Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1875)
- Date
- 1875-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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734 Sclaven geworden, verkümmern sie allmählich und heute gibt es nur noch schwache und unbedeutende Reste Chamitischer Völker. Ein ähnliches Schicksal schien dem Japhet Vorbehalten, als den Persern die Griechen, und diesen die Römer folgten; da kam den Japhetiten, als die Römer todesreif waren, ein neues Leben. Die Germanischen Völker, das in sich verfaulte Römer- Reich zerstörend, bauten eine neue Welt auf, die Welt, in der wir heute noch leben. In der ältesten Epoche der Weltgeschichte kömmt Israel fast nur mit Chamiten — die vorübergehenden Berührungen mit Semitischen Nachbarn ungerechnet — in Berührung. Abraham kömmt von Babylon her; in Aegypten wird Israel zum Volke; im Kampfe mit den Chamitischen Religionen seiner Nachbarn siegt und unterliegt das Volk, bis es in die Babylonische Gefangenschaft geführt wird. Von da an und weiter find es nur Japhetiten, gegen die Israel zu kämpfen hat. Mit Ausnahme der ihm wohlgesinnten Pe r s. Könige, wollen die Japhetiten, voran die G r i e ch e n (Antiochus Epiphanes), Israel vernichten, indem sie seine Religion zerstören, erliegen Tempel, Stadt und Staatden zerstörenden Römern. Von da an beginnt die Verfolgung, die unablässige Verfolgung von Seiten der Germanischen Völker. Wie viele Weltreiche haben schon dieses kleine Volk wie einen Wurm zertreten wollen! Sie selber jedoch sindvertilgt und Israel lebt noch. Jene großen, mächtigen Weltreiche waren nur die Zuchtruthen in der Hand der göttlichen Vorsehung. Wenn sie gethan hatten, was sie sollten, dann wurden sie zerbrochen und in Feuer verbrannt. Das geschlagene Volk aber lebt heute noch. Merkwürdig, alle Völker, die Israel wehe gethan haben, sind dem schwersten Strafgericht verfallen: Aegypter, Assyrer, Babylonier, Griechen, Römer, von den kleinen Feinden zu schweigen; ein Volk war Israel freundlich gesinnt, hat ihm erlaubt, in die Heimaih zuruckzukehren und das Heiligthum wiederaufzubauen, und dieses Volk — diePerser — leben fueute noch. Wahrlich, wenn ein solcher ist der Lohn für ein vorübergehendes, freundliches Entgegenkommen, wie groß muß erst der Lohn sein der civilisirten Völker der Gegenwart, in deren Mitte wir frei und glücklich, froh und ungestört und unangefochten leben unter dem Schutze guter und gerechter Gesetze, die Männer aus unserm eigenen Stamme haben mitberathen dürfen! Wahrlich, die Nationen können sich kein größeres Heil bereiten als durch ein freundliches und liebevolles Benehmen gegen Israel. Wer ein offenes Auge hat für die Geschichte der Welt, muß es'erkennen, daß Nichts sich so gerächt hat in der Welt wie die Mißhandlung und Verfolgung der Israeliten. Im ganzen Alterthume hat kein Volk Israel freiwillig Gutes gethan außer den Persern. Und daß die Nationen der Gegenwart freiwillig das Joch Israels gebrochen, freiwillig die Bedrückung und Verfolgung aufgegeben haben, das ist uns eine Gewähr ihres Bestandes. Deßhalb hat Frankreich sich nach den schrecklichen Schlägen der Jahre 13 und 70 so schnell wieder erholen können, deßhalb wird Oesterreich bestehen und erhalten bleiben trotz des Völkergewirres innerhalb seines Staates, deßhalb wird dieses große, mächtige Deutsche Reich bestehen und immer mehr erstarken und so die civilisirten Staaten der Gegenwart alle, die Israel wohlgethan haben und fortfahren, ihm wohlzuthun. Und Israel selbst? Es wird unzerstörbar sein, solange es festhält am Gesetze seines Gottes, solange es die Hoffnung bewahrt auf seine große Zukunft. ' (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. München, 10. August. Unerachtet der Saison morte herrscht in unserer Gemeinde eine gewisse Bewegung anläßlich der schwebenden Synagogenbaufrage. Es erging von weiten der Cultusverwaltung nachstehender Aufruf an die einzelnen Gemeindemitglieder: Es ist eine seit mehr als einem Decennium feststehende Thatsache, daß die Synagoge dahier nicht den für die Gemeinde nöthiqen Raum enthält. Um dem bei dem raschen Wachsen der Gemeinde immer dringender werdenden Bedürfniß abzuhelfen, hat bereits vor geraumer Zeit die frühere Verwaltung den Beschluß gefaßt, einen neuen Tempel, welcher die Gesammtgeme.nde vereinigen sollte, zu erbauen. Dieser Beschluß hat sich indessen als unausführbar erwiesen und zwar wegen der Verschiedenheit der Meinungen, die bezüglich des Gottesdienstes in unserer Gemeinde bestehen. Ein Theil der Gemeinde halt grundsätzlich den alten Ritus fest, während der andere den Gottesdienst entsprechend den Anschauungen des Landes und des Jahrhunderts reformiren will. Eine Ausgleichung dieses Gegensatzes ist vorerst nicht zu erwarten. In Erwägung dieser Verhältnisse hat die Ge-