Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1875)
- Date
- 1875-07-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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616 Geringste, wollten nur ihren durch Unglück hart betroffenen Glaubensgenossen helfende Dienste leisten. Mit den besten Wünschen für das fernere Gelingen der aufopfernden Hingabe und Thätigkeit stoffen auch in hiesiger Gegend den Sammlern Gaben zu. Kaum war die hiesige Gegend von den braven Genossen verlassen worden, als auch schon sich herausstellte, daß dieselben Betrüger sind, die weder aus Kin Rußland stammen, noch berechtigt sind, für die dortige Gemeinde zu collectiren, die gesammelten Beiträge daher in ihren Nutzen verwenden und mit einer ausgesuchten Lüderlichkeit verprassen. Die Gauner sind aus dem galizischen Grenzorte Oswienciem, haben sich aus Berlin, wo selbst derartiges von einer Ehrengesellschaft förmlich fabrikmäßig betrieben werden soll, gefälschte Zeugnisse beschafft und machen nun die Welt unsicher. Die hochbetagte Mutter des einen der Gauner hat von dem Treiben ihres mißrathenen Sohnes Kunde bekommen und tonnte trotz ihrer Hinfälligteit sich nicht überwinden dem Sohne nachzureisen, um ihn von seinen Niederträchtigkeiten zurückzuhalten und da dies nichts fruchtete, so ging sie den Rabbiner Dr. Cohn in unserer Nachbarschaft Kattowitz an, vor dem Betrüger öffentlich zu warnen, was in der jüdischen Presse auch schon geschehen ist. Aus Dortmund, 30. Juni, wird der F. Z. geschrieben: „Der Brutalitätsstatistik, welche der alte Friedrich Harkort gesammelt und veröffentlicht hat, dürfte ein Vorfall' eingereiht werden, welcher am 26. Juni im Lokale der exclusivften Gesellschaft Dortmunds, im Casino, sich ereignete. Ein Gymnasiallehrer B., somit ein Mann der Wissenschaft und Bildung behauptete in Anwesenheit eines allgemein angesehenen jüdischen Arztes, welcher ordentliches Mitglied des Casinos ist: Juden gehörten nicht in die Gesellschaft, sie seien eine Race, mit der die Christen nichts gemein hätten, welche die Christen nur schädige rc. Als der Arzt dem Lehrer der Wissenschaft wegen dieser Auslassung wörtlich entgegentrat, bewies Letzterer dem Arzt schlagend, daß er, der Lehrer, Recht habe, d. h. „er schlug ihm ins Gesicht". Dieser trug in jüdischer Geduld die — Bildung seines Gegners. Die „Wests. Z." brandmarkte in richtiger Würdigung der der Presse gestellten Aufgabe dieses Verfahren in ihrer Nummer vom 28. Juni. Allein — quod licet Jovi, non licet bovi — hätte es sich um Arbeiter gehandelt. dann wäre dieses Blatt keinem Widerstand begegnet, so es sich aber erdreistete, die Rohheit eines „Gebildeten" an das Tageslicht zu ziehen, da regnete es Proteste und Abonnementskündigungen. Auch' der Vorgesetzte des edlen Schlägers, der Gymnasialdirector, gab seinem Mißfallen durch sofortige Kündigung seines Abonnements beredten Ausdruck, ja sogar der Vorstand des Casino, dieser Dortmunder Creme, that das Gleiche, ohne zu bedenken, daß er damit seine Befugniß überschritt, indem laut Statut er über die Wahl der Zeitungen für die Gesellschaft nicht eigenmächtig verfügen darf." Schweiz. Basel, 4. Juli. In der Schweiz erregt gegenwärtig ein Glaubensgenosse, Herr Dr. von Bessermann aus Petersburg, derzeit im Hof in Birsfelden bei Basel wohnhaft, gerechtes Aufsehen. Die Schweizer Blätter, in deutscher wie in französischer Sprache, sind voll von öffentlichen Danksagungen für glücklich ausgeführte Euren, deren Beschreibung an das Wunderbare streift. Ein Herr D- Kibiger-Lchäublin, zum weißen Adler hier, litt an einem Herzübel und an der Wassersucht; die zahlreichen Aerzte, die er consultirte, hatten ihn aufgegeben; Herr Dr. von Beffermann curirte ihn in einem Zeiträume von drei Wochen. Herr Chr. Schäfer- Speitel von hier litt an einem schmerzlichen Halsübel; die bedeutendsten Aerzte, die er zu Rathe gezogen, wußten nicht zu helfen; Herr Dr. von Beffermann brachte ihm schon nach kurzer Zeit vollständige Heilung. Eine französische Zeitung berichtet von einem vornehmen Herrn in Genf, der wahnsinnig geworden war. Alle Heilungsversuche waren vergeblich, bis Herr Dr. v. B. ihn behandelte. Nach Verlauf eines Monats war der Kranke vollkommen genesen. — Wie wir vernehmen, besitzt Herr Dr. v. B. auch eine hervorragende talmudische Gelehrsamkeit. Spanien. Madrid, 4. Juli. Die „Correspondencia" enthält einen Artikel, welcher ausführt, daß die katholische Religion die Staatsreligion Spaniens bleibe und der Staat die Kosten des Cultus übernehme. Falls die in Regierungskreisen vorherrschenden Ansichten maßgebend würden, werde kein Spanier wegen seiner religiösen Ansichten beunruhigt, aber als öffentliche Religionshandlungen würden nur die Gebräuche der katholischen Religion anerkannt werden. England. London. Drei aus Teheran (Persien) gebürtige Israeliten sind dahier angekommen, um