Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1875)
- Date
- 1875-07-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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615 auch die bildende Kunst an stylvollen und heiteren Trinkgefäßen versucht, und eine Mannigfaltigkeit in Bechern und Humpen geschaffen, die staunenswerth ist. Es sind darin die barocksten Einfälle wie der edelste Kunstgeschmack verkörpert. Neben dem hohen Pokal aus der Silberkammer einer fürstlichen Hofburg mit irgend einer mythologischen oder geschichtlichen Begebenheit, begegnet man dem handfesten Humpen aus der weinlustigen Ritterzeit, dem charakteristischen Festpokal einer mittelalterlichen Handwerker-Trinkstube oder auch der silbernen Verewigung eines freudigen Familienereignisses — kurz! Bewunderung und Belehrung werden von jedem Stücke der Sammlung in Anspruch genommen. Während auf der Günthersburg die großen Gegenstände, die wir oben theilweise benannt haben, aufgestellt sind, enthalt das Stadthaus Rothschilds am Untermainthor zu Frankfurt a. M. womöglich noch bedeutendere Schätze an unübertrefflichen Bergkrystallarbeiten (u. A. das berühmte Schmückkästchen des Benvenuto Cellini), die schönsten Elfenbein- und Holzschnitzereien der berühmtesten Künstler, Gold- und Limoge-Sachen j in großartiger Auswahl, der glänzenden und kost-! baren Möbel der italienischen Renaissance und aus! den Zeiten der französischen Ludwig, ganz zu ge-! schweigen! Es ist zu bedauern, daß diese Sammi lungen nicht einem größeren Publikum zugänglich sind. (Der Herausgeber dieser Blätter hatte vor! einigen Jahren das Vergnügen, die im Stadthause! des Herrn Baron von R. aufgestellten Kunstschätze! zu bewundern. Allein das obenerwähnte Schmucki kastchen von Benvenuto Cellini hat einen Werth von mehr als einmalhundertlausend Thalern! R e d.) j Gartz 6. O. Zur Warnung für die betreffen-! den Interessenten fühle ich mich veranlaßt, Folgenj des durch Ihr geschätztes Blatt zu veröffentlichen. j Ein linD Namens Maier Kassel aus Tauroggen in j Rußland verkaufte mir vier Paar Als ich j dieselbe, wie ich gewöhnt bin, vorsichtshalber öffnen! ließ, fand sich, daß alle VO12 sind. In einer der-! selben lag gar nichts und in einer andern ein! alles zerschnittenes Pergamentitückchen. > R. Z. Karaer.! Leipzig. Die Errichtung einer deutsch-israe- - litischen Darlehenskasse ist dahier projectirt und!!theilweise im Entstehen begriffen. Diese Darlehenskasse, die unbestreitbar einem schon lange fühlbar! gewordenen Vedürfniß abhelfen will, wird an un-; bemittelte jüdische Mädchen und Frauen, sofern j «sich dieselben als erwerbsfähig legitimiren, zur Bej Igründung einer selbstständigen Existenz unverzinsj Uiche Darlehen gewähren. In gleicher Weise j können, nach Ermessen der Verwaltung, Darlehen auch zu dem Zwecke gewährt werden, um unbemittelten jüdischen Mädchen und Frauen eine fachmäßige Vorbereitung zur selbstständigen Erwerbsfähigkeit zu ermöglichen, sobald eine solche Vorbereitung voraussichtlich nur kurze Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Zwei vorläufig nicht genannt sein wollende Männer haben sich bereit gestruden, den Grund zu einer Darlehenskasse durch Schenkung von je 15,000 Mark zu legen. Der Verwaltungsrath, an dessen Spitze Herr Stadtrath Moritz Kvhner, Präsident des israelit. Gemeindebundes steht, fordert die mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen, ganz besonders edle Frauen auf, durch jährliche Beiträge, Schenkungen und Vermächtnisse diesem Werke der Humanität ihre Beihilfe angedeihen zu lassen. Sonderbar und in keiner Weise zu billigen ist, daß nach § 9 der Statuten „die Thätigkeit der Darlehenskasse nur diejenigen jüdischen Gemeinden umfaßt, welche dem isr. Gemeindebund angehören, resp. später demselben beitreten werden." Ob wohl der löbl. Verwaltungsrath jährliche Beiträge, Schenkungen und Vermächtnisse von Glaubensgenossen aus Gemeinden, die dem isr. Gemeindebünd nicht angehören und auch nicht beitreten wollen, zurückweisen wird? Bertiherr (O.-S.), 24. Juni. Seit mehreren Monaten befinden sich zwei, ihrem Auftreten und ihrer äußeren Erscheinung nach scheinbar den besser situirten Vermögensklaffen angehörende Männer jüdischen Glaubens in Deutschland, woselbst sie die Mildthätigkeit hiesiger Glaubensgenossen für ihre durch Typhus und Cholera sehr stark mitgenommene Gemeinde K. in Rußland anrufen. Sie weisen den ihnen ertheilten Auftrag, für die unglückliche heimathliche Gemeinde zu sammeln, um Waisenhäuser und ähnliche wohlthätige Institute zu errichten, durch Atteste hochgestellter Personen und Glaubensgenossen nach, und lassen die gereichten Gaben in ein Spendenbuch verzeichnen. Das betreffende Spendenbuch weist auch schon mehrere Tausend Thaler von Beiträgen ans den verschiedensten Theilen Deutschlands nach. Vor Kurzem waren die edlen Menschenfreunde hiesiger Gegend auch um Beisteuern durch die betreffenden Collecteure angegangen worden, welche das Elend der total verarmten und durch Cholera und Typhus um den größten Theil der arbeitsfähigen und ernährenden Männer beraubten Gemeinde mit sehr lebhaften Farben zu schildern wußten. Sie selbst, die Sammler, seien angesehene, wohlhabende Bürger und Gemeindemitglieder, beanspruchen für sich nicht das