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Der Israelit · 1875-09-01 · Heft 35 (1.9.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 35 (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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787 sahen sie seit jenem Tage nicht wieder. — DaS Zimmer, in das sie sich eingeschlossen, hatte noch einen zweiten AuSgang; ich vermuthe, daß sie dasselbe sogleich verlassen hatte." „Habt Ihr seit jener Zeit nichts von Eleonoren gehört?" „Den nächsten Tag erhielt Franke einen Stadtbrief von ihr. Sie schrieb: Die furchtbare Verdächtigung, die sie von den Menschen erfahren, die ihr die liebsten und theuersten gewesen — in unseliger Verblendung nahm sie an, ihr Onkel Franke und unser Vater hätten von unserm Besuche bei ihr gewußt und unsere Absicht gebilligt — mache es ihr unmöglich, von Allen verlassen, in Prag zu bleiben .... sie sei unschuldig und ergreife im Vertrauen zu Gott, den Stab zu weiter zielloser Wanderung." Es herrschte wieder eine sehr tiefe Pause. Robert drückte beide Hände vor sein Gesicht. „Habt Ihr je Licht in dieser Angelegenheit erhalten? Ließ sich Eleonorens Anwesenheit auf dem Balle durch 'irgend einen Grund erklären, entschuldigen? .... oder war es denn doch ein Irrthum?" frug Heinrich, „Die Wittwe, hei der sie wohnte, behauptete allerdings, Lorchen wäre zu gewohnter Zeit in ihr Schlafzimmer gegangen, und es sei ganz unmöglich , daß sie sich mitten in der Nacht unbemerkt fortgeschlichen; aber Josef hatte sie gesehen! seine reine, feine reizbare Natur war zu tief verletzt, sein Vertrauen war vollständig untergraben . . . . und auch Zöllner behauptete, Eleonore schon mehrmals aus diesen Bällen gesehen zu haben. Unser Vater, dem Lorchens Verschwinden kein Geheimniß bleiben konnte, sprach sich gar nicht aus. Alle Nachforschungen Frankes blieben erfolglos. — Ein Auswandererschiff war einige Wochen später, auf seiner Fahrt nach Amerika mit allen Passagieren untergegangen. Es lag die Verwuthung nahe, daß Lorchen sich auf demselben befunden. Franke konnte den Verlust seiner Schwestertochter nie verschmerzen. — Dein Vater entschloß sich nun Deiner würdigen Mutter die Hand zu reichen. Er erfüllte den Wunsch unseres Vaters, und jene Verbindung verlieh unserem Hause neuen Glanz, neue Kraft, auch ich hatte kurz darauf geheiratet . . . ." „Es waren schon drei Jahre vergangen als sich plötzlich das verhängnißvolle Räthsel löste. Eines Tages erschien auf unserem Comptoir ein junger Engländer William Loftus, der uns von unserem englischen Hause wärmstens empfohlen! war. Mr. Loftus, der fließend Deutsch sprach,! reiste — dem Namen nach zu seiner Ausbildung, in i der That zu seiner Unterhaltung. Wir luden ihn > zu Tische, wir stellten ihm unsere Loge, unsere Equipage zur Verfügung, wir machten Ausflüge in der Umgebung; aber Mr. Loftus war in seiner Vergnügungssucht unersättlich. Womit sollte man einen langen Sommermonat — so lange wollte LoftnS hier bleiben — ausfüllen? Die Bildergallerie, das Museum, die Burg, der Lorettoschatz, waren schon besichtigt .... wir mußten nun zu Unterhaltungen zweiten Ranges herabsteigen. Eines Tages kündigte ein größer Anschlagszettel eine Vorstellung der bekannten Coupletsängerin Laura Fichtner im Convictsaale an. Das war damals etwas Originelles, Neues; das mußte wohl Mr. LoftuS hören, ^ner von uns Beiden, Dein Vater oder ich sollten Loftus zu dem Vortrage der Liedersängerin begleiten, wir hatten Beide keine Lust, endlich, wie dies in ähnlichen Fällen oft zu geschehen pflegte, entschlossen wir uns Beide gemeinschaftlich mit Loftus den Convictsaal zu besuchen. Wir setzten uns an einen Tisch nahe an der Tribüne, auf welcher sich die Sängerin produciren sollte, vor uns einige Flaschen Sodawasser, jeder eine feine Cigarre dampfend, wir Beide Josef und ich, ohne jedes Interesse den Vortrag der Fichtner erwartend. Diese trat von dem rauschenden Beifall des Publikums begrüßt auf die Tribüne. Josef und ich wir blickten mechanisch auf, und in demselben Momente entfuhr uns Beiden der Ausruf: Lorchen Vorberg! Ich konnte nicht erwarten bis sie ihr Lied geendet — dann drängte ich mich in das Nebenzimmer, um die Sängerin zu sprechen, ich fand sie von einem Kreise von Officieren umgeben." „Ich muß Sie allein sprechen; rief ich mit Außerachtlassung aller üblichen Sitte. Die Officiere lachten." „No 's wird wohl nit gar so eilig san, daß i die Herren bitte muß sich weg zu dirigiren? rief die Dame mit einem unverkennbaren Wiener Accente .... das war Eleonore nicht, das konnte sie nicht sein. Verzeihung, stammelte ich, Sie besitzen eine merkwürdige Äehnlichkeit mit einer Verwandten meines bester Freundes, eine Äehnlichkeit, wie sie wohl nicht ein zweites Mal in der Welt vorkommt." „No schauns, Herr Oberlieutenant, Sie sogen grod jetzt, i bin d Allerschenst' auf d ganzen Welt . . . . no sehn's .... jetzt gibts halt doch no ane di groad so ausschaut wie i!" „Ich entfernte mich rasch. Am andern Tage besuchte Franke in meiner Begleitung die leichtfertige Sängerin in dem Gasthofe. Wir erfuhren, was wir seit gestern befürchtet hatten. Dieses Mädchen war vor drei Jahren auf dem Balle im Convictsaale gewesen. Sie hatte Zöllner gekannt

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