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Der Israelit · 1875-08-25 · Heft 34 (25.8.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 34 (25.8.1875)
Date
1875-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Erste Beilage zn tlr. 34 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München. Der hiesigen jüdischen Gemeinde sind in letzter Zeit einige namhafte Legate zugefallen: von den Beiden I. und B- Lüppschütz ein Legat von nahezu einer halben Million Mark zur Errichtung einer israel. Alterversorgungs-Anstalt und von der jüngst verstorbenen Frau Guthilde von Kirsch neben' anderen kleineren Schenkungen ein Legat von 30.000 Mark zur Unterstützung jüdischer Studirende an der hiesigen Universität. (Jsr. Wchschr.) Berlin. Dem „Hamburger Fremdenblatt" wird von hier geschrieben: Wir lesen und hören so viel von Priestern, die das Välk und seinen Glauben ausbeuten, und mit Recht verdammt man das egoistische Treiben jener Geistlichen der einen oder der andern Confession, welches auf Bereicherung des eigenen Standes und auf das Wohlleben auf Kosten der Menge hinausläuft. Da wohnt nun in der Gipsstraße in Berlin ein Geistlicher, der nicht nur sein Amt als Prieuer und Prediger ohne jeden Gehalt, ohne jedes wie immer geartete Entgelt verwaltet, sondern noch den Armen und Bedürftigen seiner Gemeinde alljährlich viele hundert Thaler aus Eigenem spendet. Er hat ein Geiftlichen-Seminar gegründet und sich an die Spitze der Subspvi'ption mit 4000, sage vier Tausend Thalern gestellt. Doch nicht genug damit, fungirt er auch ars Director und Professor des Seminars, in welchem neben der Theologie auch der Wissenschaft und Kunst in liberalstem Maße Rechnung getragen wird, ohne Gehalt und Collegiengeld und spendet auch zu den Stipendien der Hörer reichlich bei. Dieser Mann ist sicherlich ein Unicum in der geistlichen Welt. Die Thatsachen, die wir hier angeführt, sind als wahr und ofsiciell in dem Rechenschaftsbericht des Seminars bestätigt, und sie lassen den berechtigten Schluß zu, daß wohl kein zweiter Geistlicher wie dieser in der Priesterwelt existirt. Wie seine selbstlose Thätigkeit, so gehen auch seine Lehren und begeisternden Predigten aus keinem andern Motiv tnrvor, als dem der Ueberzeugung, Humanität und Güte. Wirtheilen die Anschauungen dieses Mannes nicht, aber wir hatten Gelegenheit eine seiner berühmten Reden zu hören und fanden, daß in dem modernen Priester-Babel aller Confessionen dieser Mann als ein Apostel reiner Ueberzeugung hervorragt und daß das Feuer seiner Worte wie der Feuereifer seiner Thätigkeit aus lauterer Herzenstiefe entspringen. Verfängt es da etwas, daß dieser Priester die Orthodoxie des Glaubens mit den Anforderungen der Zeit zu verknüpfen versucht und daß er, der große Gelehrte und Redner, darum aus beiden Lagern angefeindet wird? Verfängt es da etwas, wenn ich aus den Erinnerungen meiner Reise, diese seltene Culturerscheinung eines Priesters und Predigers, eines Directvrs und Professors ohne Gehalt, in einem Blatte registrire, das, der fortschrittlichen Richtung huldigend, keiner Confession dient, wenn dieser Priester auch — ein Jude ist. Und er nennt sich Dr. I. Hildesheimer, ist Rabbiner und Prediger einer jüdischen Gemeinde in Berlin, ohne Entgelt, ebenso gratis Rector und Professor des von ihm gegründeten, aus Eigenem reich fundirten Seminars in der Gipsstraße. Sicherlich ein Cultur-Phänomen in der Periode des „Culturkampfes". Dr. Arnold Weisse. Feuilleton. Milder aus dm alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Berf. des „Gabriel". (Fortsetzung.) Die Nachbarn. Erstes Kapitel. Es ist ein schwüler Samstagnachmittag. Die jüdische Rathhausuhr hat soeben zwei geschlagen. Die Sonne sendet aus einem blauen wolkenlosen Himmel ihre heißesten Strahlen versengend zur Erde. In der Prager Judenftadt herrscht eine wahre sabbatliche Ruhe, eine nur selten von einem Laute unterbrochene Stille. Daß die Kramstellen und Läden geschlossen sind, das versteht sich wohl von selbst; die Bewohner sind ausschließlich Juden und die einzigen zwei christlichen Höcklerinnen in der Judenftadt, die werden doch nicht so dumm

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