Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1875)
- Date
- 1875-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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806 rmngen aufgeklart worden sind, soll nicht bestritten werden. Auch heute noch gibt es thörichte Menschen, die sich vor Sonnenfinsternissen und dergleichen fürchten. Wir wissen genau, woher„'diese Naturerscheinungen entstehen und fürchten* un8 nicht davor; aber schon vor vielen Jahrtausenden hat uns unser Gott befohlen, die Naturerscheinungen« nicht zu fürchten. Was die Wissenschaft in dieser^ Beziehung Neues entdeckt hat, ist gering und unbedeutend; die letzten Ursachen des Weltalls und seines Zusammenhanges, der Weltleitung und Weltlenkung kann man auf wissenschaftlichem Wege heute so wenig erkennen wie vor Jahrtausenden. Da ist unsere Erde, die ihre Bahn durchläuft im weiten Weltenraume ohne Haltpunkt, ohne Stütze .-rv-^2 by px n^inn; sie läuft mit unbegreiflicher Schnelle und dreht sich stets dabei um ihre eigene Axe, wendet die Seite, die wir bewohnen, bei Tag der Sonne zu und bei Nacht die entgegengesetzte Seite; durch ihren Lauf um die Sonne bringt sie uns in regelmäßiger Weise den Wechsel der Jahreszeiten. Sie vollendet ihre Bahn mit peinlicher Genauigkeit in 365 Tagen 5 Stunden 48 Minuten und 48 Secunden, niemals gebraucht sie eine Secunde mehr oder weniger. Wie viel Verspätung würden unsere Courier-Eisenbahn-Züge bei einer so langen Tour haben! Wer hält die Erde im Raume, wer läßt sie laufen, wer regelt ihre Reife, wer dreht sie um ihre Axe? Es gibt Hypothesen zur Erklärung dieser Erscheinungen in Menge, eine thörichter als die andere. Zuletzt sagen dann die „weisen" Thoren: das ist die Natur! Wie wenn damit etwas erklärt wäre! Die annehmbarste Hypothese ist noch folgende: bekanntlich ziehen sich die verschiedenen Körper einander an und stoßen sich demzufolge — bei entgegengesetzten Einflüssen — von einander ab. Durch dieses Naturgesetz halten sich die verschiedenen Weltenkörper im Wellenraume gegenseitig und bedingen einander Lauf und Bewegung. Angenommen, dem sei so; wer aber hat denn diese wunderbare Einrichtung und Gestaltung getroffen? Wer hat die Größe und Schwere all der großen Weltenkörper in einer Weise gehäuft und sie so gestellt, daß Eins für das Andere trage, halte und mit sich fortziehe? Kann das Alles der blinde Zufall gewirkt haben? Widerspricht nicht schon der Name Natur-G e s e tz der Annahme eines blinden Zufalls? Wer hat diese Gesetze gegeben, wer wacht über die Befolgung derselben? Wer hat mit der größten Regelmäßigkeit Thiere und Pflanzen gebaut? Jeder Stein an unserm Wege, jedes Blatt an einem Baume, jeder Wassertropfen predigt uns die Lehre von dem Dasein, der Gröhe, der Allgewalt, der Weisheit unseres Schöpfers. Die Naturwissenschaften sind sehr wichtig, sehr nothwendig; wir verdanken ihnen viel und müssen ihre Fortschritte und Ergebnisse freudig anerkennen; aber über die wichtigsten Fragen unsres Seins und Lebens, über die Entstehung und über das Bestehen unserer Welt vermögen sie uns nicht Aufschluß zu geben. Es sind vielmehr die alten Chamitifchen Anschauungen von der zeugenden, gebührenden, schaffenden , leidenden, sterbenden und wiedererstehenden Natur, die in moderner Form die Gegenwart wieder bethören. Diesen entgegenzutreten und sie zu bekämpfen, ist heute die Hauptaufgabe des Judenthums wie sie es schon vor Jahrtausenden war. Auch heute feiert der Chamismus seine Orgien wie vor Jahrtausenden; die Lehre von der weltbefreienden und welterlösenden Wissenschaft befreit und erlöst eben die Welt von Sitte und Gesetz, von der Tugend und allem edlen Wollen. Wenn nur die Materie ist, dann gibt es nur Vorschriften der Nützlichkeit, des gegenseitigen Uebereinkommens; da ist der Mensch, der auf die Freuden und Genüsse dieser Welt freiwillig verzichtet, ein Thor; da hat der Besitzlose das Recht, ja die Pflicht, sich, wenn er kann, mit Gewalt das Eigeuthum der Besitzenden zu erobern; da ist der Krieg Aller gegen Alle proclamirt, da gibt es weder Recht noch Gesetz. Da herrscht einzig die Materie, der Stoff, die Maffe. Diese Erscheinungen sind nicht neu — sie sind vielmehr uralt. Sie werden sich geltend zu machen suchen, und sind überwunden, sobald sie gesiegt haben; denn sie tragen ihre Nichtigkeit, ihre Unmöglichkeit in sich. Daß jedoch auch Juden von, diesen Ideen bethört werden, das ist traurig, >yv -von 'vp das Volk unseres Gottes vertauscht seine Herrlichkeit mit Unnützem! Doch wir brauchen nicht zu trauern um die Verlorenen. Der Treu - und Festhaltenden sind noch .->"2 genug; sie sind dazu bestimmt, der Zeit ihre echten und rechten Ziele zu bewahren. (Fortsetzung folgt.) Es wird der musikalischen und jüdischen Welt von großem Interesse sein, zu erfahren, daß der rühmlichst bekannte Componist und Obercantor, Herr S. Naumburg in Paris, den ich bei meiner jüngsten Anwesenheit in dieser Stadt besucht habe, mit der Ausarbeitung eines Werkes beschäftigt ist, welches bei seiner Veröffentlichung großes Aufsehen erregen wird. In seinem in Paris 1874 erschienenen Werke,