Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1875)
- Date
- 1875-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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736 Monaten der Beschlich gefaßt, der jüd. Gemeinde, welche ca. 40—50 schulpflichtige Kinder hat, nach Verhaltniß ihres Beitrages zu den öffentlichen Schulen (mehrere katholische und eine protestantische mit 15—20 Kindern) einen Zuschuß zu de- Willigen und zwar pro 1875 ca. Thlr. 280 : — : 840 Mark. Die König!. Regierung hat beanstandet, den Beschluß zu genehmigen und zur nochmaligen Prüfung dem Gemeinderath zurückgesandt, da eine öffentliche jüd. Schule überflüssig sei und ein allenfallsiger Religionsunterricht genügend wäre. Was unter dem Ausdruck Religionsunterricht verstanden wird, wenn die Kinder die christlichen Schulen besuchen, ist hinlänglich bekannt, und nur dem testen Charakter des Gemeinderathes, welcher bei seinem früh eren Beschlüsse bestehen blieb j und ferner beschloß, daß, falls die König!. Regiej rung den früheren nicht genehmige, die katholische : und protestantische Schule zum Besuche der jndil schen Kinder zur Verfügung stehe und man. für einen ■ Religionslehrer einen Beitrag bewilligen würde, 1 ist es zu verdanken, daß in dielen Tagen ■ endlich dis Genehmigung der König!. Negierung erfolgte. Die Simultanschulen sind wegen Verschiedenheit der Unterrichtszeit als Samstag und der jüdischen Feiertage für jüdische Kinder durchaus nicht rathsa'.n nud wäre es im Interesse des Im denthurns zu wünschen, daß allenthalben die jüd. Elementarschulen erhalten blieben. Oc st e x x. - U u g a r. M o u a r cf) i e. brrro'sbrN', 8. August. Auch in der eben ablaufenden Äadesaison bilden unsere Glaubensgenossen einen großen Contingent der hiestgen Badegäste. Indessen wenn man nach den Klagen der hiesigen jüdischen Trakteure urtheilen sollte, nehmen es die meisten derselben mit den Speisegesetzen nicht genau, vielmehr nehmen dieselben ihre Atzung, wo dies ihnen am. beauemsten erscheint. Nur die Glaubensgenossen aus Polen, Rußland und die meisten Ungarn bewähren sich als treue Anhänger jüdischer Küche^ ja dieselben bestellten sich sogar "inen eigenen Schlächter und geriethen dadurch in Conflikt mit der hiesigen isr. Cultusrevräsentanz. In neuester Zeit wurde jedoch dem polnischen Schlächter, der ein gelehrter Talmudist und ein bescheidener Mann ist, unter gewissen Modalitäten von Seiten der Gemeinde das Schlachten erlaubt. Die hiesige Cultusgemeinde ist zwar noch sehr jung, aber im Aufblühen begriffen. Dieselbe besitzt eine sehr gute Religionsschule, welche von dem Rabbiner und Prediger Hrn. Dr. Plaut gut geleitet ist; wie Referent sich selbst überzeugte ist Hr. Dr. Plaut ein geschulter Talmudist, eleganter Prediger und tüchtiger Philolog. Seinen Bestrebungen ist es zu danken, wenn hier, wo das Interesse für alles Jüdische 'schon fast erstorben war. der Sinn für jüdisches Wissen und jüdische Wohlthätigkeit wieder bei den Gemeindegliedern eingekehrt ist. Gegenwärtig wird der Bau, oder werden vielmehr die Vorbereitungen zum Baue eines neuen der wachsenden Anzahl der Gemeinde entsprechend großen jüdischen Tempels eingeleitet. Der hierzu gewählte Platz in der neuen Parkstraße liegt sehr schön. Die bisherige Synagoge im isr. Spitale bietet gegenwärtig nicht mehr Raum genug, ohne dies ist dieselbe nicht Eigenthum der Gemeinde und ist dieselbe besonders während der Curzeit sanitätswidrig überfüllt. Von den hier verweilenden hervorragenden jüdischen Predigern und Theoloaen erwähne ich blos die Herren Prediger Dr. Löwenstenr aus Lemberg, Dr. Schmabacher aus Odessa, Rabbiner Herrscbman Teweles aus Prag, endlich den Historiker Herr-: Dr.. Grätz aus Breslau. Außerdem eine Menge polnischer und russischer Rubbinen. I t a l i e n. cmi- Bei Gelegenheit der Besprechung der wahrscheinlichen Ableitung des Tiberslusses, um dessen Bett fmreguliren, brachten mehrere Blätter die von Zeit zu''Zeit austauchende Mittheilung, daß die Juden Rviüs schon zu verschiedenen Perioden enorme Summen angeboten hätten, wenn sie die Erlanbniß erhalten 'würden, im Sommer den Fluß von seinem jetzigen Bette abzuleiien, um nach einem Theile der von dem römischen Kaiser Titus als Beute w-'ggenommenen Tempelschätze Jerusalems, die in dem Flusse vergraben liegen sollen, zu suchen. Diese Erzählung ist durchaus lächerlich und ohne Grund. Nichts zeigt an. daß jene reichen Schätze in den Fluß geworfen worden seien. Der goldene Tisch von schwerem Gewichte, wie Flavins Josephus schreibt, der siebcnarmige goldene Leuchter, die silbernen Trompeten, von denen der Titus'sche Triumphbogen das genaue Abbild zeigt, blieben das Eigenthum des Titus. Das ist wahr, daß zu verschiedenen Zeiten Juden und Christen sich behufs einer Untersuchung des Tiberbettes associrten, nicht um nach den Tempelschätzen, sondern um nach Antiquitäten aller Art, die wohl in diesem Flusse verborgen sein mögen, zu forschen. Auch in neuerer Zeit har sich eine archeologische Gesellschaft gebildet, die diesen Zweck bei der Ausführung der projectirten Regulirung der Tiber zu erstreben sucht. (Arch. isr.)