Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1875)
- Date
- 1875-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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735 meindeverwaltung, um einerseits das dringendste Bedürfniß: Beschaffung gottesdienstlicher Raume für die ganze Gemeinde, zu befriedigen, und um andererseits der Gewissensfreiheit der Gemeindemitglieder möglichsten Schutz zu gewähren und hiedurch den Frieden und die Einheit der Gemeinde zu sichern, unter dem 11. l. M. beschlossen: 1) Es sei für Einrichtung zweier Gottesdienste, eines reformirten und eines nach altem Ritus ab zu halten den Sorge zu tragen, die beide unter Aussicht der Verwaltung und des Rabbinates stehen. 2) Für den reformirten Gottesdienst sei das Berliner Gebetbuch in dessen Gestaltung nach dem Commissionsberichte vom Jahre 1873, für den Gottesdienst nach altem Ritus die bisherige Uebung in der Synagoge dahier zur Grundlage zu nehmen. Das erwähnte, von hervorragenden Theologen für die Gemeinde Berlin ausgearbeitete Gebetbuch enthält neben den hebräischen Gebeten eine Anzahl j deutscher, sowie Choräle, die mit LOrgelbegleitung j ausgesührt werden Alle Gebetformeln, welche eine Hoffnung auf Rückkehr nach Jerusalem, auf Erscheinung eines politischen Messias. aus Wiederherstellung eines jüdischen Reiches oder des Thieropfercultus aussprechen oder andeuten, sind beseitigt.! Die Thoravorlesung geschieht nach einem dreisährigen Cyclus, die Haphthora wird deutsch verlesen. Der Priestersegen wird vom Vorbeter und Chor vorgetragen. - Die am Neujahrsfest vor dem Mussaph-Gebete üblichen 30 Schofartöne werden der Mischna'*) gemäß auf 10 retucirt. Durch die Einrichtung dieses Gottesdienstes glaubt die Verwaltung * den Wünschen der R eformPartei der Gemeinde Rechnung zu tragen. Für den Gottesdienst nach altem Ritus wurde aus Zweckmäßigkeitsgründen der bisherige Gottesdienst in der Synagoge als Grundlage angenommen; indessen kann die hier zum Theil schon eingeführte Reform im Interesse der Einigung der conservativen Partei in einzelnen Punkten beseitigt werden Um genau ermessen zn können, welcher Raum für den Gottesdienst nach altem Ritus, sowie für den reformirten nothwendig ist, beschloß die Verwaltung die Gemeindemitglieder zur Abgabe einer Erklärung zu veranlassen, welchem Gottesdienste sie sich anschließen wollen. *) welche Mischna ist wohl hier gemeint? Tiefe Frage wird schwer;u beantworten sein!! Diese Erklärung ist auf dem beifolgenden Formular, das vom Gemeindeboten wieder' abgeholt wird, verschlossen binnen 14 Tagen abzugeben. Nach dem Ergebniß dieser Abstimmung wird die Verwaltung in der Lage sein, die Frage des Synagogenbaues definitiv zu entscheiden. Die Verwaltung spricht die sichere Erwartung aus, daß die Gemeindemitglieder ihren Stimmen vollzählig abgeben werden; würde sie sich darin täuschen,' so müßte sie, nach bestem Wissen und Gewissen , aber ohne den wichtigsten statistischen Behelf die Baufrage zur Erledigung bringen und für diesen Fall schon jetzt die Verantwortung denjenigen zuschreiben, deren Lässigkeit die genaue Feststellung des Bedürfnisses beider Hauptrichtungen der Gemeinde verhindert München, am 16. Juli 1875. Die Verwaltung der israel. Cultusgemeinde. Der I. Vorstand: Aub. Der Secretär: vr. Löwen selb. Vorerst enthalten wir uns noch jeden Urtheils über den Inhalt dieses herrlichen Schriftstückes, das unsere verworrenen Zustände zur Genüge charakterisirt. Wir werden später über das Resultat der Volksabstimmung Genaues berichten, können aber schon jetzt die Bemerkung nicht unterdrücken, daß uns die Doppelrolle des Herrn Rabbiners ganz unerklärlich erscheint; denn ein geistliches Oberhaupt kann doch wohl nicht wie ein Kameleon die Farbe wechseln? In Berti« hat sich, dem „Jew. Chr." zufolge, eine Gesellschaft gebildet, welche eine dauernde Niederlassung in Choa (Abyssinien) ins Leben zu rufen beabsichtigt. König Menelek will das Project unterstützen. Wir erwähnen diese Unternehmung in der Hoffnung, daß dadurch die Aufmerksamkeit der „All. isr." und der „Jew. Affoc." auf dieselbe gelenkt werden. Vielleicht können es diese Gesellschaften ermöglichen, bei dieser Gelegenheit wieder mit den Falafchah'S in Verbindung zu treten. Mayen bei Coblenz, den 8. August. Um den Nachtheil zu beweisen, welcher dem Judenthum durch allgemeine Einführung der Simultanschulen, wo, nebenbei bemerkt, sehr selten ein jüdischer Lehrer in einem katholischen oder protestantischen Orte an einer Schule fungiren wird, bedroht, erlaube mir Ihnen mitzutheilen: Am hiesigen Orte, wo ca. 60 jüdische Familien wohnen, hat der Gemeinderath, welcher nur aus katholischen Mitgliedern besteht, vor ca. zehn