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Der Israelit · 1875-08-18 · Heft 33 (18.8.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 33 (18.8.1875)
Date
1875-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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737 F r a n kr e i ch. Paris, 6. August. Bereits habe ich Ihnen telegraphische Mittheilung gemacht von -der Anwesenheit des Herrn Rabbiners Dr. Landsberg aus Liegnitz und von dem ihm zu Ehren stattgehabten Banguet. Verstattcn Sie mir, geehrter Herr Redakteur, dieses näher zu besprechen, wie ich es in meinem Telegramm zugesagt. Schon im Jahre 1870, das 'Vorhaben > den Mitgliedern des Central-Comites der „Alliance isr." einen Besuch abzustatten und dem wissenschaftlichen Paris einige Tage zu widmen, im Begriffe zu realisiren, mußte er kaum angelangt, die französische Capirale wieder verlassen, denn die Kriegserklärung war soeben erfolgt. So benützte er setzt die Gelegenheit und von einer Eur in 1t0ut0M6-8!^'-M6r zuruckkehrend, hielt er sich einige Tage in Paris auf. Bei seiner Ankunft wurde er vom General-Secretär der „All. isr. univ.", Herrn Lob, im Namen des Central-Comitä's empfangen. Zu zeigen, in welcher Artung H. Dr. Landsberg bei den einzelnen Mitgliedern des Comite’s steht, mag nur das Eine dienen, daß Mitglieder des Central-Comitö's ihren Sommer-Aufenthalt unterbrechend, schnell zur Begrüßung des eifrigen und thätigen Mitgliedes der „Alliance" hieher eilten. Jbm zu Ehren veranstalteten auch die Mitglieder des Central - Comite's ein großartiges Bangnet, welches Montag 2. Äug., Abends, im Hbtel Dreyfuß stattfand. Demselben wohnten bei außer Crömieux, der ihm präsidirte, unter Anderm auch die Herren Gras Camando, Allegry, Saint- Paul, Läonce Lehman, Crohauge, Leven, Rosenfeld, Caravalho, Seminar-Direktor Trenel, Cohen, Löd, Säe. Netter u. s. w. Die Gesellschaft war lehr animirt und als der volle Römer zum dritten Mal gek'eiset, da erhob d'römieux sich und eröffnete den Reigen der Reden. Vorerst dem unermüdlichen Beförderer der Sacke der .. Alliance" und dem Gaste für den freundschaftlichen Besuch Namens sämmtlicher Comitck-Mitglieder dankend, ging Redner auf die Schwierigkeiten über, die das Judenthum zu bekämpfen hatte, um dahin zu gelangen, wo es heute ist. Der Jude, fährt er fort, ist nicht mehr gezwungen, seinem Glauben untreu zu werden, um dem Christen gleichberechtigt zu sein. Gegenwärtig kann auch der Jude ein hohes Amt beneiden, eine hervorragende Stellung in der Gesellschaft einnehmen, ohne daß er sich converiiren müsse. Aber, meint er, man darf hier nicht stehen bleiben. Die Rechte, welche die Juden der meisten europäischen Staaten genießen, müssen auch den Glaubensbrüdern auf der ganzen Erde zu Gute kommen; denn uch sie sind Menschen. Das aber kann nur erreicht werden, wenn die Juden Europas und der übrigen civilisirten Staaten mit vereinten Kräften dem Ziele zusteuern. Das ist auch die Aufgabe, das Bestreben der „Alliance" Dnsn ‘;*n-ir bj! Herr Dr. Landsberg, sichtlich gerührt, von den schönen Worten seines Vorredners, dankte für die herzliche Aufnahme und entschuldigt sich, in einem Kreise von nur Franzosen, seinen Gefühlen in deutscher Sprache Ausdruck zu verleihen. Doch, meint er, gleich dem yr;?, das von allen Juden verstanden wird, so scheint auch etwas vorhanden zu fein, wodurch die Mitglieder der „Alliance," von verschiedenster Zunge, untereinander sich verständiger!. Redner hob dann den Aufschwung der. französischen Juden hervor; daß sie nicht nur auf politischem, socialem, sondern auch aus wissenschaftlichem Gebiete emporragen und, was das letztere belangt, nicht mehr vonnöthen haben , die Leuchten aus den benachbarten deutschen Landen heranzuziehen. Und trotz dieses hervorragenden Ranges, den die französischen Juden einnehmen, vergessen sie ihrer leidenden Glaubensbrüder nicht und sind zu ihrer Hilfe stets bereit. Von der Bedeutsamkeit der „Alliance" sprechend, bedauert Redner nicht so wirksam und kräftig leisten zu können wie die Herren Baron von Hirsch und Salomon Golschmidt, schätzt sich sedoch glücklich mit dem, wenn auch Geringem, was in seiner Macht ist, dem großen und humanen Vereine dienen zu können. Herr rand - Raübin Isidor dankte seinem Freunde, Herrn Dr. Landsberg, für die großen Dienste, welche dieser der „Alliance" gewidmet und hebt die hohen Verdienste, welche die jüdischen Gelehrten Deutschlands dem ganzen Judenthum gegenüber sich erworben, hervor. Aber wenn es die deutschen Juden sind, die das Panier der Wissenschaft unter ihre Brüder hinaustragen, so kommt den französischen Juden das zu Gute, daß sie es waren, welche, zum Frommen ihrer bedrückten Brüder, als erstes Beispiel auf der Fahne der Freiheit und Gleichheit prangten. Nachdem noch Einige, sowie auch Herr Cremieux abermals das Wort ergriffen, schritt man zum „Mesumen-Benschen" und zwarwurde das -p2j dem Brauch gemäß, pnvv m\v, dem anwesenden hochgeschätzten Gaste, Herrn Dr. Landsberg, ofserirt und erst gegen Mittnacht trennte sich die Gesellschaft, jeder' Einzelne angenehme, unvergeßliche Eindrücke mit sich nehmend. Heinrich Schafier.

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