Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1875)
- Date
- 1875-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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761 unfern Artikel und dessen Argumente zur Hand nehmen, jenen „aus Unterfranken" damit vergleichen und eine gewissenhafte unparteiische Prüfung dieser beiden Artikel vornehmen und dann seine Entscheidung treffen, bezüglich der Wiedereinführung der Lokalarmenkassen. — Uns leitet kein anderes Interesse, als alles das was den Wohlthätigkeitssinn beschränken oder schmälern könnte, fern zu \ halten, dessen Entwickelung hingegen in schönster und entsprechendster Weise zu fördern, wie dies unsere h. Thora gebietet und dessen Realisirung nach Maßgabe unseres Artikels vollständig erwartet werden darf. Ebelsbach, 20. August. Eben kommt mir Nr. 33 des „Israelit" zu Händen und finde ich in der zweiten Beilage einen Nachruf für Herrn W. N. Hellmann, mit dessen Inhalt jeder, der Herrn H. kannte, einverstanden sein muß. Was den Satz betrifft „Der Verlust, den die Gemeinde E. erlitten, ist um so größer, da er noch zu den Wenigen gehörte, die treu an dem Glauben der Väter festhielten," so erlaube ich mir der Wahrheit gemäß zu bemerken, daß sämmtliche Mitglieder der israel. Gemeinde in Ebelsbach die Speisegesetze und Samstagsfeier strenge halten, überhaupt dem Glauben der Väter treu ergeben sind. Ich erlaube mir nur deßhalb Ihr geehrtes Blatt in Anspruch zu nehmen, um irrthümliche Ansichten fern zu halten. Königsberg. Ich habe Ihnen beute eine sehr erfreuliche Nachricht mitzutheilen. Vor einigen Wochen hielt der weltberühmte Rabbiner M alb im bei Gelegenheit einer Durchreise im hiesigen großen Volkssaale in Gegenwart von mehr als 6(X>* Personen eine längere Rede, die so großen Beifall gefunden, daß allgemein der Wunsch ausgesprochen wurde, es möchte dieser große Mann für unsere Gemeinde gewonnen werden. Dieser Wunsch hat sich zu unserer Freude auch bald erfüllt. Mit Stimmeneinheit wurde Herr Mal bim zum Rabbiner der hiesigen deutsch-polnischen orthodoxen Gemeinde gewählt. (Wir graiuliren der Königsberger Gemeinde zu dieser glücklichen Wahl. Unter der Führung dieses ebenso gelehrten wie frommen Mannes wird sie in nicht langer Zeit einen so hoben Aufschwung gewinnen, vaß sie zu den frommen Mustergemeinden Deutschlands gezählt werden darf. Red.) Nordhausen, im August. In unserer Gemeinde hat sich in den letzten Tagen ein bedeutsames Ereigniß abgespielt. Ueber den Kopf unseresRabbiners hinweg decretirte der Vorstand tief eingreifende Reformen, wie Orgel, dreijährige« Cyclus rc. in den Gottesdienst einzuführen. Hatte der Vorstand geglaubt, daß sich Herr Rabbiner Dr. Auerbach den Anordnugen eines reformfüchtigen Vorstandes fügen, oder höchstens einen Protest gegen die Neuerungen erlassen würde, so hatte sich derselbe sehr geirrt. Herr Dr. A. erklärte in einer am vorgangenen Sabbath (’j/ddi mao *s) gehaltenen Predigt, baß er den gefaßten Beschlüssen seine Zustimmung nicht ertheilen könne. Mit einer großen Beredsamkeit, — die Herrn Dr. A. so sehr äuszeichnet — setzte er auseinander, wie diese Reformbeschlüsse gegen das Religionsgesetz vorstoßen. lleit zwanzig Jahren vertrete er das gesetzestreue Princip in der hiesigen Gemeinde und nicht könne er dazu gebracht werden, irdischen Gewinnes halber demselben untreu zu werden. Mit Hinweis auf den Midrasch zur Stelle im Wochenabschnitt: „Schafhürden wollen wir hier bauen für unsere Heerde und Städte für unsere Kinder", wodurch die Söhne Reubens rc. in ihrem egoistischen Streben nach Reichthum und Glücksgütern selbst die Sorge für ihre Kinder und deren Seelenheil vernachlässigt, schilderte der Redner, wie er seit Jahren unablässig bemüht gewesen, den Jugendunterricht in der Gemeinde zu heben, daß aber alle Pläne der Reorganisation des daniederliegenden jüdischen Schulwesens und zur Pflege des religiösen Sinnes in der Gemeinde an dem Jndifferentismus der Verwaltung gescheitert, welche auch die bescheidensten Mittel für die religiöse Erziehung und Heranbildung verweigert. Durch Werke des Egoismus und der Nachahmungsfucht wähne man, religiösen Sinn zu heben und die durch Vernachlässigung der religiösen Bildung indifferent gewordene Menge an das Gotteshaus zu fesseln rc. Zum Schluß seiner bedeutsamen Rede, die auf alle Hörer einen großen Eindruck machte, erklärte Herr Dr. A., daß er den Beschlüssen seine Zustimmung versage und unter solchen Umständen nicht länger Rabbiner der Gemeinde sein könne und nach 20jährigem innigem Zusammenleben aus ihr scheiden müsse. Wofern der Vorstand nicht noch in letzter Stunde seinen Beschluß zurücknimmt, hat derselbe vor Gott und der ganzen Welt die schwere Verantwortung zu tragen, einen Familienvater mit 6 Kindern, der sich während seines 20jährigen Wirkens in hiesiger Gemeinde durch sein bescheidenes Wesen und friedfertiges Auftreten, wodurch er die religiösen Gegensätze stets zu vermitteln gesucht, die Achtung und die Sympathien aller Redlichdenkenden erworben, von Amt und Stelle