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Der Israelit · 1875-09-08 · Heft 36 (8.9.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 36 (8.9.1875)
Date
1875-09-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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809 Bornahme einer religiösen Handlung gezwungen werden darf, und im Hinblick auf die daherigen Entscheide des BundeSratheS, betreffend Eidesverweigerung in Civilftreitigkeiten, hat der Große Rath des CantonS Aargau folgende zwei Beschlüsse gefaßt: § 1. Für diejenigen, welche auS religiösen Gründen oder wegen Glaubensansichten einen in der Civilproceßordnung vorgesehenen Eid nicht leisten wollen, tritt das Handgelübde an die Stelle des Eides mit allen rechtlichen Folgen des letztcrn. § 2. Die Formel, mit welcher derjenige, welcher eine gerichtliche Aussage oder behauptete Thatsache mit seinem Handgelübde bekräftig, lautet: „Dies versichere ich auf Ehre und Bürgerpflicht in die Hand des Präsidenten." Hoffentlich werden diese Beschlüsse auch uns Juden zu Gute kommen. Denn in einigen Cantons ist der sogenannte Judeneid bis auf den heutigen Tag noch gang und gäbe. Bor Kurzem erst ist Schreiber dieser Zeilen nach Neiden (Canton Luzern) berufen worden, daselbst einem Juden einen Eid abzunehmen, und das Reidner Gericht nahm es so streng und genau, daß ich ihm vor Abnahme des Eides weine Anstellung als Rabbiner bescheinigt von der hiesigen Staatskanzlei vorlegen mußte. Dr. A. D. Goldstein, Rabbiner. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Pretzburg, 16. August. „Altes aus Preßburg," unter dieser Überschrift brachte in letzterer Zeit der „Westung. Grenzbote" eine Reihe feuil-- letonistischer Artikel, in denen er der Lesewelt ein nicht uninteressantes Bild von der Vergangenheit unserer Stadt entrollt, und es wissen ihm Viele Dank dafür, daß er so manches bisher unter dem Staube der Archive verborgen Gelegenes ans Licht zog, wodurch es dem Sohne der Stadt leicht geworden ist, das für ihn Wiffenswerthe jener alten Zustande übersehen zu können. — Diese Aufzeichnungen des „ Grenzboten" sollen wohl rein historischer Natur sein; sie sind eS aber nicht, weil sie an mancher Stelle eigenthümliche Färbung tragen; das eine Mal ist es der Zelotismus dieser oder jener Glaubensbekenner, der von der Feder des „Grenzboten" blutige Stiche erleidet, ein anderes Mal wieder bildet der „Jude" den Angelpunkt, um den er sich im Kreise dreht, Samen des Hasses gegen dieselben ins Herz der Menge streuend. — So findet es in Nr. 960 seines Blattes der „Grenzbote" nicht uninteressant, bevor er von Preßburg scheidet, die Worte Bol's, die er in seiner „Äsotitia Huogariae“ über die Judenschaft Preßburg« schreibt, anzuführen. Dort heißt eS nämlich: „Die Juden, das der Stadt verderbliche Volk, das seit wenig Jahren in Ungarn und besonders im Comitate Preßburg so sehr anwuchS und so aufgeblasen und stolz wurde, daß sie vor keiner Insulte gegen die Christen sich scheuen." — Wahrlich, so sehr wir uns auch bemühen, vermögen wir in diesen Worten nichts zu finden, daS so sehr interessiren sollte, wissen wir es doch, daß in dem letzten Jahrhundert die Unduldsamkeit gegen die Juden große Dimensionen angenommen hatte. Sehen wir der Sache auf den Grund, so müssen wir zu dem Schluffe gelangen, daß dieses Citat keinesfalls die Parodie jener von den „Beffergefinnten" und „Liberalen" (zu deren Hauptvertretern der „Grenzbote" zählt) verpönten Denkungsart bezweckt, sondern vielmehr geradezu eine „Insulte" gegen — die Juden involvirt. — Dies zu beweisen fällt uns gar nicht schwer; wir brauchen zu dem Ende nur zu bemerken, daß die vom „Grenzboten" nach dieser Richtung hin des Oeftern kundgegebene Anschauungen dem obigen Ausspruche Bdl's ganz parallel laufen; er wird doch also nicht eine von ihm hochgehaltene Anschauung im Munde eines Andern mißachten.-Wenn er ferner das längst abgedroschene Capitel vom Wucher, Handel und Mauthen recitirt, so beweist dies noch immer nichts Anderes, als, daß die Juden gehaßt wurden und werden, „nicht weil sie eS verdienen, sondern weil sie durch Arbeit — verdienen." Und das Alles erzählt Freund „Grenzbote " mit sichtlichem Wohlbehagen; er findet, trotzdem er das Motto: „Freiheit und Fortschritt" an seiner Stirne trägt, nichts mehr darüber zu bemerken, als daß diese Klagen deS beschränkten Pfalzbürgerthums eben nicht neuesten Datums sind. Sollte er wohl seiner eigenen aus der jüngsten Vergangenheit herrührenden Klagen gar nicht mehr eingedenk sein? Wir muffen also nochmals fragen: Was ist an dem von Anno 1735 datirenden Ausspruche Interessantes? Ist es nicht viel wunderlicher, wenn im Jahre 1875 der Samen des Judenhasses unter die Bevölkerung gestreut wird, von einem Organe das „Gleiches Recht für Alle, Freiheit und Fortschritt" zur Devise hat? Aber wir wollen mit dem „Grenzboten" nicht rechten, unser Mitleid nur bezeugen wir der Krankheit seines Herzens! dixi. M. S.l. Agram, 18. August. Im Stubicaer Bezirke standen sich bei der letzten Wahl für den Landtag zwei Candidaten der Nationalpartei, Emanuel Priester und Egersdorfer, gegenüber. Da Priester ein Jude ist, leitete der nur zu mächtige Clerus eine starke Agitation ein. Das WahlleiiungS-

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