimgeführt." „Wie?- rief Heinrich erregt, „sonderbare Fügung, auch der Vater meiner Braut litt unter dem furchtbaren Drucke unverschuldeten Unglückes, einer falschen Anklage . . Eine dunkle Vorahnung stieg in Alfred auf, eine tiefe Rothe überzog sein Anlitz. „Wie heißt er?" frug er. „Der Vater meiner Braut heißt Hermann Löwenstamm..." Alfred wurde wieder leichenblaß .... all sein Blut schien in sein Herz zurückzufließen, er begann zu zittern und seine Stimme bebte als er in heftiger Aufregung frug: „Und Deine Braut .... wie heißt sie? wie heißt sie?" Heinrich blickte überrascht in Alfreds wunderbar erregtes Gesicht. „Das Mädchen heißt Clara." „Ach Gott tausendfacher Dank," rief Alfred, „und wo ist Susanne, Susanne ihre ältere Schwester?" „Ah! Du kennst die Familie von Breslau aus .... allmächtiger Gott! wenn ich Deine Andeutungen richtig fasse, liebtest Du Susanne?! Clarn erzählte mir von ihr .... von einem jungen vorzüglichen Manne, der sich mit ihr verlobt hatte." „Wo ist Susanne jetzt?" frug Alfred. . „Sie hatte einen Schauspieler Beer gehe!« rathet und ist verschollen . . . ." Alfred erhob sich und durchschritt mit fieberhafter Bewegung das Zimmer. Die Wunde seines Herzens war unvernardt und wieder tastete der

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