Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1875)
- Date
- 1875-08-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447627--11702-2467497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
762 getrieben zu haben. Noch ist es Zeit, Einhalt zu thun auf der abschüssigen Bahn, der unsere Gemeinde entgegeneilt. Noch kann das Unrecht wieder gut gemacht werden, wenn nicht eine unsinnige Reformsucht jede Regung des Menschlichkeits- und Gerechtigkeitsgefühls ersticken lassen will. So sehr schmerzlich alle diese Vorgänge sind, so ist es in der gegenwärtigen Zeit, wo man so oft schimpflichen Schächer mit religiösen Principien treiben sieht, und Prediger und Rabbiner jedweder Reform in Synagoge und Haus durch beredtes Schweigen begegnen, um nur die fette Pfründe zu retten, ein wohlthuendes Gefühl, in Herrn Dr. Auerbach einen Mann zu sehen, der pflichtgetreu seine religiösen Principien nicht um des schnöden Mammons willen verleugnet. (Jüd. Pr.) (Nachbemerkung der Red.: Wie die geehrten Leser aus dem Jnseraten-Theile ersehen, hat Herr Rabbiner Dr. Auerbach seine Stellung destnitiv aufgegeben. Sehr bald wird ein Zögling des Breslauer Seminars den vacanten Rabbinersitz zu Nordhausen einnehmen. Oe st e r r. - U n g a r. Monarchie. Franzensbad, 12. August. Heute um 2 Uhr wurde der neue, geschmackvoll aufgeführte jüdische Tempel hier in festlicher Weise eingeweiht. Die Gemeindevertretungen von Karlsbad, Pilsen, Egern, s. w. betheiligten sich an der Feier, ebenso zahlreiche Curgäste jüdischer und christlicher Cofession. Asien. Smyrna. Mitte des vergangenen Monats ist in Mylassa, unweit von Smyrna, ein griechischer Knabe verschwunden, und gerade an dem Tage, an dem seine Glaubensgeoossen ihr Johannisfest feierten. Letztere hatten es sogleich heraus, daß nur die Juden diesen Knaben eingefangen und abgeschlachtet haben konnten, um sich an seinem Blute zu kühlen. Sie stürzten nun in das dortige Judenviertel. griffen dieKindcrschule an, plünderten die Synagoge und zerrissen alle daselbst Vorgefundenen „Thoras". Der Kaimakam (Polizei-Direktor) von Mylassa, Abdul Rhaman Bey, war jedoch bezüglich der Geschmacksrichtung der jüdischen Unterthanen anderer und hellerer Meinung; unter seiner Anführung rückte die Polizei ins Judenviertel ein und jagte die offenbar fanatistrten Angreifer wieder in ihre Ouartiere zurück. Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. K 0 h n, Verfasser des „Gabriels (Fortsetzung.) „Nach einer peinlichen Pause fuhr Zöllner fort". Meine Herren! ich habe vielleicht nicht klug, aber ehrlich gehandelt . . . allein ich bin so weit gegangen, daß es für mich Ehrensache und Existenzfrage ist, Ihnen den thatsächlichen Beweis für die Wahrheit des Gesagten zu liefern .... aber ich fordere Ihr Ehrenwort, daß Sie mich bei Ihrem Herrn Vater nicht verralhen .... Morgen findet wieder ein Ball im Convictsaale statt, die Gesellschaft dort ist — ich spreche von dem weiblichen Theile derselben — die schlechteste . . . um zwölf Uhr Nachts, wenn der alte Herr zu Bette gegangen und alles im Hause schläft, fahren wir zusammen hin. Sie, Herr Robert, gehen als unparteischer Zeuge mit, ich führe Sie auf eine Gallerte, wo Sie selbst ungesehen, Alles sehen und hören können, und Sie werden sich dann wohl selbst überzeugen, daß Ihre — Lorchen Vorberg wollte ich sagen, — in diesen Kreisen eine hervorragende Rolle spielt. —" „Wir, mein Bruder und ich, standen wie vernichtet. Ich faßte mich zuerst. Sagen Sie mir Zöllner, was veranlaßt Sie, uns diese Mitthcilung zu eröffnen? frug ich. Die Frage ist für mich beleidigend, Herr Robert, sprach Zöllner . . . . trotzdem ich ein leichtsinniger, nichtsnutziger Junge bin, ist mein Herz doch treu und gut, ich bin dem Hause Ebers zu viel Dank schuldig um schweigen zu dürfen .... dann noch eins .... auf die Gefahr hin wenn möglich, noch tiefer in Ihrer Achtung zu sinken als dies schon geschehen sein mag .... beurtheilen Sie mich nicht zu streng . . ich . .. ich liebe dieses Lorchen .... ich selbst habe mit meinem bisherigen Leben so wenig ^den Anforderungen eines strengen Moralisten entsprochen, daß ich an die Vergangenheit — ich spreche nur von der Vergangenheit meiner zukünftigen Frau — nicht die rigorosesten Ansprüche erheben kann .... enfin Jugend hat keine Tugend .... Lorchen kann — wohlgemerkt als mein e Frau — noch die beste tugendhafteste Gattin, die zärtlichste Mutter werden . . . , Lorchen ist von einer Wunderbaren Schönheit .... voll Witz, voll Geist .... Frank, der einen schönen Sparpfenrrig besitzt, wird ihr eine anständige Mitgift geben müssen .... ich als wachsamer eifer-