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Der Israelit · 1875-07-21 · Heft 29 (21.7.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 29 (21.7.1875)
Date
1875-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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651 Dich glücklich zu machen, Dich wahrhaft glücklich zu machen, . . und ich weiß es, nicht der Besitz von Millionen, nicht der Glanz, bildet des Lebens höchstes Gut. Du magst wohl denken, dieser Onkel Robert, dieser trockene Zahlenmensch, fühlt für nichts, als für die Größe des Hauses Ebers .. nein! auf dem Sterbebette Deines Vaters, meines seligen Bruders, dem ich eine untilgbare Schuld schulde, hatte ich mir's mit den heiligsten Eiden gelobt, mein Leben seinen Kindern zu weihen. Gustav ging von mir — und so bist Du, mein Heinrich, mir allein geblieben. Helene de Quant- Nauheim besitzt alle Eigenschaften, einen Mann glücklich zu machen, . . gefällt Dir die Dame, und ist Dein Herz frei ..." „Nein, Onkel!" rief Heinrich. „Ich hätte mich früher glücklich geschätzt um Helene de Quant- Nauheimes Hand werben zu dürfen, — aber seit vierzehn Tagen ist mein Herz nicht mehr frei . . ich habe ein Mädchen kennen gelernt, die ich — Onkel, wenn Ihr sie sehen, sprechen, kennen lernen werdet! — mit dem ganzen Inhalte meines Daseins liebe . . lieben muß, . . ohne das mir meine ganze Zukunft unmöglich erschiene — ein Mädchen, das mich wieder liebt, die schutzlos und allein steht auf weiter Erde, die nichts besitzt, als ihre himmlische Tugend — meine unendliche Liebe ... ein Mädchen . .! „Wer ist das Mädchen?" frug jetzt Carl, der mit steigender Unruhe der erregten Redeweise Heinrich's gefolgt war, „wer ist ihr Vater? wo lerntest Du sie kennen?" „Das Mädchen", entgegnete Heinrich, „heißt Clara Löwenstamm, ich lernte sie bei meiner Ankunft' in der Heimath zufällig und am Sterbebette ihrer Mutter kennen." „Ihr Vater, ihr Vater?!" rief Carl ungeduldig. „Ihr Vater", sprach Heinrich stockend, „ist der unglücklichste und edelste Mensch auf Erden, . . . niederträchtige Feinde haben ihn der infamirendesten Verbrechen angeklagt . . eine unglückliche Verkettung der Verhältnisse machte es möglich, daß er unschuldig verurtheilt werden konnte!" „Verurtheilt?!" rief Carl, seiner Sinne fast nicht mächtig, „wo? weshalb?" „Onkel, warum Euch Thatsachen verhehlen, die wenigstens Euch nicht verheimlicht werden sollen. Clara's Vater heißt Hermann Löwenstamm . . ist der Brandlegung, der Fälschung, des Diebstahls für schuldig befunden worden, und büßt seine Strafe in dem Kerker zu Breslau ab." Heinrich hatte mit sichtlicher Anstrengung gesprochen, die letzten Worte hatte er nur stoßweise hervorgebracht; — dann sank er erschöpft in das Fauteuil zurück. ES herrschte eine feierliche Stille in dem Gemache. Carl Eberstein schien Sprache und Sinne verloren zu haben, seine Augen hingen verglast an Heinrichs Gestalt, mit einer Hand hielt er krampfhaft die Lehne seines Fauteuils umspannt, mit den Fingern der andern trommelte er konvulsivisch auf der Tischplatte. Robert saß stille in sich versunken, in seinen tiefbekümmerten Zügen zuckte es eigentümlich, er neigte, wie von unsichtbarer Hand gebeugt, fein Haupt, und murmelte das alte Wort: bliääo Keneged middo."*) „Aber Heinrich!" rief Carl endlich, noch immer betäubt, „das ist ja unerhört. . . Großer Gott! man sagt ihm, daß Quant-Nauheim, der erste Banquier Europas, ein naher Verwandter des französischen Ministers, ihm seine engelschöne tugendhafte Tochter, das schönste Mädchen der Welt . . zur Gattin geben will . . und er . . der sinnlose Mensch, will. . ah! es ist zu . . zu arg, ah! . . ich ersticke . . er, er zieht die Tochter eines . . . Zuchthäuslers vor, ein Mädchen — das er.. den langen Zeitraum von vierzehn Tagen kennt; — das ist wahrhaftig ein sonderbarer Geschmack, ha, ha! man könnte sich zu Tod lachen, wenn man nicht mittlerweile vor Aerger vom Schlage gerührt würde!" „Ich muß Ihren Tadel, Onkel Carl, ruhig über mich ergehen lassen, ich kann Ihnen nichts darauf erwidern; aber Sie wissen es, ich habe in all den verschiedenen Stellungen, in die man mich drängte — ich muß dies denn doch zu meiner Entschuldigung sagen — allen Anforderungen entsprochen — ich habe mich stets und in Allem, Ihren Wünschen, den strengen Gesetzen unseres Hauses willig unterworfen . . ich war, weil es Onkel Carl so wollte — eine Zeit lang der erste Lion in Paris, ohne hierbei — und dabei folgte ich nur dem Wunsche meines eigenen Herzens, — eine einzige und sei es die leichteste meiner religiösen Pflichten verletzt zu haben . . ich habe im Comptoir meines Onkels Winterburg zu seiner vollständigsten Zufriedenheit gearbeitet, und sein Welthaus in der gefährlichsten Zeit an der pariser Börse und bei wichtigen Negociationen an mehreren europäischen Höfen vertreten, und hierbei allseitige Anerkennung gefunden — ich habe schon in der kurzen Zeit, wo ich mit Bewilligung unserer Regierung die Stelle eines Odargs d’affaires des regierenden Herzogs von Holmar-Wendeland bekleide, mir seine vollste Zufriedenheit, sein unumschränktes Verttauen er- *) Mit dem Maße, mit dem du missest, wird dir wieder gemessen.

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