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Der Israelit · 1875-09-08 · Heft 36 (8.9.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 36 (8.9.1875)
Date
1875-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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810 Courite trat für Herrn EgerSdorfer ein^ Der CleruS beutete diesen Umstand auf jede mögliche Weise aus. Ein Pfarrer erklärte z. B-, er sei „eher bereit, den Juden-Candidaten mit seinem Kreuze zu erschlagen, als zu dulden, daß die seiner geistlichen Obhut anvertraute Heerde einen Juden wählen würde." Derselbe Diener des Herrn wallsahrtete auch, mit dem Kreuze in der Hand, von Dorf zu Dorf und ließ alle Bauern schwören, daß sie nicht für den Juden-Candidaten stimmen werden. Ein Dorfnotär ließ sich zur Aeußerung hinreißen, „ein Jude verdiene eher den Galgen als das Deputirten-Mandat" rc. Es darf nicht wundern, daß derlei bei uns ungestraft geschehen kann. Der Pfarrer und der Dorfnotär schreien nur xar oräre und folgen dem herzerhebenden Beispiele „von Oben." Was soll man von Leuten, die notorisch auf einer sehr niedrigen Bildungsstufe stehen, erwarten, wenn der Wahlpräses, Feldmarschall-Lieutenant Jellacie, Bruder des verstorbenen Banns Jellacic, vom Amte resignirt, um nicht in die Notwendigkeit versetzt zn werden — man höre und staune — das Wahlprotokoll eines Juden unterfertigen zu müssen! Daß dieser Jude für das Aufblühen der Hauptstadt Croatiens mehr gethan, als der gräfliche Wahlpräses, daß' er erst jüngst bei der Verhandlung der Wasserleitungs- Frage im Gemeinderathe die Steuerträger vor einer vollständig unnützen Mehrausgabe von 350.000 fl. bewahrt, daß er der Stadt die Pläne zur Wasserleitung zum Geschenke gemacht und dergleichen mehr, das kümmert den gräflichen Wahlpräses ebenso wenig wie den Pfarrer und den Dorfnotär. Das traurigste an der Sache ist, daß durch die Niederlage Priester's auch das Land zu Schaden kommt, indem es ein offenes Geheimniß war, daß Herr Priester, um den Bau einer Landes - Irrenanstalt zu ermöglichen, für den Fall seiner Wahl einen ihm gehörigen, nächst der Stadt aelegenen großen Grund dem Lande zum Geschenke machen werde. Jedenfalls wäre es nicht nur für Herrn Priester, sondern auch für die kroatische Judenschaft eine Genugthuung, wenn die obenerwähnten Vorgänge unsere Landesregierung veranlaßten, eine strenge Untersuchung anzuordnen. Halle), 25. Aug. Das Gerücht, die Bauern gedächten den Juden etwas zu Leide zu thun, war gänzlich unbegründet; Ruhe und Ordnung wurden während der ganzen Zeit aufrechterhalten. Das requirirte Militär und die Gensdarmerie verstanden eS, unter der taktvollen Leitung der Regierungs-Commiffäre Hellmann und Jagoszewski, allen etwaigen Störungen vorzubeugen. ' Palästina. Jerusalem. Vor drei Jahren gab eine aus Alexandrien gebürtige jüdische Frau ihre drei Töchter in die Töchterschule der Missionäre. Vor einigen Wochen wollte sie ihre Kinder aus diesem Institut nehmen; aber die Mädchen, die 14, 12 und 11 Jahre alt sind, weigerten sich, auf Anstiften der Lehrer, mit ihrer Mutter zu gehen. Das jüngste Mädchen wurde wohl entlassen und bei dieser Gelegenheit entfloh auch ein anderes 15 Jahre altes jüdisches Mädchen aus dem Institut, .ils die Mutter geltend machte, daß ihre Töchter noch nicht in dem Alter wären, wo sie über ihre Religion bestimmen könnten und sie daher auf die Entlassung derselben dringen müsse, wurde sie hinausgeworfen und mißhandelt, und befindet sich dieselbe noch heute in Folge dieses im Rothschild'schen Hospitale. Das jüngste sowie das bei dieser Gelegenheit entflohene Mädchen befinden sich im Hause des Rothschild'- schen Hospitalarztes vr. Schwarz. Die Thatsachen wurden an die „All. Jsr." berichtet, von der zu erhoffen ist. daß ihre Schritte zur Herausgabe der gewaltsam zurückbehallenen Mädchen mit Erfolg gekrönt sein werden. (Habazeleth.) F e n i I l e t o n. Haus Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) Fünftes Kapitel. Alfred Cohen saß in seinem Kabinete. Den Kopf in die Hand gestützt, schien er in tiefes Nachdenken versunken. — Das Glück hatte dem ernsten jungen Manne bisher noch nicht gelächelt. Dem tiefen Schmerze seines Herzens hatten sich die ermüdenden aufreibenden Sorgen eines freudelosen, dornenvollen Lebens beigesellt. Er hatte die schwierige Aufgabe, eine zahlreiche Familie unter den ungünstigsten Verhältnissen anständig zu erhalten. Seine erblindete Mutter, die er mit unbegrenzter Hingebung verehrte, kümmerte sich nicht um die Erträgnisse seines Geschäftes, nicht um die relativ kleinen Betriebsmittel, die ihm zu Gebote standen. Sie war Die Tochter eines mehrfachen Millionärs und — unbekannt mit der Gefährlichkeit eines mit geringen Capitalien fundirten Geschäftes fiel es ihr nicht ein, ihre persönliche Bedürfnisse, die an und für sich durch ihre Blindheit gesteigert wurden, irgend wie zu limitiren

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