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Der Israelit · 1875-07-21 · Heft 29 (21.7.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 29 (21.7.1875)
Date
1875-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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648 Werk aus dem Both-Hamidrasch geschleudert, sondern die unsichtbaren Geister des I. Landau und M. SzoferN!" . . . Wenn auch wenig Wabrheit, so liegt in diesem eigenthümlichen Playdoier doch unstreitig Witz und Esprit. Von da reiste ich nach M.-Szigeth, der Metropole des ungar. Chaßidismus. Eines fiel mir in Munkacs und M.-Szigeth besonders auf: in beiden Orten gibt's nur dhaßidim und Neologen, aber keine Orthodoxen. Es wurde mir denn auch allseitig constatirt, daß fahnenflüchtige Chaßidim der Neologie, fast nie aber der Orthodoxie, sich anschließen. Man braucht jedoch eben kein eminenter Psycholog zu sein, um diese Erscheinung recht plausibel zu'finden. Der Rabbiner zu M. - Szigeth ist ein Enkel des berühmten Rabbi Moses Teitelbaum, sel. Andenkens, weil. Ober- Rabbiner zu S. a. Ujhely, der, ein Gaon Muflag, der Erste war, welcher in Ungarn die Fahne des Chaßidismus entfaltete. Aber trotzdem und alledem gelang es dem Enkel nicht, nach dieser Richtung einen nennenswerten Kredit sich zu verschaffen. Er theilt hierin vollkommen das Geschick seines Munkacser Collegen: in Beiden erblicken nämlich die orthod. Israeliten chaßidäische Nebbes, während die Chaßidim selbe als einfache orthod. Rabbinen — gering schätzen. Von da kam ich nach Hüßt. Was ist das Hüßt? eine ziemlich zahlreiche, aber mittellose Gemeinde existirt hier in verborgener Bescheidenheit in einem entlegenen Winkel Nordungarns. Aber welches Leben pulsirt hier! Welch'reicher Strom von Terath Emeth nimmt hier seinen Ausgangspunkt! Hier lebt und lehrt ein Mann, dessen Name jedem die tiefste Hochachtung und ungeheuchelteste Pietät einflößen muß, der für Gott und Seine heil. Lehre noch Herz und Sinn sich bewahrt hat. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Moses Schick leitet hier eine Jeschiwah, die numerisch kleiner als die zu Preßburg ist, an Gediegenheit talmudischen Wissens jedoch dieselbe bei Weitem überragt. Ich halte mich überzeugt, daß dieser Ausspruch in Preßburg nicht unangenehm berühren wird. Rabbi Moses Schick bildet eine solch' eminente Erscheinung, daß gegen diesen Großmeister auf dem Gebiete rabbinischer Gelehrsamkeit und die von demselben geleitete Jeschiwah in keines Mannes Brust auch nur der leiseste Neid auftauchen kann. Von Hüßt führte mich meine Reise nach Debr eczin, der magyarischesten Stadt Ungarns. Auch hier gib's eine kleine Congreß-Gemeinde. Und was ist denn die größere Gemeinde? Eine orthodoxe? Nein! ' Sind denn die Mitglieder der Reform zugethan? Gott bewahre! Jeder einzelne Jehudi ist fromm, sehr fromm; die Gemeinde als solche ist doch nicht orthodox. Es existirt hier nämlich kein Mann von jüdischer Thatkraft, welcher derselben das Gepräge seines Charakters aufdrücken sollte. Und der Rabbiner? Auch der Rabbiner ist Jude. Sie werden in diesem Ausspruch hoffentlich keinen Pleonasmus erblicken. Ich wollte nur sagen, auch der Rabbiner ist für sich Jude, gleichzeitig aber ein Mann, der es nach keiner Seite hin verderben möchte. Nun, der ehrwürdige Herr bildet ja in unseren Tagen keine Ausnahme. Von Debreczin ging ich nach Großwardein. Außer Pefth beherbergt keine ungar. Stadt eine solch' zahlreiche jüd. Bevölkerung als eben Großwardein. In numerischer Beziehung gebührt daher dieser Stadt selbst Preßburg gegenüber der Vortritt. Auch da gibt's eine kleine Congreß- Gemeinde, doch erfreut sich die jüd.-orthod. Muttergemeinde des Besitzes des gesammten Gemeinde- Vermögens. Merkwürdig ist es, daß letztere kraft eines Ministerial - Erlasses gezwungen wird, eines ihrer Bethäuser der neologen Gemeinde pachtweise zu überlassen. Eines jedoch konnte ich vollends nicht begreifen, wie denn die Regierung behufs Durchführung der absonderlichen Verfügung die Höhe des Pachtschillings limitiren konnte, da ohne eine derartige Limitation der ganze Erlaß offenbar leicht unwirksam gemacht worden wäre. Bei meiner Weiterreise über Arad begegnete ich einer traurig-komischen Erscheinung. In Arad sind nämlich die sogenannten Koscher-Fleischbänke im Tempelgebäude untergebracht und pürd. während des Gottesdienstes am Sabbate das'Koscherfleisch ausgeschrottet, damit ja jeder Jude „frische" Suppe genießen könne. Merkwürdig ist es, daß der Rabbiner Steinhardt, der an all' dem auch den mindesten Anstoß nicht nimmt, gegen die Orgel eine besondere Idiosynkrasie besitzt. Er versicherte mir, in dem Orgel-Tempel nie zu beten, da er es vorzieht, das Gebet in seiner Privatwohnung zu verrichten. Nun, den ersten Theil des Satzes glaubte ich Sr. antiorglianer Ehrwürdigkeit vollkommen, erlaubte mir jedoch einigen Zweifel betreffs des zweiten Theiles. Ich wüßte denn auch nicht, warum Herr Steinhardt eben nur gegen die Orgel von einem solchen Widerwillen erfüllt ist, nicht aber in mindestens gleichem Maße gegen einen solchen - Rabbiner! Mehr jüdischer Sinn als in Arad herrscht in Szeged in. wo der bekannte Leopold Löw residirt. Steinhardt hatte nämlich in Arad an Ahron Chorin einen tüchtigen Vorgänger, der den dortigen Boden für die Reform mit unsterblicher Böswilligkeit urbar gemacht hat. Anders in Szegedin. Dort traf Löw «och viel jüdischen Sinn, weshalb es demselben denn auch nicht gelang, seine Reform-

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