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Der Israelit · 1875-08-18 · Heft 33 (18.8.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 33 (18.8.1875)
Date
1875-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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742 Weise religiöse Grundsätze, Sittenlehren und bib-! lische Geschichte zu entwickeln. Oberlehrer der | Schule zu Eibenschitz ist Herr M. Sborvitz auch als Hebraist bekannt. Herr Rabbiner Dr. I. Tauber '"i ein hervorragender Talmudist und Kanzelredner, unterrichtet täglich reifere Jünglinge in D'sprrEo n, hält lehrreiche Vorträge und wahrt frommen Sinn und religiösen Geist in seiner Gemeinde. Frankreich. Paris. Bei dem gegenwärtig hier tagenden geogr. Congreß befinden sich auch mehrere Juden und will ich vorläufig nur die Mitglieder Dr. Nubinstein und Dr. Silbermann erwähnen. Ersterer lieferte eine Arbeit über Meteorologie, die sowohl in der Sitzung der betreffenden Gruppe (111) Aufsehen erregte, als auch in der öffentlichen Sitzung von gestern Nachmittag großes Lob provocirte. — Dieser legte eine sehr bedeutende Arbeit über Geologie vor. Ich will, so Sie Herr Redakteur, j mir Ihre Beiftimmung geben, über den Congreß,? insofern seine Angelegenheit zu denen des Judenthums in Beziehung stehen, in einem spätern Berichte zurückkommen. H. S. Feuilleton. Ailder aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel".! (Fortsetzung.); Was die Religiösität betraf, war für diese! das goldene Zeitalter. Für alle Entbehrungen,! welche die Außenwelt dem Juden auferlegte, hielt : ihn seine glühende Liebe zu seinem Glauben, sein! unerschütterliches Gottvertrauen schadlos. Freitag ' Abend in seinem Stübchen, bei dem röthlichen! Schimmer seiner siebenzackigen Messinglampe, die auch der Aermste, wenn er sie versetzt hatte, am Freitag wieder einlöfte, wenn er mit seinem Weibe und seinen Kindern um den mit weißen Linnen j gedeckten Tisch saß und Semiroß *) sang, vergaß i er alle Leiden, alle erlittene Unbill, eine unbej schreibliche Seligkeit überkam ihn, — er träumte; ein Glücklicher zu sein, und die Lebhaftigkeit des Traumes machte diesen zur!) ^abbatgesänge. Wahrheit. Seine innere Freudigkeit ersetzte ihm alle die mangelnden Genüsse der Außenwelt. Freitag Abend fühlte er sich glücklicher als ein König! Freitag Abend bot ihm einen Vorgeschmack des Paradieses! Die jüdischen Feiertage waren grüne, frische Oasen in der dürren Wüste seines traurigen Werktaglebens.Und das Gotteshaus, die Synagoge! .... Ein schöner Chasan^) konnte sein Publikum stundenlang festhalten und seine Leistungen bildeten dann den ganzen Samstag Nachmittag den ergiebigsten Gesprächstoff für die Balebattim ^), die sich im Sommer vor d.n Haus-- thüren, im Winter um den wärmeftrahlenden Ofen bei dem Nachbar, der das größte Zimmer besaß, versammelten. Es ward genau erzählt, bei welcher Stelle der Chafan sein KollH so mächtig erhoben, daß der schwere Hängeleuchter gezittert. Einzelne versuchten es wohl, jene neuen Nigonim^), welche sie am »leisten zum Entzücken hinrissen, zu wiederholen — und manchmal entdeckte sich auf diesem nicht ungewöhnlichen Wege ein Chasantalent, das bisher nur im Verborgenen geblüht hatte . . . Und die Droschest ... die erst! . . . Bei der Natürlichkeit und Naivetät des damaligen Publikums war es leicht, auf dieses machtvoll einzuwirken — und es gab zu jenen Zeiten Volksred- , ner welche durch ihre Borträge einen besondern > Einstuß gewannen. Auch der Oberjurist Rabbi j Eleasar Fleckles war ein solcher populärer Volks- > redner, der das Auditorium zu heißen Thränen! rührte — aber auch mit seiner Ironie ein behagliches Lächeln bei seinen Zuhörern Hervorrufen konnte. Aber auch einem ihm vollständig unverständlichen gelehrten Vorträge konnte der Amhorez7) jener Zeit, in einer großen Menschenmasse eingekeilt, sodaß er keine Hand rühren konnte, und sich den niederrieselnden Schweiß nicht von der Stirne wischen konnte, stundenlang zuhören .... und es bereitete ihm trotzdem ein Vergnügen, ein wahres Seelengaudium! Es herrschte bei den Talmudvorträgen die Gepflogenheit, daß sich zwischen dem Vortragenden und den Gelehrten unter seinen Zuhörern einPilpul^) entspann, der bei der orientalischen Lebhaftigkeit der Betheiligten in der Regel sehr bewegt, sehr feurig wurde. Nicht nur Balebattim, sondern auch Bachurim^) — diese sogar 2) Vorsänger, Vorbctcr. 8) Hausväter. 4) seine Stimme. 5| Melodien. 6) die öffentlichen Vorträge. 7) Unwissende. £) Disputation. 9) Talmudjünger.

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