Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1875)
- Date
- 1875-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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763 süchtiger Gatte werde zärtliche Milde und wirksa- / rasch, „frugst Du Eleonore nicht, wie sie hiermen Ernst verbinden . . . und Sie werden sich überherkam?" zeugen, ich, der leichtsinnige, nichtsnutzige Zöllner j .Nein," antwortete Robert dumpf .... „und werde mit der eben so leichtsinnigen, nichtsnutzigen »daß ich es nicht gethan .... lastet noch Eleonore Borberg glücklich werden, aber das kann j heute drückend auf meiner Seele .... vor dem ich nur von mir, nicht von Ihnen sagen, Herr von > menschlichen Richter bin ich schuldlos .... der Eberstein: 81 duo faciunt idem, non est idem!" j Schein war entschieden gegen Lärchen Vorberg „Das, was Zöllner sprach, klang wahrscheinaber war es nicht wie Du eben richtig belich, von seinem verwerflichen Standpunkt aus so-! merktest, meine Pflicht in den Saal zu eilen — gar recht vernünftig. Josef starrte ihn noch im- Eleonore zu sprechen? .... ich that es mer mit sprachlosem Entsetzen an .... ich aber nicht!" sprach: Morgen eilf Uhr, Nachts, wird uns an Es trat wieder eine Pause ein. der Straßenecke ein Fiaker erwarten, wir fahren „Und wollt Ihr es wissen, warum ich's nicht mit Ihnen in den Convictsaal . . . ." gethan?" fuhr Robert erregt fort „ich will es Euch Ich zog den fast besinnungslosen Josef mit gestehen, so schwer mir dies auch fällt.... ich mir fort. ' ■ wollte mir einreden . . . . mit aller Macht in „Wie war's?" frug Heinrich gespannt, die! spitzfindigster Weise einreden ... . es sei ein Pause unterbrechend, die eingetreten war, „fuhrt! Glück, wenn die Verbindung Josefs mit Lorchen Ihr auf den Ball?" j nicht zu Stande käme .... es sei ein Glück, Robert antwortete zuerst nicht, dann zog er daß er noch rechtzeitig gewarnt worden sei ... . am Glockenzuge, und ließ sich von dem Bedienten > das Mädchen da unten, das doch ganz unserem ein Glas Wasser bringen.! Lorchen glich, müsse doch auch Lorchen sein! — Die Erzählung schien ihn sehr anzustrengen.! es könne nicht zwei Menschen auf Erden geben, er war bleich und dicke Schweißtropfen perlten auf! die sich so ähnlich sehen könnten.Die Besemer Stirne.; denken, die in mir auftauchten: daß die Entfer- „Jch und mehr noch Josef, wir Beide ver-! nung, das Lampenlicht, die berechtigte Erregung; lebten den Tag in der furchtbarsten Spannung .....! uns täuschen könne .... daß wenn ich vielleicht wir waren entsetzlich zerstreut und nicht im Stande! das Mädchen dort von Aug' zu Aug' sehen, von irgend ein Geschäft ruhig auszuführen, uns irgend-! Mund zu Mund mit ihr sprechen würde, — das wie ernstlich zu beschäftigen. — Nachts, eilf Uhr,! Wahre, Richtige erkennen würde — versanken im fuhren wir mit Zöllner in einem Miethwagen — j Halbdunkel eines egoistischen Gefühles, das meinen unsere Equipage wollten wir hierzu nicht benützen j Geist machtvoll gefangen hielt .... ich befand — in den Convictsaal. — Zöllner, ein gewohnter! mich in einem Zustande unglaublicher Betäubung Gast in diesen Räumen, führte uns über eine kleine!.mein richtiges Urtheil lag in den Banden Stiege auf eine Gallerie, von wo aus wir —! meiner Selbstsucht .... mir that es schmerzlich, selbst unbemerkt — den ganzen Saal genau überj wohl glauben zu können, glauben zu dürfen, daß sehen konnten. i jenes Mädchen dort: Lorchen Vorberg sei ... . Ich unterlasse es, die eigenthümliche Gesell-! und weil ich's glauben wollte — glaubte ich's auch schaft, die wir hier vorfanden, zu schildern. Die! . . . . und wißt Ihr warum ich mein Gewissen Bälle, die in diesem Saale abgehalten wurden,! erschlaffen ließ .... Ihr sollt es erfahren und standen im übelsten Rufe und was wir sahen, war j dieses beschämende, niederbeugende Bekenntniß soll nicht geeignet, die schlechte Meinung zu widerlegen. § meine Sühne sein, ich habe es nur vor einem ein- Wir saßen in der größten Spannung etwa eine j zigen Menschen, — vor Franke ausgesprochen .... halbe Stunde in einer dunkeln Ecke der Gallerie j jetzt, wo mein Haupt grau geworden .... will und glaubten schon, Zöllner hätte Eleonore verich's auch Euch gestehen .... ich.ich leumdet, als sich plötzlich eine Seitenthüre des .... hatte nur früher selbst unbewußt Lorchen Saales öffnete und ein ziemlich bejahrter, sogar | mit heißer Leidenschaft geliebt .... wie es oft nachlässig gekleideter Mann eintrat, an dessen > nur eines leichten Windstoßes bedarf, um den Armen zwei Mädchen hingen. Das volle Licht! glimmenden Funken zur gewaltigen Flamme emeines Kronleuchters fiel auf die eine .... es war > porzulodern.hatte der Gedanke .... daß Leonore .... es war ihr Gesicht, ihre Größe, j Lorchen das Weib eines Andern werden solle, ihr Wuchs, ihre Kleidung, ja sogar ihre Frisur! meinen gestaltlosen Gefühlen plötzlich Form und . . . mein Bruder Josef stürzte mit einem lauten? Richtung verliehen.wenn Lorchen verloren Ausruf ohnmächtig in meine Arme und . . . j war.sollte sie es für uns Beide sein .... „Eiltest Du nicht in den Saal" frug Heinrich! das war der Gekcmke, der wortlos, verhüllt in