Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1875)
- Date
- 1875-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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740 diese hatte lange mit ihrem Stolz gekämpft, sie hatte auf die Kluft, welche sie trennte, hingemiesen, er hatte alle ihre Bedenken besiegt. So will ich, hatte sie endlich gesagt, wenn Dein Vater und mein Onkel es gestatten, Dein Weib werden .... ich kann Dir nicht Reichthum bieten, wie die reiche Baronstochter — aber ich biete Dir ein reines treues Herz für ewig . . . „Zöllner wußte es, der leisege Hauch eines Mißtrauens, die leichteste Regung von Eifersucht mußte das reine selbstbewußte Herz Eleonorens verletzen.darauf baute er seinen Plan .... er ersann Niederträchtiges!" Robert machte eine lange Pause. Carl kannte die Begebenheit, die Robert setzt erzählen wollte, er sah düster vor sich hin; Heinrich blickte dem Erzähler mit der höchsten Erregtheit ins Gesicht. „Fahren Sie fort, lieber Onkel;" sprach er, „ich erwarte die Fortsetzung mir lebhaftester Spannung " — Rob-rt iuhr nach kurzer Pause fort. „Zöllner war erster Buchhalter und seine Fähigkeiten, namentlich seine wunderschöne Handschrift machten ihn in seinem Fache utnt Meister. Er war eben mit dem Bilanzabschlusse auf seinem Cabinette beschäftigt, als Josef ihn aussuchte, um sich über einige Geschäfte Aufschlüsse zu erbitten. Als Josef eintrat. legte Zöllner die Feder nieder und sprach: Gut, das; Sie kommen, ich habe Wichtiges mit Ihnen zu besprechen .... ich?enne Ihre Absichten auf Eleonore Vorberg .... hat Ihr Bruder Robert schon mit Ihrem Vater und mit Frauke gesprochen? . . . . haben Die schon j die Einwilligung der Beiden erlangt? - Meinem i Bruder, Deinem Vater, war es unlieb einen Dritten in sein Geheimniß eingeweiht zu sehen, allein er stand dem erwünschten Ziele schon so nahe, daß er, wenn auch r-'gerne, doch keinen Anstand nahm, zu antworten: Mein Vater willigt ein, auch Franke ist zum größten Tbeil für uns gewonnen .... seine letzten Bedeuten werde ich in der Unterredung , die er mir heute Abend gestattet, zerstreuen . . . . und in wenigen . tunden hoffe ich die Gewißheit zu haben der glücklichste Mensch auf Erden zu sein . . . ." „So reden Sie nicht mit Franke," sprach Zöllner ruhig, fast feierlich." „Warum? was meinen Sie? rief mein Bruder." „Weil, antwortete Zöllner langsam und jedes Wort betonend, ich wünsche, daß der Sohn meines verehrten Chefs glücklich werde .... weil Lorchen Vorberg .... Ihrer unwürdig ist ... ." „Dein Vater blieb einen Moment sprachlos.? Diese Anklage erschien ihm so außerordentlich,! so entsetzlich ,' daß er zuerst kein Wort der Erwi- ' derung fand .... Was starren Sie mich so erstaunt an, fuhr Zöllner ruhig fort, „das ist die traurige Folge Ihrer verfehlten Erziehung . . . . Ihr HZater hat seine Söhne erzogen .... als wenn sie Mönche werden sollten .... und so fehlt Ihnen jede Beurtheilung eines weiblichen Wesens." „Sie sind wahnsinnig Zöllner, brauste mein Bruder endlich auf, nachdem er seinen sähen Schreck überwunden, . . . Sie sprechen von Eleonore Vorberg der Tochter edler Eltern, der Nichte unseres vortrefflichen Franke .... von einem Mädchen, das ich meinem Vater als Tochter zuführen werde. „Zöllner lachte kurz ans .... das werden Sie eben nicht thun, Herr von Eberstein .... und danken Sie dem leichtsinnigen leichtlebigen Zöllner, der zu Ihrem — vielleicht nicht zu seinem Glücke alle lockere Damen unserer Stadt kennt — und Ihnen noch zur rechten Zeit die Äugen öffnet" „Zöllner! ries mein Bruder, wenn Sie nicht berauscht, nicht wahnsinnig sind, müssen Sie mir Rechenschaft über diese unverschämten Worte geben . . . „Seien Sie ruhig, sprach Zöllner gelassein Sie werden finden, daß ich vollkommen in meinem Rechte bin, zu behaupten, daß Lurchen Vorverg nicht die Gattin des Herrn Josef von Eberstein werden kann; ein Mädchen, das um Mitternacht in Herrnbegleitung einen Ball im Convietfaal besucht .ist keine passende Schwiegertochter für Jonas Ebers von Eberstein!" „Nichtswürdiger Schurke! ries dein Pater .... Ein Zufall führte mich in Zöllners Cabinet, die letzten Worte, die ich hörte, die Erregtheit Josefs veranlaßten mich zu fragen, um was es ch handelt, Zöllners bereitwillige Mittheilsamkeit setzte mich rasch an fait." „Siewagen das von Eleonore zu behaupten?! frug ich ... . Werden Sie den Beweis zu erbringen wissen? „Wenn Sie es befehlen, .... ja, eutgegnete Zöllner." (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Lcranrwortiiche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Rour'schen Hofbuchhandlung. I. Goltsleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).